Kinder auf Latein aufziehen?

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Hi,

um einem Kind eine Sprache beibringen zu können, sind eigene Sprachkenntnisse auf Muttersprachenniveau gefragt, da das Kind sonst Probleme bekäme. Da die besagten Sprachen aber so lange nicht mehr gesprochen werden, dass die Aussprache nur noch rudimentär rekonstruierbar ist, wird es schwierig. Da man Latein und Altgriechisch zunächst nur übersetzen lernt, wird man lediglich auf vielfach überlieferte (u.U. auch fehlerhaft abgeschriebene) schriftliche Erzeugnisse geschult, die eventuell nicht mehr so viel mit der gesprochenen Sprache gemein haben (s. Diglossie). Man müsste die Sprachen also selbst auf kommunikativer Basis lernen und böte dem Kind selbst wenn man die gesamte Wissenschaft der etwaigen damaligen Aussprache mit einbezöge aufgrund oben genannter Kriterien für eine Muttersprache unzureichende Sprachkenntnisse. Daher würde das nur sehr theoretisch funktionieren und ist aus pädagogischer Sicht nicht empfehlenswert, schon allein weil das Kind versuchen wird, die Sprache im Alltagsgebrauch weiterzuentwickeln.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Prinzipiell ist das möglich, aber Latein ist uns heute fast nur als Schriftsprache bekannt, über die Umgangssprache wissen wir nicht viel. Spracherwerb funktioniert aber erstmal nur über die Umgangssprache. Die betreffenden Personen müßten ihre komplette tägliche Kommunikation über die lateinische Sprache abwickeln, auch banale Haushaltsdinge oder Ausdruck von Emotionen. Wenn man eine tiefe Kenntnis der Sprache voraussetzt, ist es sicher möglich, viele Lücken intuitiv zu schließen, es entwickelt sich dabei aber eher ein privater "Code" als tatsächlich authentisches Alltagslatein.

Ja, sie könnten das machen, wenn sie flüssig Latein mit erweiterten Wortschatz sprechen könnten. Leider sind solche Menschen meistens katholike Priester.

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