Kant: "Das: Ich denke muss all meine Vorstellungen begleiten können." Beispiel?

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1 Antwort

"Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können;
denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was garnicht gedacht
werden könnte, welches ebensoviel heißt, als die Vorstellung würde
entweder unmöglich, oder wenigstens für mich nichts sein. Diejenige
Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heißt Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneität, d. i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke
hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem
Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden
kann."

Als erstes kommt die Anschauung, die zur Sinnlichkeit gehört (mit den Augen=Sinne wahrgenommen), d.h. du schaust dir etwas an, einen Gegenstand zum Beispiel. Um eine Vorstellung des Objektes aufzubauen, ist nun ein Akt der Spontaneität, nämlich das Denken nötig. Gäbe es kein Denken, könntest du nicht von der Anschauung/Wahrnehmung dazu gelangen, dir eine Vorstellung des betrachteten Gegenstands zu eigen zu machen. Beispiel: Du siehst ein Auto. Dank des Denkens verknüpfst du bestimmte Eigenschaften mit diesem Auto, das du siehst (Räder, Lenkrad, Türen z.B.). Dank dieses Prozesses kannst du mit deiner Erfahrung auch andere Gegenstände nun der Klasse Auto zuordnen. Gäbe es diesen Prozess nicht, würdest du zwar immer wieder mal ein Auto sehen, diese aber nicht einer Kategorie zuordnen können, weil es ja beim Anschauen bleibt.

Allerdings bin ich kein Fan von Kant und ehrlich gesagt der Meinung, dass er ziemlich viel gesagt hat, was dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr haltbar ist, wie z.B. die Erkenntnis a priori. Auch der kategorische Imperativ beißt sich selbst in den Fuß, weil dessen Letztbegründung auf Gott fußt und wenn du nicht an Gott glaubst, kannst du auch die Argumentation nicht logisch finden. Mal abgesehen davon, dass es den kategorischen Imperativ schon in verständlicher Form in der Bibel gab (Goldene Regel: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu). Auch diesem "Ich denke..." stehe ich skeptisch gegenüber, denn einerseits ist es so, dass man das Denken nicht aktiv abschalten kann, es begleitet also alle meine Vorstellungen, Vorstellungen und Denken bilden quasi eine Symbiose, und andererseits gibt es Hirnschäden, die ein Denken in dieser Form unmöglich machen. Dass das normale Denken sich von einer wissenschaftlichen Analyse unterscheidet, ist jetzt auch nichts neues von Kant, er hat sich halt lustige Begriffe dafür ausgedacht.

Leider gilt er aber immer noch als "der" große deutsche Philosoph und Schüler müssen sich mit seinem wirklich miserablen Schreibstil auseinandersetzen.


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