Kinder auf der Intensivstation

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Ab welchem Alter man in die Intensivstation darf, weiß ich nicht und ob Du älter als 12 aussiehst ist hier auch herzlich egal

Nun, Du bist noch ein Kind. Meine Tochter ist 11 und würde sie mich fragen, was sie tun soll würde ich ihr antworten: So, wie Du Deinen Opa zuletzt gesehen hast, das behälst Du auch so in Deinen Erinnerungen. Alt, krank und an viele Schläuche und Apparate angeschlossen. Bestimmt würde Dein Opa dich noch sehen wollen (wenn´s denn dem Ende nahe geht) aber er würde sicherlich nicht wollen, dass Du so an ihn denkst....

Wenn es der Herzenswunsch Deines Opa´s ist, dann geh hin. Du tust es für ihn und nicht nur für Dich. Wenn er sagt, Du mußt/brauchst nicht kommen, weil er selbst nich will, dass man ihn so sieht, dann kannst Du ohne jedes schlechte Gewissen zuhause bleiben.

Ja...hm...Danke für die Antwort.

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@pechvogel88

Aber würdest du deiner Tochter denn dann etwa auch verbieten ihn zu sehen? (meine Eltern machen das ja nicht)

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@pechvogel88

Verbieten ist vielleicht das unpassende Wort.

Ich verstehe Deinen Wusch, Deinen Opa nochmal sehen zu wollen und auch, dass Du ein schlechtes Gewissen wegen Deiner Uroma hast (eben weil Du nicht hingegangen bist).

Aber, die beiden sind/waren alt und wissen, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt um zu gehen. Das ist schon schwer genug. Es ist aber auch für Deinen Opa schwer, wenn er DICH sieht, wie unendlich traurig Du bist, weil er vielleicht nicht mehr lange lebt. Es macht ihn eher traurig, als dass er sich über Deinen Besuch freut. Mädchen, Du bist 12 und "darfst" noch Kind sein. Ich als Mutter würde meiner Tochter zu verstehen geben, welcher Goldschatz es sein kann, wenn man seine kindliche Naivität behalten kann (ich meine nicht im Sinne von dumm!!) Wenn man noch nicht alles weiß und auch noch nicht alles gesehen hat - das erfährt man noch früh genug.

Schau, Dir geht es doch darum, Deinem Opa zu zeigen, wie sehr Du ihn gern hast. Da hast Du doch auch noch ganz andere Möglichkeiten, als wenn Du ihn besuchen gehst. Wenn es so sein sollte, dass er nicht mehr lange lebt, dann schreib ihm einen Brief, schreib ihm Deine Gedanken und auch, an welche Momente Du zu seinen Lebzeiten Dich richtig gern erinnerst. Du kannst den Brief in eine Art Collage gestalten, mit selbstgemalten Bildern, Bildern aus Deiner Kindheit (vielleicht auch welche, wo ihr beide zusammen drauf seid), Schreib zu den Bildern kleine Kommentare in der Art: Weißt Du noch, da waren wir (oder haben wir) dies und jenes gemacht und ich hatte so viel Spaß dabei.

Weißt Du, im Gegensatz zu einem Besuch zu einem traurigen Anlaß, kann er diesen Brief/Bild/Collage immer wieder noch zur Hand nehmen, es anschauen und sich darüber freuen, dass er seine Enkelin glücklich gemacht hat.

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@kugel

Ich finde sehr schön was du geschrieben hast. Nur zu dem einen Satz: ,,Schau, Dir geht es doch darum, Deinem Opa zu zeigen, wie sehr Du ihn gern hast. ,,

Es geht mir darum, aber ich habe auch Angst das ich wenn ich nicht hinfahre wieder diese Schuldgefühle habe und es mir schlecht geht..verstehst du?

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@pechvogel88

Oh ja, ich verstehe Dich! Zum einen denkst Du, Deine Uroma ist traurig und vielleicht enttäuscht von Dir gestorben, weil Du sie nicht besucht hast und auf der anderen Seite hast Du das schlechte Gewissen, eben, weil Du nicht mehr zu ihr hingegangen bist.

Ich bin mir aber sicher, würde Deine Uroma jetzt auf einer dieser Schönwetterwolken vorbeigeflogen kommen und könnte Dir noch ein paar Worte mit auf Deinen Lebensweg geben würde sie Dir sagen: "Ach mein Mädchen, was machst Du Dir denn für Gedanken? Dass Du mich zum Schluß nicht besucht hast ist doch nicht schlimm! Ich weiß doch auch so, wie gern Du mich hattest! Und, ich hätte auch gar nicht gewollt, dass Du mich so siehst, wenn es mir ganz, ganz schlecht und weiß, dass ich bald sterben werde. Ich will, dass Du Dich an unsere schönen Zeiten erinnerst und nicht immer daran, dass Du mich in meinen letzten Stunden nicht mehr besucht hast."

Schau, ich hatte vor zwei Jahren Krebs. Ich wurde operiert, kriegte Chemo und wurde bestrahlt. Ich habe zwei Kinder in fast Deinem Alter. Das schlimmste war nicht nur die Angst, die ich vor meiner Krankheit hatte (und Dein Opa bestimmt auch) sondern, dass meine Kinder mitansehen mußten wie schlecht es mir zum Teil ging und wie sie mit mir litten. Ich hätte viel darum gegeben, wenn ich ihnen diese Erfahrung hätte ersparen können.

Dein Opa ist ja nun schon ein ganzen Stück älter als ich aber ich glaube fest, er denkt genauso wie ich.

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Bei uns im KH gilt die Vorschrift, ab 16 Jahren, in anderen Häusern widerum ab 14 Jahren..Der betreuende Arzt in begründeten Einzelfällen Ausnahmen treffen.

Es wird aber eher abgelehnt als zugestimmt, weil schon mehrfach Kinder/ Jugendliche kollabiert sind und ebenfalls behandelt werden mussten.

Man sollte die Person lieber so in Erinnerung behalten wie sie ist. Denn der Anblick eines nahen Angehörigen kurz vor dem Tod ist nicht schön.

Auch wir als Krankenhausmitarbeiter, sowie die Kollegen von Feuerwehr, Rettungsdiensten und der Polizei können in diesem Beruf nur arbeiten, weil man die Situation der (fremden) Patienten und Menschen nach Dienstschluss abgibt und 99% auch auf der Arbeit lässt. Würde man jeden Fall mit nach Hause nehmen, so könnte man mit der Last nicht umgehen. Aber auch die Mitarbeiter sind nicht unbedingt bessere Menschen, sondern würden in vielen Fällen ähnlich besorgt reagieren.

Meine Empfehlung: Ist der Opa noch ansprechbar und das Bild sieht nicht allzu leidend aus (frage dort deinen Vater) gehe hin, sei aber nicht traurig oder enttäuscht, wenn du nicht reingelassen wirst. Wenn er aber wie die meisten Patienten auf Intensiv in einem sehr schlechten Zustand ist, sprich nicht ansprechbar und leidend aussieht, mein Rat erspare dir selbst diesen Anblick und behalte ihn so in Erinnerung wie du ihn hast.

In deinem Fall würde ich hingehen, weil du weißt ja nicht, ob du ihn wieder sehen wirst. Außerdem hast du ja gesagt, dass du älter aussiehst, als du bist, das heißt nichts wie hin. Ich kenne dich zwar nicht, aber trotzdem wünsche ich deinem Opa eine gute Besserung!

Danke, das ist ehrlich lieb von dir. Dann werde ich da wohl bald mal hingehen (kleines Problem: er liegt 300 km von mir einlernt, ich muss mir also extrem sicher sein)

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