Keine manipulierten Quellen gegen die ET?

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7 Antworten

Kritik an der Deszendenztheorie (also dem Modell, das besagt, dass verschiedene Arten miteinander verwandt sind und auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen) ohne religiösen oder pseudoreligiösen Grundton gibt es nicht.

Kritik an der Evolutionstheorie (also der Beschreibung der Wirkungsweise der Evolution) bzw. Teilen davon kommt aber durchaus vor. Ernsthafte Anhänger des Lamarckismus gibt es in diesem Jahrhundert hoffentlich nicht mehr, und die Synthetische Evolutionstheorie auf Basis Darwins ist fächerübergreifend allgemeiner Konsens. Trotzdem bringen viele Forscher ihre eigenen Ansichten ins Feld, wenn es um die Details geht, z.B. die Angriffsfläche der Selektion, Stetigkeit der Entwicklung oder die Bedeutung des Zufalls.

Richard Dawkins z.B. ist glühender Verehrer Darwins, aber innerhalb der Synthetischen ET greift er die Vorstellung an, dass die Selektion ausschließlich das Individuum betrifft an, und setzt die Ebene der Selektion bei den Genen an. Einen Unterschied in der Betrachtungsweise macht das vor allem, wenn es um die Teile der nichtcodierenden DNA geht, die keinen Zweck erfüllen außer ihrer eigenen Vermehrung.

Stephen Jay Gould, dessen Bücher ich sowieso empfehlen kann, hat das Konzept des Gradualismus abgelehnt, das ürsprünglich von Darwin stammt. Deshalb wurden seine Aussagen unzählige Male von Kreationisten für ihre ZWecke verdreht, dabei hat er stets im Rahmen der Synthetischen ET gearbeitet und war lediglich der Ansicht, dass Evolution nicht konstant und kleinschrittig abläuft wie von Darwin beschrieben, sondern sich Phasen fast stillstehender und sehr rasanter Entwicklung abwechselten. Dieses Konzept nannte er Punktualismus und lieferte damit einen Erklärungsversuch für den seiner Meinung nach abgehackten Fossilbericht.

Ein ständiges Streitgebiet ist auch Kontingenztheorie vs. Konvergenztheorie. Hier geht es quasi um die Frage, ob, wenn man die Erde noch mal auf Null setzen würde, die Evolution genauso ablaufen würde. Nach der Kontingenztheorie (die auch von Gould vertreten wurde) ist das nicht der Fall, da die meisten bisherigen Formen eher aus Zufall (z.B. äußere Einflüsse wie Naturkatastrophen oder Effekte wie Gendrift) überdauerten denn aus Angepasstheit. Nach der Konvergenztheorie ist die Evolution bis zu einem gewissen Grad vorhersagbar, da die Evolution Zwängen durch die Umwelt unterliegt und sich dadurch unvermeidlich bestimmte Merkmale entwickeln, um in ökologische Nischen zu passen.

Ich weiß nicht, wie interessant diese Dinge für dich sind, aber so sehen heute die einzigen seriösen Diskussionen um die Evolution aus.

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MarkusKapunkt 14.08.2016, 12:25

Bei deinen Antworten lerne ich jedesmal dazu. Respekt!

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Hallo DennisZero,

in einem seriösen wissenschaftlichen Buch stehen normalerweise auch offene Fragen drin.

Wenn es um Evolution geht, drehen sich offene wissenschaftliche Fragen aber (anders als Kreationisten das darstellen) nicht um die Frage, ob der Prozess "Evolution" in der Natur abläuft. Dafür ist die Beleglage einfach viel zu eindeutig.

Offene Punkte sind aber vielfältige Detailfragen: Welchen Weg genau hat das Leben im Laufe der Zeit genommen? Für solche Details genügt es in aller Regel nicht, nur eine richtige Theorie zur Hand zu haben, man braucht auch noch Detailwissen über die jeweiligen Randbedingungen; im Falle der Evolution also Wissen über die zu einem historischen Zeitpunkt herrschenden Umweltbedingungen. Hier müssen sich oft Geophysik, Geologie und Evolutionsbiologie ergänzen, um ein schlüssiges Bild zu geben. Und das haben wir halt nicht überall.

Deswegen ist unser Wissen über die historischen Abläufe mosaikhaft. Während wir einige Stammbäume recht gut nachvollziehen können, liegen andere mehr im Dunkel, weil man nicht überall gleich viele Daten zur Verfügung hat. Daneben sind auch die Stammbäume, wie sie sich aus dem Fossilienbefund ergeben, nicht ganz identisch zu dem, was man über die genetischen Untersuchungen rezenter Arten erwarten würde. Es sind also möglicherweise einige Spezies nicht ganz richtig eingeordnet.

Die Beispiele zeigen also, dass sich wirklich wissenschaftlich diskutierte oder offene Fragen immer im Rahmen des in der Natur ablaufenden Prozesses "Evolution" abspielen.

Ich persönlich finde, dass Ulrich Kutschera in seinem für Biologiestudenten geschriebenen Lehrbuch "Evolutionsbiologie" (https://www.amazon.de/Evolutionsbiologie-Ulrich-Kutschera/dp/3825286231/ref=sr\_1\_1?s=books&ie=UTF8&qid=1470700768&sr=1-1&keywords=evolutionsbiologie) sowohl Belege als auch offene Detailfragen, die entsprechend Gegenstand aktueller Evolutionsforschung sind, sehr gut darstellt. (Kleiner Tipp: Für den Nicht-Biologen genügt eine der ebenfalls auf amazon erhältlichen älteren Auflagen, die dann deutlich billiger zu kriegen sind).

Ich sag's ganz ehrlich: Das ist ein Lehrbuch. Kutschera will nicht unterhalten, er will Wissen vermitteln. Kurz: Das Buch ist recht trocken geschrieben. Aber eine seriöse Quelle ist es dafür sicher.

Grüße


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Alle Websiten sind religiösen Ursprungs, da kein normaler Wissenschaftler einen Grund besitzt, die ET anzuzweifeln. Sie zählt als eine der standhaftesten wissenschaftlichen Theorien überhaupt und gilt als Bewiesen und akzeptiert. 

Auch alle unschlüssigen Punkte, die derzeit noch angesprochen werden, basierend auf Halbwissen und sind im Endeffekt nie welche. 

Der Wunsch danach, das die ET vielleicht doch nicht stimmt, ist ein verzweifelter. 

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DennisZero 08.08.2016, 21:29

Mir gehts nicht darum die ET anzuzweifeln, sondern möchte ich mein Wissenskreis erweitern, jedoch ist dies bei solchen Quellen schwer.

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Dahika 08.08.2016, 23:25

*Der Wunsch danach, das die ET vielleicht doch nicht stimmt, ist ein verzweifelter. *

Den Wunsch hegt nicht mal mehr der Papst.

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AaronMose3 08.08.2016, 23:47
@Dahika

Den Wunsch hegt nicht mal mehr der Papst.

Ich habe schon so einige Menschen getroffen, die das sehr wohl tun. So traurig es auch ist.

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Momentan sind es meines Wissens nach nur Kreationisten, welche die Evolutionstheorie anzweifeln. Seriöse Wissenschaftler tun das nicht, weil sie inzwischen mannigfaltig durch Beweise gesichert und fundiert ist.

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DennisZero 08.08.2016, 20:54

Ist mir auch aufgefallen, jedoch gibt es bestimmt immer noch Ungereimtheiten, welche heutzutage nicht ganz schlüssig sind und diese suche ich.

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Andrastor 08.08.2016, 21:00
@DennisZero

Davon wüsste ich nichts. Alle die bisher versucht haben die Evolutionstheorie zu widerlegen, haben sie im Endeffekt bestätigt.

Sie ist in sich schlüssig und logisch nachvollziehbar und es gibt an sich nichts an ihr was noch Platz für Ungereimtheiten bieten würde.

Wie das Leben selbst entstanden ist, weiß man noch nicht in allen Details, aber das ist nicht Teil der Evolutionstheorie.

Gibt es bestimmte Fragen die du zur ET hast?

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Nimm eines als Beispiel:

Lucy und Stephen Hawking, Der geheime Schlüssel zum Universum, Goldmann, 2010, ISBN 978-3-442-15612-2

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Die gibt es nicht.

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