kaputtes auto von privat person gekauft

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8 Antworten

Zunächst: Wer es sich nicht zutraut, Mängel und Schwächen eines betagten Gebrauchtwagen zu erkennen, sollte sich entweder für geringe Gebühr dem fachmännischen Gutachten eines Prüfdienstes oder Automobilclubs anvertrauen oder sich eben zusichern lassen, dass das Fahrezeug mängelfrei ist oder bestimmte Eigenschaften aufweist.

Wer beides unterlässt, muss sich dieses Verschulden selbst anrechnen :-(

Zu deiner eigentlichen Frage:

"Nach besten Wissen und Gewissen gewartet" schliesst keinesfalls aus, dass dennoch "die querlenker ausgeschlagen sind die achsbuchsen ausgeschlagen sind der Motor Öl verbrennt das Getriebe undicht ist die achswelle rechts Geräusche macht hinten die bremsen komplett runter sind und der Rechte bremssattel defekt ist."

"Wartung" meint tatsächlich nur Flüssigkeits- und Filterwechsel, neue Batterie oder Zahnriemen, aber keine neuen Querlenker, Getriebe oder Bremsanlage :-O

Es ist nicht verboten, ein auch mit derart vielen und erheblichen Mägeln behaftetes Auto, gar ohne frischen TÜV zu verkaufen. Oder es als "Exportfahrzeug" zu bezeichnen.

Mängel berechtigen aber dann nicht zu Rücktritt vom Vertrag, wenn sie bekannt waren oder das Fahrzeug "sich für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.", § 434 Abs. 1 Nr. 2 BGB :-(

"Gekauf wie gesehen" meint aber genau das: "Sieh ihn dir an, fahr in Probe und kaufe ihn so oder lass es". Ungefragt muss der Händler aber nur nur Unfallschäden angeben oder wahrheitsgemäß Fragen beantworten. Und diese Aussagen müsste man als zugesicherte Eigenschaft beweisen können, sie also vertraglich aufnehmen und unterschreiben lassen. Dewr Hdl. muss seinen eigenen Wagen aber nicht schlechtreden oder ungefragt auf Mängel oder Schwächen hinweisen.

Wenn dein Freund nicht beweisen kann, dass er arglistig getäuscht wurde, schriftliche Zusicherungen im Kaufvertrag falsch wären oder eine eine illegale HU-Plakette hätte, sieht es finster aus. Zumal ein gerammter Bordstein reicht, um den Querlenker auszuschlagen oder den heißen Bremssattel zu schrotten.

Und ob man für den vermutet niedrigen Kaufpreis ein ungleich höhers, unwägbares Prozesskostenrisiko eingehen  möchte, ist da mehr als fraglich :-(

G imager761


So genau kann man das noch nicht beantworten. Es gibt zwei wichtige Fragen zu klären:

  • Wurde die Gewährleistung im Kaufvertrag wirksam ausgeschlossen? (ein simples "gekauft wie gesehen" reicht meistens nicht aus)
  • Um welches Fahrzeug handelt es sich? Hintergrund: Normale Verschleißerscheinungen, die man bei einem Gebrauchtwagen erwarten darf, gelten nicht als Mangel, auch wenn man sie "mitgekauft" hat.

Zudem muss der Käufer auch nach einer solchen Zeit nachweisen, dass die übrigen Mängel schon beim Kauf vorhanden waren

Wenn es hier um viel Geld und keine 500 Euro-Gurke geht, könnte man das mal einem Anwalt vorlegen


bronkhorst 19.03.2015, 08:52

Zudem muss der Käufer auch nach einer solchen Zeit nachweisen, dass die übrigen Mängel schon beim Kauf vorhanden waren

Na ja, wenn die Sachmängelhaftung nicht wirksam ausgeschlossen wurde (was wir ja beide vermuten), gilt die Beweislastumkehr ja nach zwei Monaten noch...

Sonst sehen wir das absolut gleich ;)

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Ifm001 19.03.2015, 08:59
@bronkhorst

Wie in der Überschrift geschrieben, handelt es sich um C2C. Da gibt es keine gesetzliche Beweislastumkehr.

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"Gekauft wie gesehen" ist immer im Kontext zu den anzunehmenden Kenntnissen und Möglichkeiten des Käufer zu sehen. Der Spruch ist wortwörtlich zu interpretieren ... was Du nicht sehen bzw. feststellen kannst, ist weiterhin innerhalb der Sachmängelhaftung.

Auch relevant ist, von welchen Kenntnissen Du beim Verkäufer ausgehen kannst. Wenn er suggeriert, dass er Ahnung hat, musst er auch dafür geradestehen. Hinzu kommt, dass manche Händler bei "Schrottkarren" als Privatperson verkaufen, und Sachmängelansprüche "besser" abblocken zu können. Das ist dann strafrechtlich relevant.

Allerdings bist Du in der Beweispflicht bzgl. deines Schaden. Das wird ohne Gutachten schwer. Zudem kannst Du die Besitzerhistorie des Fahrzeugs anschauen und checken, ob der Verkäufer gewerbsmäßig handelt (das hat nichts damit zu tun, ob er ein Gewerbe angemeldet hat) sowie ob er im KFZ-Gewebe arbeitet.

Was ist ein "kfzler" - ein gewerblicher Händler oder ein Privatmann, der zufällig auch Automechaniker ist?

Ein simples "gekauft wie gesehen" ist von Gerichten schon als Ausschluss der Gewährleistungshaftung verworfen worden, so dass diese eben doch zum Tragen kam - insofern wäre es schlau, diese Fallschilderung einem Anwalt vorzutragen.

... hat er denn den Neupreis bezahlt oder doch nur einige Cent, weil es eine Schrottkiste ist? Und das alles hat er nicht bemerkt bei der Kontrolle/beim Kauf? Glaube ich nicht.

Wenn du ein Auto kaufst solltest du dir den Kaufvertrag gründlich durchlesen, und schauen ob er dir Garantie bietet, ansonsten geht man doch bei einer Probefahrt erstmal zum nächsten Kfz Meister und lässt ihn durchchecken

franneck1989 19.03.2015, 08:06

und schauen ob er dir Garantie bietet

viel wichtiger ist die Frage nach einem Gewährleistungsausschluss

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...keine Mängel die von heute auf morgen passieren können..

Gut, einerseits wissen wir nicht, was Dein Freund in den zwei Monaten alles mit dem Wagen angestellt hat. Andererseits, wenn die Mängel beim Kauf schon vorhanden waren, ist es kaum vorstellbar, dass diese bei der Probefahrt und einem Blick unter das Auto nicht feststellbar waren. So, wie sich die ganze Geschichte anhört, könnte es sich um eine 300 Euro Gurke gehandelt haben. Sollte dies zutreffen, würde ich das Ganze unter Erfahrungen abbuchen und das Auto als Steigerungsangebot ab einem Euro in die Bucht setzen.

Er hat von Privat gekauft und die Klausel "gekauft wie gesehen" bedeutet eben genau das!

Er hat das Auto mitsamt den Mängeln gekauft und kann im Nachhinein nix mehr geltend machen.

Entscheidend ist nicht, was im Internet in die Verkaufsanzeige geschrieben wurde, sondern was im Kaufvertrag drin steht!

Nächstes Mal bei der Probefahrt zur nächsten Prüfstelle fahren und kurz drüber schauen lassen! Ja, das kostet ein wenig, aber das bewahrt einen vor solchen Reinfällen!

bronkhorst 19.03.2015, 06:37

Er hat von Privat gekauft und die Klausel "gekauft wie gesehen" bedeutet eben genau das!

Das stimmt eben so nicht.

Dieser Spruch ist von einigen Gerichten nicht als Ausschluss der Gewährleistungshaftung anerkannt worden, so dass diese eben doch galt.

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TransalpTom 19.03.2015, 06:58
@bronkhorst

Da hast Du Recht, aber heute zu Tage sind wird doch alle so faul und nehmen einen fertigen Kaufvertrag aus dem Internet (mobile oder ADCA oder soetwas) Da steht im Kleingedruckten der Gewährleistungsausschluß i.d.R. schon vorgedruckt drin. Das "gelauft wie gesehen" ist doch nur noch eine umgangssprachliche Floskel.

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bronkhorst 19.03.2015, 18:34
@TransalpTom
  1. Das "gekauft wie gesehen" steht meist so nicht in den Vordrucken, sondern geistert meist noch in den Köpfen herum, ähnlich wie "keine Garantie".
  2. Anscheinend hat es vor sehr kurzem ein BGH-Urteil gegeben, das auch unter Privaten den "formularmäßigen Haftungsausschluss" als "einseitige Benachteiligung" abschießt.
    Bisher habe ich diese Mustertexte für relativ wasserdicht für alle Schäden gehalten, die nicht gerade arglistig verschwiegen wurden - das könnte sich aber gerade ändern; mal schauen, wie sich dieses Urteil auf die allgemeine Praxis auswirkt.
    http://www.rechtsindex.de/recht-urteile/4829-bgh-urteil-viii-zr-26-14-gebrauchtwagenkauf-ausschluss-jeglicher-gewaehrleistung
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Ifm001 19.03.2015, 09:28

Es ist durchaus relevant, was in der Verkaufsanzeige steht.

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