Karl Marx - Religionskritik

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Leider hast Du keine Quelle angegeben, woraus dieser Satz stammt. Das wohl bedeutendste Werk der Religionskritik vom ollen Marx stellt sein Vorwort "Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie" dar (1843/44). Darin u. a.:

"...Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind.....Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."

Hier wird deutlich, dass einerseits die gesellschaftlichen Zustände, nach Marx die herrschenden Produktionsverhältnisse, die Religionen hervorbringen, andererseits die Religionen dazu dienen, den unterdrückten "Kreaturen" (zur damaligen Zeit nach Marx das ausgebeutete und besitzlose Proletariat) in ihrem sozialen Elend eine "Ersatzwelt" ("Opium") zu schaffen, sie damit weiter von den realen Verhältnissen und ihrer eigentlichen Bestimmung zu "entfremden". Diese Ersatzwelt und damit die "Entfremdung" könne im Weiteren nach Marx nur beseitigt werden, wenn man die Produktionsverhältnisse grundlegend verändert (="proletarische Revolution").

Snanifo 26.11.2012, 14:18

Das "Opium" ist m.E. nicht als Droge zum Zweck der "weiterEntfremdung" gedacht, sondern als Reaktion der Menschen auf einen entfremdete Welt: Staat, Sozietät. Heutige Reaktionen darauf, so nicht mehr religiöser Natur, sind z.B. das etwas materialistische Hoffen auf einen Lottogewinn oder der Traum von einer Starkarriere.

0
BigTumbler 26.11.2012, 15:16
@Snanifo

Die Droge Religion hat an sich nicht den "Zweck" der weiteren Entfremdung, das stimmt. Sie wirkt aber wie in dem angeführten Sinne, erfüllt also einen Zweck, den sich die entsprechenden Leute dann zunutze machen (z. B. Drogendealer - oder hier passenderweise mitunter auch Missionare).

0
alex1302 26.11.2012, 22:28
@BigTumbler

Das Opium wirkt betäubend. Dies sieht Marx auch für die Religion gegeben. Sie verhindert eine Veränderung der Zustände und hält den Menschen von seiner Arneit ab. Wie du bereits erwähnt hast: Will Marx Religion abschaffen, sondern die Institution die das Opium verteilt, also möchte er eine grundlegende Änderung in der Gesellschaft. Habe ich das richtig verstanden?

0
BigTumbler 27.11.2012, 07:11
@alex1302

Er betrachtet sie m. E. nach als "Fluchtburg" des Menschen vor den herrschenden Zuständen. Der Mensch "flüchtet" vor den (damaligen) gesellschaftlichen Verhältnissen in einen Scheinwelt, die er sich selbst geschaffen hat, und die dann weitergehend von den entsprechenden Leuten und Institutionen missbraucht und ausgenutzt wird.

Man kann das natürlich nicht Eins zu Eins auf die heutigen Bedingungen transferieren, aber im Grunde genommen gilt diese Einschätzung immer noch in weiten Teilen der menschlichen Gesellschaft.

0
PatriceKongo 30.11.2012, 23:05
@BigTumbler

Wir leiden zwar heute nicht mehr so wie die Menschen damals, aber wir werden durch die Medien viel mehr verblödet, verroht, abgelenkt, mit Mist vollgepumpt - wer dies nicht will oder mitmachen will, aber auch nicht weiß wie man das ändern kann, der flüchtet eben in die Religion - bzw. wird durch Bibel-Sender mit seinen Prediugern in eine einfache Ersatzscheinwelt geleitet, um damit jegliche Veränderung endgültig auszuschließen - und damit sogar noch eine weitere Perversion hinzuzufügen.

Wie die skurile Nachbarschaft einer Kirchensekte direkt neben einem Sex-Schuppen, die ich mal in einer Stadt gesehen habe.

0
BigTumbler 04.12.2012, 10:07
@PatriceKongo

Nachbarschaft einer Kirchensekte direkt neben einem Sex-Schuppen,>

Was ist da skurril? Es soll Kirchensekten geben, die sind selbst "Sex-Schuppen" (und schlimmer).

:-)

0

Der Mensch sollte gemäß Marx eigentlich in seiner Arbeit sein Glück finden. Der Mensch arbeitet gerne und indentifiziert sich mit dem Produkt seiner Arbeit.

Dies kann in einer durchorganisierten kapitalistischen Gesellschaft leider nicht mehr der Fall sein. Der Mensch ist hier für den Unternehmer ein Kostenfaktor, der möglichst weg rationalisiert werden muss. Deshalb wird der arbeitende Mensch von seiner Arbeit entfremdet und wird unglücklich. Zum Trost sucht er sich einen neuen Glücksbringer: die Religion. Diese kann aber nur ein billiger Trost sein, ein Selbstbetrug.

Alles gemäß Marx.

PatriceKongo 30.11.2012, 23:29

Der Mensch dürfte sicher nach Marx auch mit wenig oder keiner Arbeit Glück finden bzw. einer anderen Art von Arbeit, die eben keine Lohnarbeit ist - wie die Arbeit der Mutter oder sonstige unentgeldliche Arbeiten. Das es manchmakl keinen Spaß macht zu arbeiten, weil Konkurrenzkampf oder Mobbing oder keine selbstbestimmte Arbeit ist ja nur ein Phänomen des Kapitalismus - im Sozialismus oder gar Kommunimus wird es so sein und sein können wie man will und es macht.

Ohne soviel Konsum- und Arbeitzsterror und erst recht ohne Wirtschafstkrisen -Überproduktionskrisen und die daraufhin veranstalteten Vernichtungskriege würde unser Leben sicher viel gewinnen.

0

Eigentlich ist der Satz doch gut und eindeutig zu verstehen?! Lies noch mal:

Religion ist nicht die Ursache der Entfremdung, sie ist vielmehr Begleitphänomen einer selbst entfremdeten profanen Welt. Die kapitalistische Gesellschaft mit ihren Produktionsverhältnissen führt zur Selbstentfremdung des Menschen, die sich in der Religion wiederspiegeln.

Karl Marx 3.jpg - (Religion, katholisch, karl-marx) Karl Marx und Friedrich Engels - (Religion, katholisch, karl-marx) Marx_1869 - (Religion, katholisch, karl-marx) marx - (Religion, katholisch, karl-marx)

Es gibt übrigens Bücher zu dem Thema ! Marx zur Religion - oder über Religion und gleichermaßen von Lenin.

Was möchtest Du wissen?