Katze an drinnen gewöhnen?

11 Antworten

Sperr die Katze nicht einfach ein!

Wenn Du Dich um sie kümmern willst, akzeptiere, dass sie Freigänger ist. Wenn Du sie auf Deinem Grundstück fütterst und vielleicht einen offenen Rückzugsort hast (Gartenhaus, Garage etc.), kannst Du sie nach und nach dazu bringen, dort Schutz zu suchen und vielleicht auf lange Sicht auch ins Haus zu kommen. Das würde ich dann im Sommer so machen, dass bspw. die Terrassentüren anfangs immer offen sind, so dass die Katze keine Panik vor dem Eingesperrtsein bekommt. Langfristig wird diese Katze mMn keine Hauskatze und müsste IMMER die Möglichkeit haben, auch wieder raus zu gehen!

Mal zur Veranschaulichung: Einer meiner Wellensittiche musste inhalieren und sollte das in einem kleinen Käfig machen. Meine Vögel leben in einem Käfig von 1 m Länge und 1 m Höhe (mit Freiflug) und der kleine Käfig war ca. 50 cm lang und 40 cm hoch. Andere Wellensittiche haben solchen Käfige als Behausung und kommen damit klar, aber meiner war das nicht gewohnt und drückte sich nach der Inhalation regelrecht ans Gitter oder hüpfte und flog wild durch den ganzen Käfig, weil er wohl das Gefühl der Enge hatte. Weil er ja vom anderen Käfig so beengte Verhältnisse nicht gewohnt ist. 

Der Katze wird es ähnlich gehen - draußen sind keine Wände, drinnen ist noch der größte Raum in ihren Augen ein Miniknast.

So eine Katze würde ich im Idealfall auf einem großen Grundstück halten, mit einem Schutzhaus (Garage etc.), das Zugang zum Haus bietet (Katzenklappe, evtl. größer als normal). Wenn das Grundstück eingezäunt ist, kann das evtl. klappen (eingezäumt, wegen potentiellen Einbrechern, wenn immer ein Durchgang zwischen Haus und Garten besteht), aber die Katze sollte freien Zugang vom Grundstück haben. Vielleicht wird sie irgendwann Hauskatze, aber vermutlich nicht in ein oder zwei Jahren.

Genau das kenne ich nur zu gut von meinen Strassenkatzen. Bei meiner "alten" Mamikatze habe ich es so geschafft:

Füttere ihn mehrmals täglich, da wo Du jetzt das Futter hinstellst. Nach und nach bringst Du das Futter immer näher zu Deinem Eingang und schlussendlich stellst Du es im Haus auf, am besten noch immer bei geöffneter Türe.

Du wirst sehr viel Geduld haben müssen, bei meiner Mamikatze hat es fast 9 Monate gedauert, bis sie in meinem Haus bei geöffneter Türe gefressen hat. Heute, etwa 6 Jahre später schläft sie in meinem Haus, genauso wie ihre Babies.

Bei einer weiteren Strassenkatze das gleiche. Die lebt seit gut einem Jahr mit ihren 2 Babies in meinem Hof und seit einigen Tagen darf ich sie streicheln, immer kurz, bevor sie zu fressen anfängt. Ihre Tochter ist so neugierig, dass sie schon mal öfter ins Haus kommt, dann aber wieder zu Mami und Bruder geht. Diese Katzen haben einen Unterschlupf in meinem Hof, wind- und wettergeschützt und werden auch da gefüttert. Streicheln kann ich die Jungen von Anfang an, aber Mami lässt es sich erst seit einigen Tagen gefallen und sie musste sogar der Kastration wegen in der Falle gefangen werden.

Überstürze nichts und geh so langsam wie möglich vor. Versuche nicht, den Kater ins Haus zu tragen, die Panik kennst Du ja bereits. Warte ab, bis er von selber kommt. Du wirst sehr viel Liebe und noch mehr Geduld aufbringen müssen, bis Du den Kater soweit hast, dass er sich an den Gedanken gewöhnt, auch mal eine Weile im Haus zu bleiben. Vergiss nicht, mit dem Kater zu reden. 

Aber ich denke, dass auch Du es so schaffen kannst. Meine "alte" Mamikatze hat sich auf jeden Fall zu ner Schmusekatze entwickelt, dass ich nur so staune. Sie kann gar nicht genug kriegen von Streicheln und Gekraultwerden. 

Freigänger wird der Kater aber immer bleiben und das heisst, dass er raus können muss, wann immer er es will.


Jetzt im Sommer wird der Kater sowieso eher draußen bleiben. Macht ihm auf der Terrasse ein gegen Regen und Wind geschütztes Plätzchen. Einen Karton, isoliert mit Styropor, ausgelegt mit alten Wollpullovern zum Beispiel. Das unter einem Tisch mit lange Tischdecke, damit er sich geschützt fühlt.

Streichle ihn viel, wenn du ihn draußen triffst. Futter bekommt er ja sowieso von euch. Ab und zu etwas besonders leckeres aus der Hand. Er wird bald merken, wo es gut ist zu sein.

Im Sommer hat man ja sowieso viel die Terrassentür offen stehen. Er wird sicher mal neugierig die Wohnung besichtigen. Wenn ihm schon mal der Rückweg abgeschnitten wurde und er sich in der Falle fühlte, kann das aber dauern. Auch mal eine Spur Leckerchen auslegen.

Wenn es zum Herbst hin kälter und ungemütlicher wird, wird er die Wärme und den Schutz einer Wohnung aber zu schätzen wissen.

Bei seinem vorherigen Besitzer war er doch auch in der Wohnung. Er kennt das also. Er muß euch nur noch besser kennenlernen und merken, daß er euch vertrauen kann.
Das Vertrauen kann aber sehr erschüttert werden, wenn ihr versucht ihn einzusperren.

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