Kennt ihr längere Prosawerke, die sich sprachlich / klanglich der Lyrik annähern?

5 Antworten

In der Moderne sowie in der Postmoderne spielen logischerweise vor allem "Prosagediche" eine Rolle, eine Form, die mit der Tradition bricht. "Lyrische Prosa" steht im Widerspruch zu dieser Entwicklung.

Neuere Beispiele deutscher Prosagedichte stammen von Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Günter Bruno Fuchs, Günter Grass, Peter Handke und Sarah Kirsch.

In den Romanen dieser Autoren können Sie aber durchaus und dennoch auch Passagen finden, die man als lyrisch bezeichnen darf.

Ja, das nennt man "Prosagedicht" (poème en prose, der Begriff wurde in Frankreich geprägt durch A. Bertrand mit seinem Gaspard de la nuit).

In deutscher Sprache wird oft auf Novalis' Hymnen an die Nacht hingewiesen, ich aber denke auch an Texte wie  Aus dem Leben eines Taugenichts von Eichendorff und in der moderneren LIteratur auf jeden Fall an Canto von Paul Nizon (1963).

Die Harzreise
(Heinrich Heine)

Textbeispiel:

"Das ist nun die Ilse, die liebliche, süße Ilse. Sie zieht sich durch
das gesegnete Ilsetal, an dessen beiden Seiten sich die Berge allmählich
höher erheben, und diese sind, bis zu ihrem Fuße, meistens mit Buchen,
Eichen und gewöhnlichem Blattgesträuche bewachsen, nicht mehr mit Tannen und anderm Nadelholz. … Ja, die Sage ist wahr, die Ilse ist eine
Prinzessin, die lachend und blühend den Berg hinabläuft. Wie blinkt im
Sonnenschein ihr weißes Schaumgewand! Wie flattern im Winde ihre
silbernen Busenbänder! Wie funkeln und blitzen ihre Diamanten!
"

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