Kirchensteuer für Partner fällig wenn dieser keiner Glaubensgemeinschaft angehört?

2 Antworten

Hallo Father224,

um deine Frage kurz zu beantworten:

  1. Nein, dein Ehepartner wird die sogenannte "Kirchensteuer" nicht entrichten müssen.
  2. Du wirst auch keine "Kirchensteuer" für deinen Ehepartner bezahlen müssen.
  3. Du wirst nach der Hochzeit sogar weniger "Kirchensteuer" bezahlen müssen.
  4. Darüber hinausgehende Kirchgelder sind freiwillige Spenden. Die muss grundsätzlich niemand bezahlen.

Erklärung:

Die sogenannte "Kirchensteuer" heißt eigentlich Körperschaftssteuer. Alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, die als Körperschaften des öffentlichen Rechts (KdÖR) anerkannt sind, können eine Körperschaftssteuer erheben und diese durch die Finanzämter von ihren Mitgliedern einziehen lassen. Wenn dein Ehepartner kein Mitglied einer solchen KdöR ist, wird von ihm auch keine Körperschaftssteuer eingezogen.

Die Körperschaftssteuer wird nach der Höhe der zu zahlenden Einkommenssteuer berechnet. Die genaue Höhe wird in jedem Bundesland von einer Vertretung der Mitglieder der jeweiligen KdöR festgesezt. Wenn die Mitgliedervertretung nicht zustimmt, würde übrigens gar keine Köperschaftssteuer erhoben. Meistens sind es ca. 8% der Einkommenssteuer. Wirtschaftlich gut gestellte Mitglieder einer KdöR zahlen mehr; wirtschaftlich schlechter gestellte Mitglieder zahlen weniger; Mitglieder ohne Einkommen zahlen nichts. Da du durch deine Heirat sehr wahrscheinlich in eine günstigere Steuerklasse gelangst und daher weniger Einkommenssteuer entrichten musst, zahlst du folglich auch weniger Körperschaftssteuer.

Kirchgelder sind, wie gesagt, freiwillige Spenden. Sie werden gewöhnlich von der jeweiligen Pfarrgemeinde am Wohnort erhoben. Wobei man von einer "Erhebung" eigentlich nicht wirklich reden kann. Irgendein Gremium in der Pfarrgemeinde rechnet durch, wie viel Geld man so ungefähr zur Deckung anfallender Kosten braucht und nicht aus von der Diözese zur Verfügung gestellten Mitteln bestritten werden können. Dann schätzt man ab, wie die eigenen Gemeindemitglieder wirtschaftlich gestellt sein dürften, rechnet ein, dass ein gewisser Teil der Mitglieder nichts bezahlen wird und verschickt Briefe, wie viel (gemessen am Einkommen) man denn gerne hätte...

Aber vom besonderen Kirchgeld hast du noch nichts gehört? Gut, es ist Länderabhängig. Aber wenn du in dem betroffenen Land wohnst, z.B. RLP, zahlst du die Kirchensteuerbeiträge nun mal mit sofern der Partner keiner Religion angehört. So wie du es beschrieben ist die Rechtslage nämlich NICHT. Zumindest nicht überall. Ob es das besondere Kirchgeld in jedem Land gibt weiß ich nicht. Aber lustig wie du argumentierst

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@Duracraft91

Ah, Ich glaube du meinst das "Besondere Kirchgeld bei glaubensverschiedener Ehe"!

Okay, das habe ich nicht erwähnt, weil es für die Fragestellerin nicht relevant ist, da sie ja schrieb, dass ihr Partner in Deutschland arbeitet. Das Kirchgeld bei glaubensverschiedener Ehe darf nur erhoben werden, wenn ein Partner über kein eigenes Einkommen verfügt und der andere Partner keiner körperschaftssteuerberechtigen Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft angehört. Obwohl - wie mir jetzt scheint - die Fragestellerin auch danach gefragt hat....

Jetzt, das wirklich bekloppte:

Bis vor ein paar Jahren wurde diese Abgabe tlw. auch erhoben, wenn beide Partner ein Einkommen hatten, jedoch in unterschiedlichen Steuerklassen waren, um das Ehegattensplitting zu bekommen.

Das war rechtswidrig und widersprach einer (eigentlich unmissverständlichen) Entscheidung, des Bundesverfassungsgerichts aus den 1960er Jahren! Untere gerichtliche Instanzen hatten sogar bei Beschwerden dagegen regelmäßig Rechtsfehler begangen. 2015 hat dar Bundesfinanzgerichtshof damit jedoch aufgeräumt. Sollte das trotzdem noch in irgendeinem Bundesland Praxis sein, sollte man dagegen Verwaltungsbeschwerde einlegen (wobei der Austritt aus der entsprechenden KdöR natürlich einfacher geht).

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@Gruenkohl28

Das klingt ja erstmal gut aber was wäre wenn ich zum Beispiel aufhören würde zu arbeitwn wegen schwangerschaft ? Dann müsste mein Partner für mich das besondere Kirchengeld zahlen obwohl man in den Niederlanden so was nocht hat ?

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@Feather224

Also: Dass dein Verlobter niederländischer Staatsbürger ist, spielt für die Erhebung von Steuern, Angaben und dergleichen kaum eine Rolle. Wenn er in Deutschland arbeitet zahlt er hier Lohnsteuer und ggf. auch diese eigenartige Sonderabgabe für deine Kirchenmitgliedschaft. Ob es das in den Niederlanden gibt oder nicht spielt keine Rolle. Wenn dein Partner in Deutschland mit Gras erwischt wird, hilft es ihm ja auch nicht, dass man das in den Niederlanden liberaler handhabt.

Falls er in den Niederlanden arbeitet und ein deutsches Finanzamt diese Sonderabgabe für die konfessionsverschiedene Ehe will --> Fachanwalt für Steuerrecht konsultieren.

Wenn du schwanger wirst, wird es ohnehin nochmal kompliziert. Kann daher nicht sagen, wie es dann aussieht. Da greifen ja die ganzen Gesetze zu Mutterschutz, Elternzeit... --> Steuerberater - euch steht ja einiges zu, wenn ihr rechtzeitig die richtigen Anträge stellt. Da ließe sich die Sache mit dem Kirchgeld auch erfragen.

Wenn du jedoch auch nach der Elternzeit ein Hausfrauendasein führen willst und dein Partner in Deutschland arbeitet scheint mir die Sache eindeutig: Er zahlt dieses Kirchgeld für dich.

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Hallo, es ist ganz einfach. Wenn du einem Kirchenverein angehörst und dein Partner nicht, bezahlst du für ihn die Kirchensteuer mit. Immerhin kommt er durch dich in den Genuss der Kirche.

Hört sich bescheuert an? Ist es auch. Aber so ist die Rechtslage. Du kannst aber einfach aus der Kirche austreten dann musst du gar keine Steuer mehr bezahlen. So haben wir das gemacht :)

Hört sich bescheuert an? Ist es auch. Denn so ist die Rechtslage eben NICHT.

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