Kennt jemand von euch Jane Goodall und hat sie vielleicht getroffen oder kann mir etwas über sie erzählen?

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2 Antworten

Ich habe sie vor zwei Jahren in München an der LMU getroffen und danach einen Artikel über sie geschrieben, den ich dir mitschicke. Beachte allerdings, dass du den Artikel nicht einfach vervielfältigen darfst, da das Copyright bei mir liegt.

                                               Jane Goodall
                                  Die Hoffnung stirbt zuletzt
                              Ein Vortrag über Menschenaffen

Nervös steht Christoph Mauch vor dem Publikum in der großen Aula der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) und soll Jane Goodall, eine der größten Wissenschaftlerinnen ankündigen. Er ist Direktor des Rachel Carson Centers für Umwelt und Gesellschaft. Diese Initiative der LMU und des Deutschen Museums, deren Ziel es laut der eigenen Website ist, die weitere Forschung und Diskussion auf dem Gebiet der internationalen Umweltstudien zu stärken. Außerdem setzt sich die Organisation dafür ein, die Rolle der Geisteswissenschaften in den aktuellen politischen und wissenschaftlichen Debatten über die Umwelt zu kräftigen. Über 1.300 Menschen sind gekommen, um Jane Goodall hören zu können. Bereits zum dritten Mal besucht sie die Universität.

Ein kurzes Räuspern und ein kleiner Schluck Wasser, dann beginnt er: „Liebe Frau Dr. Goodall, liebe Studenten, Kollegen und Gäste, es ist eine große Ehre für mich Jane hier begrüßen zu dürfen. Allerdings glaube ich nicht, dass sie wirklich eine Einführung braucht, denn sogar meine Söhne assoziierten sie sofort mit Schimpansen und Afrika, sie erinnerten sich sogar an eine Simpson-Folge mit ihr. Und wenn meine zehn- und elfjährigen Söhne eine Wissenschaftlerin kennen, heißt das, dass sie jeder kennt. Trotzdem möchte ich sie kurz beschreiben, denn sie hat ein Leben wie ein Traum geführt. Dazu eine kleine Geschichte aus ihrer Kindheit: Als kleines Mädchen verschwand Jane einmal, ihre Eltern waren außer sich vor Sorge. Doch als sie zurückkam strahlte sie über das ganze Gesicht. Und als ihre Eltern sie fragten, wo sie gewesen sei, antwortete sie: „ Ich beobachtete und wartete darauf, dass die Henne im Stall ein Ei legt.“ Dies sollte zu ihrem Lebensmotto werden: Beobachten und Warten. Doch die Frage ist, wie dieses kleine Mädchen vom Hühnerstall nach Afrika kam: Einige Jahre später bekam sie zu Weihnachten ein Buch über einen Mann, der mit Tieren sprechen kann (Anm. d. Red.: Name des Buches: „Dr. Dolittle“). Dabei verliebte sie sich in Dr. Dolittle und Afrika. Und das besondere ist, dass sich diese Liebe gehalten hat. Als sie älter wurde sparte sie Geld, um nach Afrika zu fliegen. Schließlich traf sie Louis Leakey, der sie zum Teil seiner Expeditionsgruppe machte. Also ging sie mit ihm nach Gombe, Tansania, wo sie einen Schimpansen beobachtete, wie er ein Werkzeug nutzte, um Ameisen aus einem Hügel herauszufischen. Das war natürlich revolutionär, denn davor wurde lange Zeit geglaubt, dass der Unterschied zwischen Menschen und Tieren die Fähigkeit des logischen Denkens und das Benutzen von Werkzeugen sei. Danach ging sie nach Cambridge, wo sie einen Doktortitel bekam, ohne jemals studiert zu haben. Doch es zog sie immer wieder zurück nach Afrika. Es gab ein einschneidendes Ereignis, nämlich die Klimaveränderungen und die Abholzung des Regenwaldes, das Jane Goodall dazu brachte, eine Aktivistin zu werden. Von einer Beobachterin zu einer Frau, die sich für die ganze Welt einsetzt und andere über die Umwelt aufklärt. Doch nun möchte ich nicht noch mehr erzählen, sondern Dr. Jane Goodall selbst auf die Bühne bitten. Herzlich Willkommen!“

Dann betritt sie die Bühne, tosender Applaus erklingt. Sie beginnt mit leiser Stimme zu erzählen (Anm. d. Red.: Jane musste vorher Auftritte aufgrund einer Erkältung absagen), über alles, über ihr Leben, über jedes einzelne Erlebnis. Sie beginnt damit, sich bei ihrer Mutter zu bedanken und beschreibt ein weiteres Erlebnis aus ihrer Kindheit: „Als ich 18 Monate alt war, machte ich offenbar meine erste wissenschaftliche Beobachtung: Als meine Mutter abends in mein Zimmer kam, um mir gute Nacht zu sagen, bemerkte sie, dass ich Regenwürmer mit ins Bett genommen hatte und das ganze Bett voll Erde war. So viele Mütter hätten gesagt: “Oh wie bist du nur auf die Idee gekommen, diese dreckigen Dinger von draußen mit herein zu nehmen?!” Aber sie sagte nur: “Sie werden sterben, denn sie brauchen die Erde!” Und daher brachten wir sie zurück in den Garten. Das und die Hühnerhausgeschichte sind passiert, als ich viereinhalb Jahre alt war und falls ich eine andere Art von Mutter hätte - hier möchte ich besonders betonen, dass es in unserer Gesellschaft gute und schlechte Mütter gibt - , die gesagt hätten, ich solle das nie wieder tun. All diese wissenschaftlichen Kuriositäten wären zugrunde gegangen; und vielleicht auch ich.

Doch glücklicherweise geschah alles nicht so, denn sonst hätten wir eine der größten Tierwissenschaftlerinnen überhaupt verloren. Als Goodall nach Afrika kam, flohen die Schimpansen zunächst, wann immer sie Jane sahen, bis sie sich schließlich mit Goliath und David Greybeard anfreundete. Doch es reichte ihr nicht nur zu beweisen, dass Tiere Werkzeuge benutzten können, sondern sie wollte auch sichergehen, dass diese auch weiterhin in ihrem natürlichen Lebensraum bleiben können. Deshalb gründete sie das „Gombe Stream Research Centre“, das noch heute Primatologen ausbildet. Sie beobachtete außerdem, dass Schimpansen in der Lage sind, Grausamkeit aber auch Zusammenarbeit, Zuneigung und Glück zu zeigen. Manchmal scheinen sie sich sogar gegenseitig zu helfen und zwar nicht nur, weil sie sich eine Belohnung erhoffen. Doch bei ihren Arbeiten zu ihrem ersten Buch erkannte sie, wie schnell der Wald in Afrika verschwand. Daher reist sie heute mehr als 300 Tage im Jahr, um die gesamte Welt zu mobilisieren. Ihr Vortrag trägt den Namen: „Reasons for hope“.

Nun nennt sie diese Gründe: „Der erste Grund zur Hoffnung ist das menschliche Gehirn. Denn wir haben endlich damit begonnen, zu verstehen und uns den Problemen, die unser Leben und das der Erde bedrohen zu widmen. Ich bin mir sicher, dass unsere Problemlösungkompetenz und unser Gehirn Möglichkeiten finden, im Einklang mit der Natur zu leben. Viele Unternehmen haben bereits mit der Ökologisierung ihrer Tätigkeit begonnen. Und Millionen Menschen weltweit beginnen zu erkennen, dass jeder von uns die Verantwortung für die Umwelt und unsere Nachkommen hat. Überall wo ich bin, sehe ich Menschen, die kluge Entscheidungen treffen und sich für die Natur verantwortlich fühlen.

Mein zweiter Grund zur Hoffnung liegt in der unbeugsamen Natur des menschlichen Geistes. Es gibt so viele Menschen, die scheinbar Unerreichbares geträumt haben und, weil sie nie aufgegeben haben, ihre Ziele erreicht haben oder zumindest den Weg für andere ebneten. Wenn ich um die Welt reise, treffe ich so viele unglaubliche und erstaunliche Menschen. Sie inspirieren mich und Menschen um sie herum.

Mein dritter Grund zur Hoffnung ist die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Natur. Ich habe Nagasaki, Schauplatz des Abwurfes der zweiten Atombombe während des Zweiten Weltkrieges besucht. Wissenschaftler sagten voraus, dass dort mindestens 30 Jahre lang nichts wachsen wird. Aber erstaunlicherweise wuchs das Grün sehr schnell. Ein Bäumchen hatte es tatsächlich geschafft, die Bombardierung zu überleben. Heute ist es ein großer Baum, mit vielen Rissen und Spalten, die innen schwarz sind; doch der Baum produziert noch Blätter. Ich trage eines dieser Blätter immer bei mir, da es ein kraftvolles Symbol der Hoffnung ist. Ich habe solche Erneuerungen immer wieder gesehen. Auch Tierarten, die sich am Rand der Ausrottung befanden konnten wieder zurückgebracht werden.

Mein letzter Grund liegt in der enormen Energie, Begeisterung und dem Engagement junger Menschen auf der ganzen Welt. Denn sie sind sich der ökologischen und sozialen Probleme, die jetzt Teil ihres Erbes sind, bewusst. Und sie wollen dieses Unrecht beseitigen. Natürlich wollen sie das. Sie haben ein ureigenes Interesse an diesem, denn es wird die Welt von morgen sein. Sie werden sich verändern, in Führungspositionen kommen, auf dem Arbeitsmarkt unterwegs sein, zu Eltern werden. Junge Menschen können in der Tat die Welt verändern, wenn sie erkennen, dass das, was sie machen, einen Unterschied macht. Wir sollten niemals die Macht dieser entschlossenen jungen Leute unterschätzen. Ich treffe viele Menschen, die mir mit leuchtenden Augen erzählen, was sie gemacht haben. Ob es etwas Einfaches wie Recycling oder Müll sammeln ist. Oder etwas, was viel Aufwand erfordert, wie die Wiederherstellung eines Feuchtgebietes oder einer Prärie. Oder ob es sich um Geld für das lokale Tierheim handelt, sie sind eine ständige Quelle der Inspiration. Mein größter Grund zur Hoffnung ist daher der Geist und die Entschlossenheit junger Menschen, wenn sie wissen, was die Probleme sind und die Werkzeuge haben, um sie zu beseitigen.“

Alle hören ihr gespannt zu, warten, ob sie auch wirklich fertig ist, doch dann, als nichts mehr kommt beginnt der tosende Applaus. Nicht nur Chris, sondern auch Jane ist sichtlich erleichtert. Allerdings ist die Veranstaltung noch nicht zu Ende, denn jetzt haben alle die Möglichkeit Fragen zu stellen. Anschließend folgt eine Autogrammstunde. Wir sind eine der letzten, die zu Jane kommen, um uns bei ihr zu bedanken. Zu bedanken dafür, dass sie sich ihr ganzes Leben lang dem Wohl der Tiere, dem Wohl der Welt und auch unserem Wohl gewidmet hat.

VG Leo

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