kennt sich jemand mit eichendorff aus?

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1 Antwort

Zu dem Gedicht „Nacht“ von Eichendorff: „Tritt nicht hinaus jetzt vor die Tür...., das Waldhorn ruft, als riefs nach dir...“ - Das „Du“ ist das lyrische Ich, das sich selbst anredet; es richtet eine Warnung an sich selbst, weil der irre Klang (der Sehnsucht) „betrüglich“ ist; es drohen die endlosen Labyrinthe der Wälder. Vom Wald geht also Gefahr aus. Gleichzeitig richtet sich dieser Appell auch an die Geliebte: „Behüt dich Gott, du schönes Kind!“ (Sieht man im „Du“ nur die Geliebte, ergibt sich ein Widerspruch: Die Geliebte liegt am Feuer „auf der Wacht“, also eher draußen; das Ich warnt aber, nicht vor die Tür zu gehen; es warnt also wohl sich selbst). - In der 3. Strophe ist das „Ich“ doch vor die Tür gegangen; es ist der Reiter, der sich wieder warnt: „Reiter, jetzt hüte dich! (Es lauern Gefahren: Bellen der Hunde, der erbleichende Mondschein, der Wald „im Grunde“ - romantisch leben heißt halt gefährlich leben!). - In der 4. Strophe warnt das „Ich“ sich nicht mehr, es ist so überwältigt vom Rufen der „Gründe“, vom Schlagen der Nachtigallen und vom Rauschen des Gartens, dass es sich auffordert, „von des Schlosses Stufen“ in die Nacht niederzusteigen, denn es erwartet von der wunderbaren Nacht, dass sie ihm „Wunder sagt“ (m.a.W.: die wunderbare Nacht erzählt ihm vom Wunder der Liebe, die in Gestalt der Geliebten auf das lyrische Ich wartet). Die Geliebte (in der Ferne) hat sich auch schon „hinaus vor die Tür begeben“, denn sie „liegt am Feuer auf der Wacht.“ Beide, die aufeinander zutreiben, begeben sich, da sie sich bedingungslos dem Ruf der Liebe anvertrauen, in Gefahr. Das "Du" (bzw. das "Dir") in der 4. Strophe ist der Reiter bzw. das "Ich", das sich selbst auffordert, dem Ruf der "Gründe" nachzugeben "O...steig nieder...!"

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