Kennt ihr jemand der traumatisiert ist, wie kann man helfen?

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5 Antworten

Alkohol, selbstverschuldeter Motorradunfall ohne Helm: Da hat schon eine gravierende psychische Problematik bestanden, bevor der Unfall mit einer Schädigung des Gehirns zusätzlich passiert ist.

Da wohl nun zusätzlich auch eine Schädigung des Gehirns vorliegt, sollte ein Votum eines Arztes für Neurologie und Psychiatrie (Nervenarzt) nach intensiver Untersuchung durch denselben eingeholt werden, eben mit Stellungnahme, welche Therapie- und Selbsthilfemaßnahmen jetzt nötig oder überhaupt noch möglich sind.

Ergänzend: Bei den Anonymen Alkoholikern gibt es auch Angehörigengruppen, ich glaube, die heißen Al-Anon. Insbesondere, wenn eine Störung des Sperchvermögens durch Hirnschädigung vorliegt, könnten Leute der Aphasie-Bewegung helfen bei der Vermittlung einer Selbsthilfegruppe, Kontakt z.B. über info@aphasie-unterfranken.de An größeren Orten gibt es einen Sozialpsychiatrischen Dienst, wohin Du Dich auch mit der Frage um Rat wenden kannst.

Vielen Dank für diese Informationen, ich war schon beim sozialpsychiatrischen Dienst, die können nur mir helfen, ihm aber nicht, da er es sich nicht einmal anhört. Er hat sich seit dem Unfall richtig extrem verändert, ich habe gestern mit ihm telefoniert und ihn gefragt ob er noch differenzieren kann, ob er vor dem Unfall auch die Trennung gewollt hätte und da sagte er ja. Ich habe viel über das Thema Trauma gelesen, er benimmt sich genau so wie es dort seht. Ich bin Ratlos, man kann ja leider niemanden zwingen sich helfen zu lassen.

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Dein Freund hat eine PST - Posttraumatische Belastungsstörung. Da ich vermute, daß er noch in ärztlicher Behandlung ist, solltest Du dieses Thema mit dem behandelnden Arzt dringend ansprechen. Dieser wird ihn überweisen an den entsprechenden Neurologen/Psychologen der sich mit dieser Thematik auskennt. Ansonsten kommt er und du aus diesem Teufelskreis nicht raus. Auch mein Mann einen Unfall, der nun 1 Jahr zurück liegt. Auch er hat PST und kommt jetzt erst in Behandlung! Dein Freund hätte schon in der Klinik in psychologische Behandlung gehört. Leider geht dies immer wieder mal unter, es werden vorrangig erst die sichtbaren "Wunden" behandelt, dann kommt das andere. Für Dich kann ich dir nur raten, Geduld, Geduld, Geduld, bitte nicht aufgeben, lass dich von ihm nicht wegschubsen, er meint es nicht so. Es ist nur eine Schutzreaktion, weil er denkt, er will dich nicht belasten. Ich habe es jetzt 1 Jahr lang durchgemacht und weiß wovon ich spreche. Du brauchst starke Nerven und eventuell selbst psychologische Unterstützung, damit nicht auch Du noch darunter leidest. Du bist nun seine Stütze in erster Linie, in alleine lassen, wäre jetzt das verkehrteste was Du tun kannst.


Hier noch einen Tip und Link:

Welches sind die wichtigsten Krankheitszeichen?

Das Leidensbild der posttraumatischen Belastungsstörung ist nicht nur zermürbend, sondern auch verwirrend vielfältig. Vor allem sieht man es den meisten gar nicht an, sie leiden "nur" innerlich. Viele lassen überhaupt nichts raus, da sie ohnehin nicht erwarten, auf Verständnis zu treffen, besonders langfristig. Es ist wie bei der Trauerreaktion. Ein kurz aufwallendes Mitgefühl der Umgebung, dann aber soll sich der Betroffene wieder rasch zusammennehmen, damit er die anderen nicht unnötig belastet.

Das Ende ist von einer eigenartigen Schwermütigkeit geprägt, die allerdings wenig mit einer "klassischen Depression" zu tun hat. Es handelt sich mehr um eine "heimlich anfressende Resignation", eine Art gemütsmäßige Betäubung bis Erstarrung, die der Umgebung eigentlich nur durch schwindende Anteilnahme an der Umwelt auffällt. Dazu drohen Zwangsgedanken, Merk- und Konzentrationsstörungen, ja Vergesslichkeit und zahlreiche psychosomatisch interpretierbare Beschwerden ohne organische Ursache: funktionelle Störungen, Missempfindungen oder gar Schmerzen im Bereich von Kopf, Herz, Kreislauf, Magen-Darm, Wirbelsäule, Gelenken u.a.

Was kann man tun?

Die Betreuung oder gar Behandlung einer posttraumatischen Belastungsreaktion bzw. -störung ist eine schwere Bürde, viel schwieriger, als sich die meisten vorstellen, selbst wenn sie (anfangs) guten Willens sind. Vor allem braucht es Geduld und Verständnis, und zwar über längere Zeit. Die Entscheidung trifft der Betroffene, und nicht einmal er selber, sondern sein Zustand, dem er ja hilflos ausgeliefert ist.

Zu den scheinbar banalen, aber sinnvollen Selbst-Behandlungsempfehlungen gehört besonders die Bewegung in jeder Form, also nicht nur "gegen-gehen-gehen", sondern auch "reden-reden-reden". Das kann den gefürchteten inneren Stau (psychomotorische Blockierung) abbauen helfen.

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/posttrauma1.html

Ich wünsche euch alles Gute!!!

Wie du deinen Freund bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung helfen kannst? Nun ja, er hat etwas traumatisches erlebt und wird nicht so leicht damit fertig...das ist immer der Grund einer BPS. Was kann man machen? Schwierige Frage...nicht zwingen zu reden...aber da sein, wenn es derjenige braucht...du wirst es ihm doch wohl ansehen, denk ich. Alles andere wird er in einer Therapie lernen. Verschiedene Module wie "Innere Achtsamkeit" sind da auch ganz hilfreich, wie bei einer Borderline Persönlichkeitsstörung. Ein Skillstraining kann da genauso angebracht sein... Indem du einfach "da bist" kannst du nichts Falsch machen...

Eine Therapie wäre sinnvoll. Und für Dich eine Angehörigengruppe. Die Ereignisse müssen aufgearbeitet werden, weglaufen, z. B. durch Trennung, bringt langfristig gesehen nichts.

Ja, ich weiß, aber wie gesagt er ist für Gespräche nicht mehr zugänglich. Ich versuche schon ganz behutsam auf ihn zuzugehen, aber er ergreift die Flucht, ich würde diese Nacht am liebsten woanders verbringen, hab aber Angst das er dann denkt ich akzeptiere seine Entscheidung. Ich will für ihn da sein, aber ich weiß nicht wie, ich liebe ihn und würde ihm gern Helfen, habe das Thema Pschologe auch schon angeprochen und das er traumatisiert ist, dass sieht er ja auch ein, aber er möchte es mit sich allein regeln.

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M.E. hat er Schuldgefühle. da hilft nur Psychologie. Es gibt auch alternative Methoden, aber für die scheint er mir noch weniger zugänglich.

Aus Erfahrung kann ich nur sagen: Irgendwann kommt er an seine Schmerzgrenze, dann ist er zu einer Therapie bereit.

Du kannst nichts beschleunigen, du kannst nur einfach DA sein.

Ich versuche für ihn da zu sein, mein Gedankengang ging auch in die Richtung das er noch nicht an seiner Schmerzgrenze angekommen ist. Aber ich kann nicht (mehr) für ihn da sein, da er sich ja trennen will, ich muss das erst mal verarbeiten, meine Mutti war vor ein paar Monaten wg. starker Depressionen im Krankenhaus, ich habe leider nur noch wenig Kraftreserven. Das hat mich alles ziemlich mitgenommen. Ich muss, glaub ich, jetzt eine Enscheidung treffen und wenn es an meine Substanz geht denke ich lieber erst mal an mich, es wird nur wahnsinnig schwer für mich da ich die Gefühle zu ihm nicht abstellen kann, ich hoffe die Zeit heilt die Wunde etwas. Es ist nur verdammt schwer. Ich werde versuchen es erst mal so hin zu nehmen, bleibt mir ja nix anderes übrig, für ihn ist es definitv endgültig.

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@user97

Es ist sehr gut, dass du auch an dich denkst - viele Leute schaffen das nicht. Du kannst nur gut zu anderen sein, wenn du zu dir selbst gut bist.

Ich empfinde grosse Achtung vor dir und wünsche dir alles Liebe und Gute.

Loslassen ist schwer und die Aufgaben, die uns das Leben stellt, verstehen wir manchmal nicht oder erst viel später...

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@Raimund1

Vielen Dank für die lieben Worte, ich bin immer noch verzweifelt, aber ich hoffe ich muss kein schlechtes Gewissen haben, ich werde erst mal versuchen mit mir und der neuen Situation umzugehen.

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