Kind bekommen mit Down Syndrom?

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Wenn sich diese Frage stellt, dann steht meist die Angst dahinter, wie die Zukunft aussieht bzw. aussehen könnte. Da kann ich Euch wohl die schlimmsten Ängste nehmen. Erstens ist ein Kind mit Down-Syndrom nicht anstrengender zu erziehen als ein "normales" Kind. Im Gegenteil, gerade Menschen mit Trisomie23 sind oftmals die reinsten "Sonnenscheine". Aber es stellt sich ja sicher auch die Frage nach der Zukunft des Kindes. Die größte Angst bei den (werdenden) Eltern ist wohl die, dann lebenslang das Kind versorgen und betreuen zu müssen - wo hingegen ein "normales" Kind irgendwann einmal groß wird und auf eigenen Füßen steht. Aber auch das ist bei Menschen mit Down-Syndrom möglich und wünschenswert. Jeer Mensch sollte so selbständig wie möglich Leben dürfen. Und für Menschen mit Down-Syndrom sind in den letzten Jahren die Bedingungen sehr viel besser geworden. Da gibt es inzwischen einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung für den betroffenen Menschen. Und es gibt inzwischen viele Menschen mit Down-Syndrom, die z.B. in kleinen WG's ins ganz "normalen" Mietwohnungen zwischen ganz "normalen" Menschen wohnen. Je nach Fähigkeit können diese Menschen erstens mal einen ganzen Teil ihres Lebens auch eigenständig regeln. Und für die Bereiche, in denen sie unterstützung und Hilfe benötigen, gibt es dann eine entsprechende Unterstützung durch Betreuer. Wobei Art und Umfang der Unterstützung sich daran messen, wieviel der Betroffene selbst schaffet. Denn da sind, wie bei allen anderen Menschen auch, die Fähigkeiten sehr unterschiedlich. Man sollte als Eltern nur darauf achten, daß man das Kind möglichst zur Selbständigkeit erzieht. Aber das sollte man bei gesunden Kindern ja auch. Deine Freundin muß keine Angst haben, jetzt auf alle Zeit ihr Kind betreuen und versorgen zu müssen. Das Kind kann genau wie jedes andere auch, ab einem gewissen Alter sein eigenes Leben führen und auch selbständig wohnen. Und das ist auch erstrebenswert, sowohl für das Kind als auch für die Eltern. Zum anderen kommt es auch heute immer wieder vor, daß Kinder, denen in der Schwangerschaft ein Down-Syndrom "prognostiziert" wurde, dann doch völlig gesund geboren werden. Davon sollte man zwar erst einmal nicht ausgehen, aber es gibt schon einige Eltern, die sich mit der Frage nach Abtreibung auseinandergesetzt haben, sich für das Kind entschieden und am Ende ein gesundes Kind geboren haben. Das heißt, im anderen Fall wäre dann ein gesundes Kind abgetrieben worden. Darüber mag ich persönlich nicht nachdenken, wenn wie viel Kinder sind vielleicht trotz völliger Gesundheit am Leben gehindert worden, weil Ärzte ein vermeintliches Down-Syndrom diagnostiziert hatten. Zur grundsätzlichen Einstellung bezüglich einer Abtreibung kann ich kaum jemanden einen Rat geben, das ist eine Gewissensentscheidung, die jeder am Ende selbst treffen und verantworten muß. Aber ich kann Mut machen, denn ich weiß, daß eine Behinderung keine Sache ist, die ein glückliches und erfülltes Leben ausschließen. Ich selbst wurde vermeintlich als gesundes Kind geboren. Erst als junge Erwachsene hat man festgestellt, daß ich einen Gendefekt habe. Dadurch bin ich eingeschränkt und muß seit inzwischen 18 Jahren permanent einen Rollstuhl benutzen. Dadzu kommt Morphium,was ich aufgrund stgarker Schmerzen seit 11 Jahren ständig nehmen muß. Und doch habe ich einen 12jährigen leiblichen Sohn, den ich selbständig und alleine aufziehe. Der Vater meines Kindes hat sich verabschiedet, als der Junge 1 Jahr alt war. Natürlich hatte ich Anfangs auch Angst, ob ich das schaffe. Aber inzwischen ist er 12 geworden und eigentlich eine "Prachtjunge" (was wohl fast jede Mutter über ihr Kind denkt). Mein Sohn ist völlig gesund und auch gut entwickelt, Er hat durch meine Behinderung keine Probleme und wir leben recht fröhlich zusammen, lachen viel und haben viel Spaß. Dies einmal als Beispiel, daß auch mit Behinderung vieles machbar ist. Wenn Ihr weitergehende Fragen habt, dann werde ich versuchen, diese soweit es mir möglich ist, zu beantworten. Ich möchte Dich und vor allem Deinbe Freundin einfach wissen lassen, daß Behinderung kein Problem sein muß und daß Menschen mit Down-Syndrom auch ein selbständiges Leben führen können. Sie benötigen vielleicht in einigen Lebensbereichen Hilfe und unterstützung, aber da gibt inzwischen für Menschen mit Down-Syndrom einen Rechtsanspruch. So steht also einem eigenständigen Leben auch für die Zukunft des Kindes Deiner Freundin nichts im Weg. Vielleicht solltet ihr auch mal mit Menschen mit Down-Syndrom Komtakt aufnehmen, vor allem mit Älteren, die auch selbständig Leben und wohnen. Das kann Deiner Freundin vielleicht einige Ängste bezüglich der Zukunft für das Kind (und auch ihre eigene Zukunft) nehmen und ihr helfen, eine gute Entscheidung zu fällen.Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute und bin gerne auch ansprechbar, wenn weitere Fragen auftauchen sollten.Cindy

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Was nützt Menschen mit Down-Syndrom ihr Rechtsanspruch, wenn sie schon vor der Geburt umgebracht werden?

Was würdest du als persönlich Betroffene Menschen antworten, die verlangen, daß ein Baby mit bekanntem Gendefekt abgetrieben werden sollte, die vielleicht sogar noch unterstellen, daß diese kein lebenswertes Leben hätten und viel lieber nicht existieren würden?

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Nicht abtreiben. Wenn man erfährt, dass ein Kind behindert ist, ist das ein wahnsinniger Schock für die Eltern, va. für die Mutter und das Leben wird vllt. immer ein weniger anders verlaufen. Anders aber nicht schlechter. Und man darf auch nicht vergessen, dass die Diagnose Down Syndrom noch nichts darüber aussagt, wie das Kind wird, denn in jedem Fall ist jedes Kind anders...Man kann jetzt ja noch gar nicht sagen, ob und inwieweit eine geistige Behinderung vorliegt, ob es weitere, zb. motorische Einschränkungen gibt...Eines ist sicher es gibt von Anfang an auch Möglichkeiten der Unterstützung und des Austauschs mit anderen. Niemand sagt dass das einfach wird, aber es ist wohl mit einem Kind nie einfach.

Ich weiß ja nicht wie deine Freundin ist, aber vllt. hilft einfach das: Du bekommst dieses Kind, weil du genau die richtige bist, weil du stark genug bist und weil ich weiß, dass du diese Herausforderung meistern kannst

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