Keine Zeit (notwendig)?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Deine Auffassung galt in der Physik bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts und wurde von den damals vorherrschenden Deterministen vertreten.

In der Theorie Dissipativer Strukturen, für die Ilya Prigogine 1977 den Nobelpreis erhielt, zeigt dieser aber, dass das Universum nicht deterministisch, sondern indeterministisch aufgebaut ist und dass der Zeitpfeil real existiert.

Seine Definition der Zeit ist eng an die Entropie gebunden. Danach gibt es überall dort Zeit, wo Entropie prodiziert wird und je höher die Entropieproduktion ist, umso schneller verläuft die Zeit. Diese thermodynamische und real existierende Zeit ist in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes identisch mit der kosmologischen Zeit Einsteins.

Mit Stephen Hawking geriet Prigogine über dieses Thema in Streit, der damals noch in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" Zeit als Illusion bezeichnete. Desweiteren beruhten viele Theorien Hawkins darauf, dass am Ereignishorizont eines schwarzen Loches die Zeit auch rückwärts laufen könne. Diese Diskussion verlor Hawking und so musste er vor der versammelten Weltelite der Physik seine Behauptungen zur Zeit zurückziehen incl. viele seiner darauf beruhenden Theorien und ganzer Kapitel seines Buches. Seither hält er sich mit physikalischen Theorien zurück und hat sich mehr auf populärwissenschaftliche Exkurse in  den Medien verlegt, was nebenbei auch mehr Ruhm und Geld bringt.

Statt den hochabstrakten Begriff "ZEIT" beweisen zu wollen, kommst Du evtl. weiter, wenn Du im einzelnen hinterfrägst, welche Phänomene wir in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation mit dem Begriff ZEIT zum Ausdruck bringen. Wenn wir sagen: "Die Zeit rast." oder "Die Zeit steht still." oder "Es wird höchste Zeit, die Vorbereitungen einzuleiten." oder "Es ist Zeit zur Aussaat." - immer ist mit ZEIT nicht exakt das gleiche gemeint. Mal ist es ein individuelles Empfinden. Mal ist es ein Maß für Angemessenheit oder Dauer oder Werden und Vergehen. Die ZEIT als abstrakter Begriff existiert genauso wenig wie WALD. In der Realität gibt es einzelne Bäume, kleinere Ansammlungen von Bäumen und auch größere, zusammenhängende. Dazu sagen wir WALD. Die Bäume existieren auch, ohne dass wir sie BÄUME nennen und WALD ist nur für uns zur Kommunikation. Es existieren nur Ansammlungen von Bäumen und das, ob wir sie WALD nennen oder nicht.

Kleiner Widerspruch:

Wenn es keine Zeit gibt (Deine Annahme) gibt es auch kein "langsamer" und ein "üblich" auch nicht.

Beobachtbar ist aber das Aufeinanderfolgen von Ereignissen und ebenfalls das Aufeinanderfolgen aufgrund einer Kausalitätskette.

Gemeinhin werden solche Ereignise in eine Zeitskala eingeordnet.

Meine "unmittelbare Existenz" erfährt jedenfalls die Zeit, teils positiv, teils erbarmungslos.

Sie als Illusion zu bezeichnen, von Definitionen und Physik mal angesehen, ist für mich ohne Drogen bei geistiger Gesundheit kaum nachvollziehbar.

Zu den Kriterien der geistigen Gesundheit gehört es für mich, die Allgemeine Relativitätstheorie zu verstehn, BEVOR man philosophische Schlüsse daraus zieht.

  ===> Aurelius Augustinus: "   Was ist Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es; wenn mich aber jemand fragt, wüsste ich es nicht zu sagen. "

   Ist Zeit eine Illusion? Wäre sie es, so wäre zur Zeit von Nero schon in irgendeinem Sinne fest gelegt gewersen, dass

  1) ein Mann namens Kolumbus ein Land entdecken wird, welches den Namen " Amerika " erhalten wird.

   2) in jenem neuen Land eine Sprache gesprochen werden wird, in der ein Herrscher " Kennedy " heißen wird.

   3) dass jener Kennedy gleich Nero ermordet werden wird, und zwar ( umgerechnet ) am 22.11. 63 .

   Religiöse Menschen nehmen dies zum Vorwand, die Existenz einer transzendenten, überzeitlichen, göttlichen Instanz zu postulieren, der sie genau so einen Überblick attestieren. Du magst dies tun; allein mit Empirie hat dies nichts mehr zu tun. Das physilalisch beschreibbare Zeiterleben funktioniert eindeutig anders. Das ginge nur, könntest du im Experiment einen solchen Speicher vorweisen, der dir sagen kann, wer im Jahre 4 711 ameri
kanischer Präsident sein wird ...

  Kennst du die chinesische Kultserie " Die Rebellen vom Liang Shan Po " ? Gibt ' sbestimmt auch auf DVD ; hier der Prolog; die Entweihung des Kaisertempels.

   Halt ich bring noch paar so Paradoxien; ich schicke nur aus Sicherheitsgründen ab, weil dieser Editor so instabil ist.

gilgamesch4711 15.07.2017, 18:52

  Von ===> G.W.F. Hegel stammt der Vorschlag

   " Vor 12 h war Nacht. Jetzt ist aber Mittag. Also ist der Satz ' Es ist Nacht ' eindeutig falsch. Die Nacht ist also unwirklich; was meinen wir eigentlich damit, wenn wir sagen, es WAR Nacht? "

      Eine Paradoxie von ===> Walter Nernst; würde jetzt verlangen, dass du dich mit ===> statistischer Termodynamik so wie der ===> kinetischen Teorie auseinander setzt. Nernst fragt

   Welche Alternative hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich? a) dass es

   1) den Urknall gab

   2) Dinosaurier gab

   3) Cäsar wirklich gelebt hat

   oder b) dass es nichts von alledem gab? Sondern es gab nur den kalten dunklen leeren Raum. Und dieser Weltraum ist gleichmäßig angefüllt mit einem hoch verdünnten Gas.

   Und für eine ps bildet sich rein zufällig durch eine statistische Schwankung ein Protein, welches die Info codiert, Urknall, dinos und Cäsar hätten tatsächlich statt gefunden. Und nach besagter ps zerfällt dieses Protein wieder. ===> C.F. v. Weizsäckers tiefsinnige Antwort

   " Dass sich die Vergangenheit objektiv ereignet hat, könnten wir allerdings nur dann wissen, wenn wir über ein Zeugnis verfügen würden, welches glaubhafter ist als die Existenz obigen Proteins ... "

   Haltz; es geht noch weiter.

0
gilgamesch4711 15.07.2017, 19:19
@gilgamesch4711

<< Wo ergibt sich aus unserer unmittelbaren Existenz heraus eine Notwendigkeit für "Zeit"  ?

   Ich las einmal

   " Meine Sterblichkeit ist keine empirische Erfahrung. So wie mir begegnet, dass Gras grün ist oder der Himmel blau. Sondern weit eher eine metaphysische Bedinging, die meine Einstellung zu meinem Leben prägt. "

   Zu behaupten, Zeit sei eine Illusion, ist ungefähr so, als wolltest du behaupten, deine Sterblichkeit sei eine Illusion.

   Ich komme übrigens immer mehr dahin, dass eine solche Sichtweise mit der RT bzw. ART nicht vereinbar ist.

   Ein schwarzes Loch verallgemeinert doch  den Begriff der Sterblichkeit auf einer kosmologischen Skala. Es kann doch keinem Zweifel unterliegen, dass alles, was du da rein schmeißt, lange vor der Singularität das Zeitliche segnet.

   Lange vor dem Ereignishorizont bist du ein " Hinterbliebener " , der nicht mehr anschaulich miterlebt, wie diese Materie stirbt.

   Genau wie du biologisch nicht weißt, wie sich Sterben anfühlt und was kommt, wenn einer wirklich den Jordan überschritten hat.

0

"Zeit" hilft nur den Menschen dabei etwas von Beginn bis Ende definieren zu können.

Was möchtest Du wissen?