Kennt sich jemand mit dem Buddhismus aus?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich bin Soto-Zen-Buddhist und äußere mich gerne dazu.

Theravada

Ursprünglich war der Buddhismus stark auf das Mönchtum ausgelegt, denn die Schüler des Buddha begleiteten ihn als so genannte "Hauslose" auf seinen Wanderungen, blieben mit ihm während der Regenzeit an einzelnen Orten usw.

Die Laien konnten zwar der Lehre lauschen, aber als "Haushälter" war es ihre Aufgabe die Familie zu ernähren. Sie konnten aber ihre Unterstützung für die buddhistische Lehre durch Spenden an die Mönche zum Ausdruck bringen.

Dieses Grundmodell herrscht heute noch im Theravada-Buddhismus Südostasiens vor. Dort nehmen Laien nur während besonderer Tage (Uposatha) zusätzliche Gelübde auf sich.

Mahayana

Im Mahayana-Buddhismus wurde der Laienbuddhismus ausgeprägter, da auch die religiöse Praxis nicht allein auf stundenlange Sitzmeditation, meditatives Gehen, oder das Studium von Sutras ausgelegt war.

Praktiken wie die wiederholte Anrufung einer Verehrungsformel für den Buddha Amitabha, die als "Nianfo/Nembutsu" (chin./jap.) bekannt wurde, konnte auch vom einfachen Volk geübt werden. 

Mit dem Ideal des selbstlos handelnden Bodhisattva wurden nicht nur Mönche angesprochen, auch Laien konnten sich diesem Ziel verschreiben, ohne ihr Leben als Haushälter aufgeben zu müssen.

Im Mahayana ist Laienbuddhismus also nicht nur auf die Unterstützung von Mönchen und Tempelbesuche beschränkt, sondern es gibt ganze buddhistische Traditionen, die teilweise oder vollständig aus Laien bestehen.

Hierbei verweise ich auf den Reines-Land-Buddhismus (Amidismus) und die Nichiren-Schule inkl. der Soka Gakkai, die eine der bekanntesten buddhistischen Laienorganisationen überhaupt sein dürfte.

Laienbuddhismus im Westen

Außerhalb Asiens besteht der Großteil der buddhistischen Gemeinschaften aus Laien. Im Westen fehlt die Grundlage für die klösterliche Tradition, oder den Almosengang, so dass die meisten Buddhisten hier Laien sind.

Allerdings gibt es weltweit Bemühungen, die klösterliche Tradition zu adaptieren und in geeigneter Form auch in westlichen Gesellschaften Fuß fassen zu lassen.

Dennoch gibt es zwar auch im Westen ordinierte buddhistische Geistliche, die eine entsprechende Ausbildung absolviert haben - doch auch sie haben zumeist ein "weltliches" Leben zum Broterwerb.

Buddhismus im (westlichen) Alltag

Allgemein ist der Buddhismus im Westen sehr vielgestaltig. Beliebt ist die Anwendung der Achtsamkeitsübungen auf das alltägliche Leben, so dass es eine ganze Zahl von Ratgebern zum "achtsamen Leben" aus buddhistischer Sicht gibt.

Auch die Angebote die mit Titeln wie "Zen in der Kunst des..." locken, zeigen deutlich, dass die Vorstellung verbreitet ist, dass keine Diskrepanz zwischen Buddha-Lehre und dem weltlichen Alltagsleben besteht.

Für einen buddhistischen Laien im Westen geht es also nicht so sehr darum, irgendwelche besonderen äußeren Umstände für seine religiöse Praxis zu schaffen, auch wenn zB Hausaltäre verbreitet sind.

Stattdessen wird die Befolgung buddhistischer Richtlinien und die Einbindung von verschiedenen Formen meditativer Praxis in den beruflichen und familiären Alltag als wesentlich angesehen.

Engagierter Buddhismus

Der Begriff des so genannten "engagierten Buddhismus" kam zunächst im Umfeld des vietnamesischen Mönchs Thich Nhat Hanh auf und bezeichnet heute jede Form von sozial engagiertem Buddhismus.

So gibt es buddhistische Menschenrechtler und Umweltaktivisten, Sozialarbeit und Obdachlosenhilfe, buddhistische Hospize, Projekte zur Rehabilitation von Drogenabhängigen und mehr.

All diese Handlungen können mit dem Geist eines Bodhisattva ausgeführt werden und sind daher in besonderer Weise als buddhistische Praxis für Laien geeignet.

Das soziale Engagement zeigt auch Effekte in Asien, wo etwa in Theravada-dominierten Ländern die Nonnen emanzipierter werden und mehr Respekt einfordern, da sie dort den Mönchen untergeordnet werden.

Fazit

Auch wenn der Buddhismus als Lehre der hauslosen Mönche begann, spielten Laien bereits von Anfang an eine wichtige Rolle für den Erhalt der buddhistischen Gemeinschaft.

Laienbuddhismus ist als "Volksbuddhismus" in ganz Asien verbreitet, doch gerade die Mahayana-Traditionen führten zur Entstehung von buddhistischen Linien, die von Laien  dominiert werden.

In Form von täglicher Meditation, Achtsampraxis und etwa die Befolgung der Panchasila oder Bodhisattva-Gelübde, ist eine Integration der buddhistischen Lehre und Praxis auch für den Laien möglich.

Für mich als buddhistischen Laien ist die Religion ein fester Bestandteil meines Alltags und gehört zur täglichen Routine.

So stehe ich morgens auf und übe Zazen (Sitzmeditation), bevor ich frühstücke.

Als ethische Richtlinien dienen mit die Panchasila, sowie die 16 Gelübde des Bodhisattva, sowie die ergänzenden Lehren von Lehrern der Soto-Zen-Tradition der Vergangenheit und Gegenwart.

Im Alltag bemühe ich mich sowohl um Achtsamkeit, als auch darum, Geist und Handlungen nach obigen Prinzipien auszurichten.

Wartezeiten, etwa im ÖPNV sind besonders gute Möglichkeiten zur Praxis im Alltag, da man sich nicht von äußeren Einflüssen abschottet, sondern offen für den gegenwärtigen Moment ist.

Abend sitze ich ebenfalls noch einmal Zazen, bevor ich dann zu Bett gehe. Wie du siehst, lässt sich die buddhistische Praxis also ohne weiteres auch in den Alltag eines Laien integrieren.

Die Wirkung dieser Praxis ist für mich sehr deutlich.

Ich entwickele ein besseres Verständnis für mich selbst und lerne, auch scheinbar unangenehme Aspekte meiner Persönlichkeit zu akzeptieren, ohne an ihnen als Identifikation zu haften.

Da ich mir bewusst bin, dass meine Realität subjektiv ist und durch Konditionierungen und Denkmuster vorgeprägt sind, erkenne ich diese Muster und das damit verbundene Verhalten auch bei anderen.

Das führt dazu, dass ich toleranter werde, weil ich sehe, dass eine Person gerade in genau dem Muster gefangen ist, in dessen Falle ich selbst immer wieder mal tappe.

Somit nehme ich das Leben insgesamt gelassener.

Man spricht dabei meist von der "Entwicklung von Weisheit und Mitgefühl", aber ich bin nicht so vermessen, mir besondere Weisheit oder Empathie zu attribuieren.

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@Enzylexikon

Auch danke an dich! Ich habe nur eine Frage und hoffe das ich damit nicht zu persönlich werde.

Wie stehst du zu Karma? Ist das etwas wichtiges, oder kümmerst du dich eher um eine gute Persönlichkeit, Einsicht usw, als an das "Nächste leben" zu denken?

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@DariaEmagan

hoffe das ich damit nicht zu persönlich werde.

Keine Sorge, wenn mir etwas nicht passt, sage ich das schon. ;-)

Wie stehst du zu Karma?

Ich habe hier schon ein paar Mal über mein Verständnis von Karma gesprochen, daher erlaube ich mir an dieser Stelle einfach mal zu verlinken:

https://www.gutefrage.net/frage/glaubt-ihr-an-karma-gespaltene-meinung

als an das "Nächste leben" zu denken?

Wiedergeburt hat für mich nichts mit einem "nächsten Leben" nach dem Tod zu tun, sondern ist ein psychologisches Modell. Das habe ich hier mal erklärt:

https://www.gutefrage.net/frage/wenn-es-die-wiedergeburt-wirklich-geben-sollte-wie-kann-es-dann-sein-dass-aus-vielleicht-10000-menschen-milliarden-geworden-sind-rest-steht-unten?foundIn=list-answers-by-user#answer-189570040

Aber um deine Frage kurz zu beantworten:

Wir wissen nicht was vor der Geburt gewesen sein mag, oder nach dem Tod kommt, daher gibt es keinen Grund, groß zu grübeln.

Wenn man hier und jetzt richtig handelt, dann verringert man das Leiden in der Welt - ganz egal, ob etwas danach kommt.

Also bemühe ich mich, wie du schreibst, lieber darum Einsicht und Mitgefühl zu entwickeln, anstatt zu grübeln.

Sonstiges

Der Buddha sagte übrigens selbst dass es "unbeantwortbare Fragen" (avyakrita) gebe und hüllte sich in "edles Schweigen".

Das betraf beispielsweise auch das Thema, ob ein Erwachter nach dem Tod weiter existiert. Der Buddha schwieg hierzu.

Ob irgendetwas geschieht, werden wir sehen, wenn es endgültig so weit ist. Bis dahin gilt: No Panic! ;-)

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Vielen Dank für den Stern. :-)

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Wow, Danke. Das hat mir echt geholfen. Ich werde mich denke ich mehr mit den verschiedenen Arten des Buddhismus beschäftigen, wenn sie SO unterschiedlich sind. Ich hatte dem ganzen nur ein Kapitel gegeben, aber wow, jetzt weiß ich es besser.

Dankeschön!!!

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Enzylexikon hat Recht, liebe DariaEmagan, und Du hast ihn ja berechtigterweise ausgezeichnet!

ICH kann Dir nur sagen, dass das wichtigste Sutra der Nichiren-Buddhisten, das Lotus Sutra keine Gewaltaufrufe irgendwelcher Art enthält.

Nichiren Daishonin dagegen, jap. Buddhist im 13 Jahrhundert, und Begründer des gleichnamigen Buddhismus, wurde wegen seiner Interpretation des Buddhismus, das dem damaligen "Reine-Land-Staats-Buddhismus" zuwiderlief, massiv verfolgt und verbannt.

Deshalb hat er sich - ansonsten friedlich - in einem seiner Briefe zur Wunschvorstellung hinreißen lassen, zu formulieren, dass es ihn freuen würde, wenn man den führenden "Reine-Land-Priestern und Hofschranzen der jap. Herrscher" die Köpfe abschlagen würde!

.... ALLERDINGS ist mir KEIN Nichiren-Buddhist bekannt, der sich darauf beruft und "Kopf ab!" für irgendjemanden ruft:) - auch hat NichirenDaishonin es bei dieser einzigen Äußerung wohl belassen - es sind zumindest in seinen vielen Tausend Seiten buddhistischer Briefe an seine Mitstreiter kein einziger anderer Beleg für Gewaltbefürwortung vorhanden...

Man kann zwar die Lehren des Buddhismus folgen aber man kann nur den wahren Weg gehen indem man in einen Kloster lebt. Du solltest als erstes die 7 Wahrheiten des Buddhismus lesen . Von dort wirst du in andere Kapitel geleitet die auch das Verhältnis von Mönch und Aussenstehender erklären. Ich benutze hier allerdings nur meine Worte und nicht die richtigen Bezeichnungen. 

Danke für deine Einschätzung. Ich habe die Wahrheiten bereits gelesen. Es ist ja nur so, dass eine religion unterschiedlich stark ausgelebt werden kann.

Ich respektiere deine Meinung auf jeden Fall. Darf ich sie (Mit/Ohne) Namen verwenden?

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