"Kant und das Schnabeltier" von Umberto Eco "stoicheia"?

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2 Antworten

Umberto Eco, Kant und das Schnabeltier. Aus dem Italienischen von Frank Hermann. München ; Wien : Hanser, 2003, S. 49 - 50 kommt die Bezeichung „stoicheia“ vor.

S. 50: „Laßt uns also sagen, daß die stoicheia weniger reale Zustände der Welt sind als Möglichkeiten, Tendenzen der Welt, die durch diskrete Sequenzen der Welt repräsentiert werden.“

Bei stoicheia (ein Plural) handelt es sich um ein Aufgreifen eines griechischen Wortes, das in antiker Philosophie verwendet wurde: στοιχεῖα (stoicheia; Singular; στοιχεῖον [stoicheion])

In der Textstelle bedeutet stoicheia (enstprechend einer Hauptbedeutung von στοιχεῖα): Elemente, Bestandteile, Grundbestandteile, elementare Bestandteile

Johannes Hübner, stoicheion. In: Wörterbuch der antiken Philosophie. Herausgegeben von Christoph Horn und Christof Rapp. Originalausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2008 (Beck'sche Reihe ; 1483), S. 407 – 409

S. 407: „stoicheion (Buchstabe, Bestandteil, Element; lat.: elementum) s. bezeichnet einen elementaren oder einfachen Bestandteil, der sich nicht auf ein anderes zurückführen lässt, z. B. den Buchstaben als Element der Sprache, einen elementaren Lehrsatz oder letzten Bestandteil von Körpern (a). Insbesondere bezieht sich s. auf die vier Grundkörper Feuer, Wasser, Erde und Luft als letzte materielle Bestandteile aller Körper (b).“

s. = stoicheion

François Renaud, Stoicheion. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 11: Sam -Tal. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2001, Spalte 1012

Spalte 1012: „στοιχεῖον, lat. elementum. Der v. a. philos. Begriff s. (urspr. »Buchstabe«) bezeichnet die unzerlegbaren Grundbestandteile oder die Grundlagen des Seins. Wohl im Vergleich mit dem Buchstaben stellt der Begriff den Versuch dar, die verwirrend große Vielfalt der natürlichen Welt als Kombinationen einer begrenzten Anzahl von Elementen zu verstehen. Der Terminus s. bleibt in der Ant. mit der klass., von Empedokles [1] voll formulierten Lehre der vier Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer) grundsätzlich verknüpft (wenn auch Empedokles als t. t. noch »Wurzeln«, rizṓmata, verwendet, Emp. frg. 6 b 15 DK).“

lat. = lateinisch

v. a. philos. = vor allem philosophische

s. = Stoicheion

urspr. = ursprünglich

Ant. = Antike

klass. = klassischen

t. t. = Terminus technicus (Fachbegriff, Fachausdruck)

Emp. = Empedokles frg. = Fragment (Bruchstück)

DK Diels/Kranz

Norbert Blössner, Stoicheion. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 10: St –T. Basel : Schwabe, 1998, Spalte 197 – 200 Spalte 197:  

Stoicheion (griech. στοιχεῖον; lat. elementum). Als Grundbedeutung für das von στοιχεῖος (Reihe) abgeleitete griechische Substantiv läßt sich ‘Glied einer Reihe’ erschließen. In den früheren Belegen heißt στοιχεῖον (σ.) ‘Buchstabe’ (als Laut- oder Schriftzeichen), ‘Grundbestandteil, Element’ (logisch oder stofflich) oder ‘Grundlage, Grundsatz’ (auch als Buchtitel für mathematische oder musiktheoretische Werke); später werden auch Himmelskörper, Sternbilder und dämonische Wesen als σ. bezeichnet.“

griech. = griechisch

lat. = lateinisch

Spalte 198: „Die vorsokratischen Philosophen jedenfalls haben die von ihnen angenommenen kosmologischen Grundstoffe selbst nicht στοιχεῖα genannt; diese (später waren vor allem die vier Elemente des EMPEDOKLes geläufig) Bezeichnung hat der Aristotelesschüler EUDEMOS VON RHODOS vielmehr erst bei Platon vorgefunden.“

Bei Umberto Eco ist Semiotik (Zeichentheorie, Wissenschaft der Zeichensysteme) ein Hintergrund.

Er weist darauf hin, der menschliche Geist könne infolge seiner eigenen Beschränkheit ein Kontiuum nicht denken, sondern müsse zum Erfassen eine (mögliche) Welt (auch im Fall, sie sei ein Kontiuum) segmentieren (in Abschnitte einteilen), in stoicheia, Symbolen homolog (ähnlich) gemacht.

Durch diskrete Sequenzen der Welt repräsentiert zu werden heißt, durch unterschiedene/voneinander getrennte/abgesonderte Reihen/Abfolgen einer (möglichen) Welt dargestellt/vertreten zu werden.

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Hallo DieGreifin,

Das ist ein altgriechisches Wort Στοιχεῖα = Stoicheia. Es bedeutet  ‚Anfangsgründe‘, ‚Prinzipien‘, ‚Elemente‘. Euklid, der Begründer der Geometrie, hat ein Buch mit diesem Titel verfasst, in dem er die mathematischen Grundlagen der Geometrie behandelt.

Gruß Friedemann

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