Kindererziehung in Deutschland: Wie haben euch eure Eltern diszipliniert?

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13 Antworten

Meine Erziehung in den Sechzigerjahren beinhaltete noch Ohrfeigen und (vom Vater abends vollzogene) Schläge auf den Hintern für "Kapitalvergehen". Das erklärt sich aber zum einen aus der damals noch üblichen körperlichen Züchtigung für Kinder und aus dem verhältnismäßig hohen Alter meiner Eltern, die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren aufgewachsen waren und nichts anderes kannten.

Verdroschen bin ich allerdings nicht geworden; mir waren meine "Vergehen" in aller Regel bewusst und ich konnte die Schläge als Strafe für ein bestimmtes Fehlverhalten zuordnen.

Wir hatten allerings auch keinen Fernseher, und wenig Spielzeug, mit dessen Entzug uns gedroht werden konnte. Und eine Maulschelle oder ein versohlter Hintern haben vielleicht eine halbe Stunde gebrannt, ein Hausarrest wäre für Kinder, die fast ihren ganzen Tag ausßerhalb der Wohnung verbracht haben, viel schlimmer gewesen. Draußen konnten wir wenigstens wieder was anstellen.

Nur eines habe ich ungerecht empfunden: Als ich von einem Nachbarn eine Ohrfeige erhielt und mich darüber bei meinen Elten beschwerte, bekam ich gleich nochmal eine dazu nach dem Motto "der hat schon gewusst, warum er dir eine gelangt hat".

Unsere Kinder haben wir bis auf zwei oder drei Ausrutscher ohne körperliche Strafen erzogen. Diese Ausrutscher haben aber den Eltern mehr weh getan als den Kindern. Aber das völlig zornentfesselte Kind hätte sich anders nicht wieder eingekriegt.

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In den 70ern aufgewachsen, habe ich und meine Geschwister häufig einen hinter die Löffel bekommen- meist von der Mutter. War völlig normal. Meine Kinder habe ich nie geschlagen - bis auf eine Ausnahme - meine Tochter hat mit 2 1/2 in einem Trotzanfall beinahe einen schweren Unfall gehabt - sie ist einfach auf die Strasse gerannt und ein LKW konnte gerade noch bremsen. Da hat es einen Klaps auf das Händchen gegeben, der mir heute noch weh tut.
Was mich erschüttert ist weniger ein Klapps oder so ( sieht man in der Öffentlichkeit eigentlich nur noch bei Südosteuropäern oder sichtlichen Neueuropäern), sondern mit welchen  nicht kindgerechten Methoden argumentiert wird und wie hilflos Eltern gegenüber Kindern, die Grenzen austesten wollen, sind. Lieblos und schlecht vorbereitet - Trotzphasen, Unlust, Pubertät sind keine Erfindungen der 2010er Jahre :-)
Ich sehe, dass sich die Gewalt eher auf seelische Gewalt gewandelt hat.
Aber positiv: es wird viel darüber diskutiert.

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Steffile 04.10.2017, 09:31

Man sieht sowas heute nicht in der Oeffentlichleit, aber hinter verschlossenen Tueren gehen auch heute unschoene Sachen ab.

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Ich spreche hier nicht unbedingt von Missbrauch oder Gewalt, sondern von Ohrfeigen, Klaps auf den Po usw.

Also stellen Ohrfeigen, "Klaps" auf den Po ("Klaps" ist auch nichts anderes als ein Euphemismus für Schlag!) für dich keinen Missbrauch, keine Gewalt dar?

Jede erniedrigende Erziehungsform ist Gewalt, ist Missbrauch an seinem Schutzbefohlenen.

Ich bin in den 70-gern aufgewachsen, in meiner Familie waren körperliche Bestrafungen an der Tagesordnung. Ich sage dazu: wir wurden nicht erzogen, wir wurden dressiert.

Körperliche Bestrafungen waren damals allerdings auch per Gesetz nicht explizit verboten, wie es heute der Fall ist. (§1631 (2) BGB)

Und mMn waren sie weitgehend akzeptiert, bei vielen meiner Klassenkameraden war es zuhause ähnlich.

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Wie Du schon sagst, "körperliche Züchtigung" war damals normal. Bei uns gab es täglich die ganze Palette von Klaps, Ohrfeigen, Schlägen an alle Körperstellen, aber auch regelrechte Prügel (die zum Glück nicht täglich). Das war auch unabhängig vom Alter der Kinder, auch die Großen kamen nicht ungeschoren davon. Notfalls gibt's ja Hilfsmittel (Kochlöffel, Gürtel) oder es wurde halt gewartet bis "Papa heimkommt". Der hatte muskulär mehr zu bieten.

Dass körperliche Gewalt später verboten wurde, konnten die Eltern nie nachvollziehen. Selbst bei den Enkeln konnte man sich sicher sein, wann denen die Hand ausrutscht, deshalb blieb man bei Besuchen am besten immer in Sicht- und Hörweite.

Nach wie vor sind die davon überzeugt, dass ein "Klaps" noch nie jemandem geschadet hätte, sondern manche Menschen einfach zu wenig davon bekommen hätten.  

Dazu muss man nichts mehr sagen, oder?

Soviel zu Deiner Frage, wie es vor dem Verbot der körperlichen Gewalt war.

Zu meinem Entsetzen stelle ich allerdings fest, dass auch heute viele junge Menschen noch immer glauben, dass Klapse und Schläge "noch nie jemandem geschadet hätten" und die Leute sich nicht so aufregen sollten, schließlich kapierten es die Kinder nicht anders. Es entsetzt mich allerdings auch, dass Kindern nach wie vor nicht geglaubt wird, wenn sie zum Beispiel im Kindergarten oder der Schule erzählen, dass sie zu Hause geschlagen werden. Wenn sehr viel passiert, wird ein Elternteil zum Gespräch eingeladen, der streitet dann alles ab, tut sehr fürsorglich, und damit ist die Sache vom Tisch. Das Kind wird zu Hause bestraft (man darf raten, wie), als Lügner und Verräter hingestellt und bekommt u. a. Redeverbot.

Das System funktioniert immer noch.

Und wen interessiert's? Leider niemanden. Sind doch "nur Klapse". Solange ein Kind nicht krankenhausreif geschlagen wird, passiert weiterhin nichts.

Geändert hat sich zwar ein bisschen was, aber immer noch zu wenig.

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ich wurde niemals von meinen Eltern geschlagen(70er Jahre), auch kein Klaps. Und klar habe ich Sachen angestellt, die Pupertät war auch nicht ganz einfach. Aber alles im normalen Bereich und aus mir ist auch was anständiges geworden. 

Züchtigung in der Erziehung macht aus Kindern meist extrem gute Lügner. Sie wollen keinesfalls erwischt werden. Das ist etwas, was ich meinen Kindern keinesfalls anerziehen möchte, sie sollen mir vertrauen können und ich ihnen. Ich will nicht, dass meine Kinder Angst vor mir haben. Ich habe sicher oft rumgeschrien, was auch nicht immer okay war, aber ich habe und hätte meine Kinder nie geschlagen. 

Es gibt andere Erziehungsmittel und Strafen, wie man Kindern signalisieren kann, dass sie was falsch machen. 

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Nö, meine Kinder habe ich nie geschlagen.
Ich wollte sie zur Freiheit befähigen und habe mich immer darauf verlassen, dass "Blut dicker ist als Wasser".

Dem lag die antiautoritäre Erziehung zu Grunde und die Erkenntnis, dass die Zukunft den Kindern gehört.

Das nicht allein, auch meine Einstellung, dass "niemand, der bei Verstand ist, eine Familie angreift".
Es gibt keine stärkere Kraft als eben eine Familie.

Das hat die Politik leider aus den Augen verloren und sich einseitig auf die Förderung von Egoismus und Gier eingelassen.
Wider besserer Einsicht: "Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft", Altkanzler Helmut Kohl (CDU).

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Barney123 04.10.2017, 11:54

Hallo sissesPDF,

Du weißt schon, dass für eine  antiautoritäre Erziehung mindestens 20 bis 30 Kinder notwendig sind, weil sonst die demokratischen Abstimmungen keinen Sinn machen? In der Familie also eher nicht möglich ist?

LG

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FataMorgana2010 05.10.2017, 01:56
@Barney123

Was ist denn das für eine absurde Vorstellung? Antiautoriäre Erziehung heißt nicht "wir stimmen über alles mit 20-30 Kinder ab". 

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soissesPDF 05.10.2017, 02:00
@Barney123

Nö, das weiß ich nicht, laut Grundgesetz haben allein die Eltern das Recht und die Pflicht zur Erziehung. Gewöhnlich auch Erzehungsberechtigte genannt.

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Überhaupt nicht, ich hab auch so so gut wie alles gemacht was mir gesagt wurde, was aber wohl eher daran lag, dass ich sehr eingeschüchtert und ein stilles Kind war.

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So eine Vorgehensweise finde ich eher schlecht.Da bin ich dann eher sauer auf die Person die sich so verhält. 

Was mir immer gut getan hat war ein offenes Ohr und das Angebot mit mir zu üben- mich abzuprüfen wenn ich für die Schule gelernt habe... Es tut mir extrem gut wenn ich offen über alles reden kann... wirklich über alles - ohne jedes Tabu. Und es tut gut wenn man sich verstanden fühlt....

Egal um was es geht - man sollte immer alles logisch erklären können...

"Es ist wichtig, dass das gemacht wird, weil...  wenn man das nicht macht, könnte das passieren... wir könnten die Arbeit fair unter einander aufteilen... Wer macht was wann? - Wie denkst du darüber? Gibt es irgendwelche Gegenargumente?"

Wenn man zusammen hilft und die Eltern selbst vorleben was sie sich von den Kindern wünschen würden sollte es keine gröberen Probleme geben müssen. 

Und vor allem auch wenn die Eltern nicht immer so darauf beharren immer richtig liegen zu müssen sondern auch offen dafür sind dazu zu lernen... Das ist ein großes Problem habe ich fest gestellt... das können viele noch nicht so gut... Denn der Erwachsene kann ja sagen warum er etwas auf seine Weise so machen möchte... warum er das für wichtig hält... ob das deshalb andere auch so machen müssen/sollen - darüber kann man reden... 

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Ohrfeigen oder ähnliches bekam ich nie (1960er Jahre). Meine Kinder habe ich gewaltlos erzogen. Es gab nicht mal Hausarrest.

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Ich bin ebenfalls in den 70ern aufgewachsen. Schläge waren für meine Eltern völlig tabu, das war kein Erziehungsmittel, zu dem sie gegriffen hätten. 

Ohrfeigen sind auch Gewalt. 

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Mein Vater hat mich richtig verdroschen.

Das hat mich nicht dazu gebracht, ein besserer Mensch zu werden.

Aber ein verdammt guter Lügner. Und das wieder meine eigentliche Persönlichkeit, die Lügen gar nicht gut findet.

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Ich bin in den 70ern aufgewachsen und habe nie Ohrfeigen und Schlaege bekommen (war auch nicht noetig :P)

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Ich bin Jahrgang 1961. Meinem Vater ist mal die Hand ausgerutscht. Aber das war äußerst selten. Wir wurden gar nicht bestraft. Es gab kein Fernsehverbot oder ähnliches.

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