Kein Schadensersatz durch gewerblichen eBay-Verkäufer bei verlorenem DHL-Paket?

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12 Antworten

Da sieht man mal wieder, weshalb Rechtsberatung nur Fachleuten vorbehalten ist. So ziemlich alle bisherigen Antworten der Hobbyjuristen hier sind nämlich falsch. Worauf noch keiner gekommen ist: Der Käufer hat Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung aus § 283 BGB, und zwar gegen den (gewerblichen!) Verkäufer und nicht gegen DHL. Was DHL dem Verkäufer aufgrund der Paketversicherung zahlt, kann dem Käufer herzlich egal sein. Das ist nämlich eine andere Baustelle. Es kann durchaus der Fall eintreten, dass der Verkäufer einen anderen Betrag zu zahlen hat als DHL. Der Verkäufer hat dem Käufer mindestens den Wert der Vase zu ersetzen und theoretisch könnte der Käufer noch Kosten für weitere Aufwendungen geltend machen, sofern ihm diese entstanden sind. Der Wert der Vase hat außerdem nichts mit dem eBay-Witzpreis zu tun, da bei Antiquitäten i.d.R. auf den durchschnittlichen Preis für vergleichbare Stücke im Fach- und (echten) Auktionshandel abzustellen ist. Der Käufer muss die Vase sofort woanders kaufen können und kann nicht auf eine etwaige erneute Gelegenheit bei eBay verwiesen werden. Notfalls wird ein Gericht ein Wertgutachten eines Kunstsachverständigen verlangen, wobei die Kosten dafür schlussendlich ebenfalls dem Verkäufer zur Last fallen dürften.

Warum soll es denn mit der Kaufpreisrückzahlung getan sein? Wäre das Paket nicht verloren gegangen, wäre der Käufer Eigentümer und Besitzer der Vase, die im Handel deutlich mehr kostet als der eBay-Schnäppchenpreis. Somit müsste doch der Verkäufer verpflichtet sein, entweder eine gleichartige Vase aufzutreiben oder eben den Geldbetrag für einen Ersatzkauf zu zahlen. Denn wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre (§ 249 Abs. 1 BGB).

Anders wäre es ja nur beim Rücktritt durch den Käufer (Rückgewähr des bisher Geleisteten, also nur des tatsächlich gezahlten Kaufpreises), aber der Käufer ist ja nicht zurückgetreten, sondern verlangt ausdrücklich Schadensersatz.

Gab es nicht mal so einen berühmten eBay-Fall, wo jemand eine landwirtschaftliche Maschine für 1,- Euro ersteigert hat und dann Schadensersatz wegen Nichtlieferung in Höhe von mehreren zehntausend Euro zugesprochen bekommen hat?

hausnummer22 10.07.2012, 13:38

Hier liefere ich den "Rübenroderfall" nach: http://www.lhr-law.de/lbr-blog/allgemein/der-rubenroderfall-olg-koln-verdonnert-ebay-verkaufer-zu-60000-euro-schadensersatz

Es kann also nicht richtig sein, wenn der Käufer nur den gezahlten Kaufpreis als Schaden ersetzt bekommt. Der Schaden liegt nämlich in der Wertdifferenz zum üblichen Marktpreis.

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outfreyn 10.07.2012, 21:44
@hausnummer22

zum üblichen Marktpreis

So weit, so gut. Nur unterscheidet sich der Rübenroderfall in mindestens drei Punkten nicht unerheblich von dem Fall in dieser Frage:

  • Die Vase hat keinen "üblichen Marktpreis", da es bei einem Einzelstück keinen Wiederbeschaffungswert gibt. Welcher Gutachter sollte denn zuverlässig den Wert der verlorengegangenen Vase schätzen? Die im Internet recherchierten Preise (die außerdem vermutlich nur verlangt, nicht zwangsläufig auch bezahlt werden) beziehen sich ja anscheinend nur auf ähnliche Vasen.

  • Der Verkäufer hat sich nicht geweigert, die Vase zu liefern, sondern hat sie versendet und somit - zumindest aus seiner Sicht - seine Hauptpflicht aus dem Kaufvertrag erfüllt.

  • Der Logistikvertragspartner des Versenders, DHL, hat die Sendung verbummelt, und muss somit den Wert ersetzen. Dummerweise lässt sich jeder mir bekannte Logistiker zum Zwecke der Schadensregulierung eine Rechnung o.ä. vorlegen, um dem Wert der verlorengegangenen Sache zu bestimmen. Dies wäre also der eBay-Kaufpreis zzgl. Porto. Ein evtl. höherer "Liebhaber- bzw. Sammlerwert" wird von keinem mir bekannten Unternehmen erstattet.

  • Für den Verkäufer ist es nun schlicht unmöglich, die geschuldete Kaufsache zu liefern. Diese Unmöglichkeit liegt aber nicht in seinem Verantwortungsbereich. Beim gewerblichen Verkäufer ist zwar der § 447 BGB nicht anzuwenden, aber trotzdem haftet der Verkäufer. Der dem Läufer tatsächlich entstandene schaden beläuft sich auf den Endpreis der Auktion zzgl. Versandkosten.

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Hallo, ich muss meinen Vorrednern recht geben. Laut §249 I BGB ist der Schaden der, der entstehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre. Wäre das Paket nicht verloren gegangen, so hättest du eine Ware im Wert von deinem Kaufpreis gehabt, nicht im allgemeinen Wert.

Der Schadenersatzanspruch des Käufers ist auf den Erfüllungsschaden (positives Interesse) begrenzt. § 249 (1) BGB.

Daher ist die vom Verkäufer vorgeschlagene Vorgehensweise absolut in Ordnung.

outfreyn 10.07.2012, 09:17

Noch eine Ergänzung:

Bei dem Verlust eines Pakets handelt es sich um eine nachträgliche Unmöglichkeit auf Seiten des Verkäufers. Dieser wird daher nach § 275 BGB von der Leistung frei.

Da der Verkäufer die Unmöglichkeit nicht zu vertreten hat (schließlich hat DHL die Kaufsache verbummelt), ist ein Schadenersatzanspruch aus den §§ 280 ff. BGB ausgeschlossen. Auch der Käufer wird von der Leistung frei (§§ 323, 326 BGB).

Grundsätzlich behält der Käufer mögliche Schadenersatzansprüche (§ 325 BGB), fiktiver Schaden ist davon jedoch nicht erfasst.

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Obwohl das Paket versichert war und DHL eigentlich für den Wiederbeschaffungswert aufkommen müsste, bietet der Verkäufer nur eine Rückzahlung des gezahlten Kaufpreis und Versandkosten an. Ist das so rechtmäßig?

Ja sicher doch. Denn genau das ist der Schaden, der dem Käufer entstanden ist.

hausnummer22 10.07.2012, 08:01

Fakt ist, dass der Käufer die Vase nirgendwo für dieses Geld kaufen kann, da die eBay-Auktion ein wirklicher Glücksfall war. Ist der Kaufvertrag (=Anspruch auf Übergabe/Übereignung der Vase) denn mit der Rückzahlung des Kaufpreises einfach so erledigt?

Können Sie Paragrafen/Urteile zum Sachverhalt benennen?

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Ja, ein privater Käufer hat Anspruch auf Schadenersatz, wenn ein gewerblicher Käufer ein DHL-Paket versendet und dieses verloren geht.

Aber wo ist das Problem? DHL-Pakete sind bis 500,- Euro versichert. Der Verkäufer muss sich doch nur an DHL wenden und den Schadenersatz anfordern! Nicht der Käufer muss das tun, sondern der Verkäufer! Dazu gibt es bei Google genug Urteile.

user1673 10.07.2012, 11:15

Genauso ist es. Der Absender muss bei DHL nachweisen, welchen Wert der Inhalt hatte. In diesem Fall wäre der Nachweis das ebay-Gebotsverfahren, der Portobeleg und die Überweisung. Für andere Werte steht die Versicherung nicht zur Verfügung.

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Pakete sind immer versichert , DHL erstattet aber nur den Kaufpreis und zahlt keinen Schadensersatz

Das ist so völlig in Ordnung, denn dabei handelt es sich um den tatsächlichen Vermögensschaden, der dem Käufer entstanden ist. Fiktiver Schaden wird nunmal nicht ersetzt....

hausnummer22 10.07.2012, 07:47

Aber der konkret eingetretene Schaden ist doch der Verlust der Vase, die sich ja bei korrekter Zustellung des Paketes im (Sach-)Vermögen des Käufers befinden würde?! Zumindest ersetzen Versicherungen bei solchen Sammlersachen in der Regel den Wiederbeschaffungswert (Preis im Fachhandel).

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Saarland60 10.07.2012, 07:50
@hausnummer22

Der konkret eingetretene Schaden ist nicht der Verlust der Vase, sondern der Verlust einer Sache im Gegenwert des Kaufpreises + der Portokosten.

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WetWilly 10.07.2012, 17:08
@hausnummer22

Der Rübenroder ist ein völlig anderer Fall und hiermit nicht zu vrgleichen.

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JanKrohn 10.07.2012, 09:50

Gegenfrage, Extrembeispiel: Angenommen der Kaeufer erwirbt ein Smartphone fuer 1 Euro, welches im Laden 500 Euro kostet, und dann auf dem Postweg verloren geht. Hat er dann auch etwa nur Anspruch auf 1 Euro Ersatz, und obendrein einen 50 Euro Vertrag an der Backe, den er ohne Telefon nicht einmal nutzen kann...?

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WetWilly 10.07.2012, 15:07
@JanKrohn

Nein, dann hat er Anspruch auf erneute Lieferung.

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outfreyn 10.07.2012, 21:58
@JanKrohn

Bei einer Gattungsschuld sowie einem Dauerschuldverhältnis sieht die Rechtslage völlig anders aus.

Erstens kann der Käufer dann Nacherfüllung verlangen oder vom Vertrag zurücktreten (Widerruf; verbundene Verträge, § 358 BGB).

Aber im Falle eines wirksamen Widerrufs bekommt er trotzdem nur 1 € (evtl. zzgl. Versandkosten) erstattet, nicht jedoch 500 €.

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zum thema wurde schon alles gesagt. der schaden der entstanden ist, ist der geldwert, der gezahlt wurde, nicht der fiktive sammlerwert.

§§ dazu gibts im BGB z.b. 249

urteile dazu gibts beim bgh, wobei man hier wirklich kein höchtsrichterliches urteil nachlesen muss um die systematik zu verstehen.

Hallo

Natürlich muss der Verkäufer nicht mehr als den Kaufpreis zurückzahlen und auch das nur auf Kulanz denn er kann nichts dafür wenn das Paket bei DHL verlorengeht oder die Vase sofern er Sie ordentlich verpackt hat beschädigt wird.

Normalerweise ist bei einem Verischertem Versand der Paketdienst haftbar und muss den Schaden ersetzen und dann auch nur in der Höhe des Verkaufpreises.

Wenn der Paketdienst den schaden ersetzt und der verkäufer das Geld zurückzahlt kassiert der Käufer doppelt und das wäre nicht rechtmäßig.

hausnummer22 10.07.2012, 13:26

DHL zahlt immer nur an den Absender, nie an den Empfänger. Es ist dann jedoch auch nicht fair, wenn der Verkäufer nur den Kaufpreis von z.B. 1,- Euro zurückzahlen muss und dann von DHL den tatsächlichen Wert von z.B. 500,- Euro ersetzt bekommt und das Geld mangels Ansprüchen des Käufers behalten darf.

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outfreyn 10.07.2012, 22:00
@hausnummer22

Es ist dann jedoch auch nicht fair, wenn der Verkäufer nur den Kaufpreis von z.B. 1,- Euro zurückzahlen muss und dann von DHL den tatsächlichen Wert von z.B. 500,- Euro ersetzt bekommt

DHL ersetzt das, was auf der Rechnung steht - und das ist der bei der Auktion erzielte Kaufpreis. Einen nicht nachgewiesenen Wert ersetzt kein Logistikunternehmen der Welt.

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Hallo Hausnummer,

der Käufer ist durch den Ersatz so zu stellen, wie er ohne den Kauf stand. Und das ist nun einmal nur der Ersatz des tatsächlichen Kaufpreises.

Ciao

Greenstar

hallo daas ist doch klar .... wenn du das versichert sendest oder wenn das der empfanger nicht erhielt hat der 1 woche zeit das zu abholen wen nicht bekommst du das zurück!!!!

 *** bye ich hoffe meone anwort kann dir helfen  ***
outfreyn 10.07.2012, 09:00

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