Kennt ihr satanistische Bücher?

2 Antworten

Also natürlich gibt es die Standardwerke von Anton S. LaVey (Amazon), und von Oliver Fehn (auch auf Amazon).

Die Bücher von LaVey habe ich zwar nicht gelesen, dafür aber die von Fehn und ich kann sagen, die sind richtig gut. Zum Einstieg würde ich "Satans Handbuch" empfehlen und dann kannst du dein Wissen "erweitern", z. B. mit "Satans Trickkiste" und "Im Schein der schwazen Flamme". Besonders Letzteres kann ich nur empfehlen und ist auch für Leute geeignet, die sich nicht unbedingt als Satanisten bezeichnen würden.

Viel mehr gibt es im deutschen Sprachraum auch nicht, da in den meisten Büchern oft Unwahrheiten stehen und "Das MUSS ein Satanist machen" usw.

Es gibt auch noch einen Film, der jedenfalls von Fehn sehr gelobt wird, und zwar "Rosemaries Baby", der soll auch sehr invormativ sein, auch wenn ich ihn noch nicht gesehen habe.

Zufälligerweise habe ich einiges von modernen und weniger modernen Satanisten gelesen, darunter auch LaVeys "Satanistische Bibel". LaVeys Sohn, der eine zeitlang auch Anführer der Church of Satan war, ist heute Propagandist für amerikanische Nazis und begründet seine rechtsextremistischen Überzeugungen mit den Argumenten seines Vaters. Der alte LaVey schreibt in seiner "satanistischen Bibel" eigentlich nur die klassische Mixtur aus falschverstandenem Nietzsche, Sozialdarvinismus und einigen "Golden Bough"-Ritualen zusammen. "The Golden Bough" war eine zur Jahrhundertwende des 18./19. Jahrhunderts vielgelesene Studie über Religion, Rituale und Mythologie, aus der sich neben dem Begründer des modernen Satanismus, Aleister Crowley, auch T.S. Eliot in seinem Gedicht "The Waste Land" und der deutsche rechte Esoterik-Psychologe C.G. Jung bedienten. Das ist quasi das Gründungswerk aller modernen "heidnischen" Revival-Bücher, dabei aber eigentlich ein solides anthropologisches Werk. Es kommt halt darauf an, was man daraus macht.

Ich habe satanistische Texte gelesen, einmal. weil mich intellektuelle, religiöse und quasi-religiöse Moden interessieren, zum anderen aber auch aus Sympathie für den grandiosen satanistischen Filmemacher Kenneth Anger, dessen Verständnis des Satanismus ganz anders ist als das ziemlich blöde LaVey-Zeug.

Es gibt letztlich zwei Zweige des modernen Satanimus: einmal eine eher traditionelle, der es vor allem um kreative Entfaltung geht, und eine andere, der es um eine relativ tumbe Form von Macht geht und die einen erheblichen Hokuspokus um die eigene Exklusivität veranstaltet. Diese Richtung folgt deutlich dem, was Nietzsche als "Sklavenmentalität" beschrieben hat. Der Sklave hasst den Herrn, will aber selbst die Herrschaft. Den Herrn interessiert die Macht gar nicht einmal besonders, er nimmt einfach Einfluss, indem er affiziert und sich affizieren lässt. Schließlich gibt es noch die Chaosmagie von Austin Osman Spare, die so eine Art Dada-Variante ist. Das auch ganz amüsant, aber da kenne ich mich noch nicht besonders aus. Der ganze satanistische Kram liegt massenhaft im Internet herum, mit unglaublich viel Unsinn drumherum, der dann eher aus neueren Fantasy-, Metal- und Comic-Ecken stammt. Bei den meisten Texten geht es nur darum, "Hui Buh" zu rufen, den dicken Max zu markieren und böse zu gucken.

Was möchtest Du wissen?