Kant --> Utilitarismus

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Hi. Zusammenbringen? Gar nicht. Kant war auch und vor allem Logiker und insofern der Vernunft verpflichtet. Sein Ziel war es eine prinzipgestützte Ethik zu entwickeln, die unabhängig von "Glaubensverkündigungen, elitärer Definitionsmacht und psychologischen Einflüssen" ist. Immer wieder gerne aufgeführte Beispiele, die auf eine rigorose Durchsetzung dieser Prinzipien zielen, um ein (Schein-)Dilemma zu erzeugen sind natürlich Quatsch. Kant hat schon gewußt, daß das Leben keine "Schwarz-Weiß-Schablone" ist. Aber gerade deswegen war es ihm wichtig Vernunft als die Vernunft des Einzelnen bei der Abwägung seiner Entscheidungen zu definieren und ihm logische, vernunftbezogene Orientierungspunkte zu setzen. - Allerdings führt dies zu einer Schlußfolgerung die den "enthemmten Ego-Machern" und den Gesellschaftssystemen, die das als "natürliche Form des Menschseins" propagieren nicht in den Kram passen dürfte. Bestandteil meiner eigenen Entscheidungslogik und -verantwortung ist immer auch mein Nicht-Wissen. Ob mir das passt oder nicht.

Und es ist nunmal eine Tatsache, daß kein Mensch die, mit dem Utilitarismus, der zu der philosophischen Kategorie des Konsequentialismus führt, notwendig vorauszusetzende "göttliche", irrtumsfreie, letztbegründende Allwissenheit verfügt, um für seine Entscheidung mit Blick auf mögliche Konsequenzen argumentieren zu können. "Oh Sorry, war nicht meine Absicht, hatte ich ganz anders gemeint / gewollt". - Was ein Schmuuh. Schon meine Oma (ohne Philostudium) wußte, das gut gemeint nicht gut gemacht und das Böse meistens als gute Absicht daherkommt. Das ist so banal, dass es einem echt schwer fällt darüber noch ein Wort zu verlieren. - Wenn man den Utilitarismus- und Konsequenzialismus-Begriff einmal in Ruhe näher analysiert wird man erschreckende Musterähnlichkeiten zum Faschismus und zu einer Ideologie der Mißachtung des einzelnen Individuums zugunsten eines (nicht näher bekannten) "Großen Ganzen Guten" feststellen.

In meinen Augen ist der Utilitarismus eigentlich nur die moderne Variante einer "Ideologischen Nu....." die jedem System zur Selbstbestätigung verhelfen würde und nicht wirklich philosophisch ist. -

Menschenrechte wären nicht mal ansatzweise in dieser Denke formulierbar gewesen. - Gott sei Dank gabs/ gibts Kant! 

Gruß


Inwiefern musst du sie denn" zusammenbringen"? In entscheidenden Punkten sind Kants Ethik und Utilitarismus schlichtweg nicht miteinander vereinbar. Die Erkärung des Beispiels von Slimpanne2 bringt es meines Erachtens nicht auf den Punkt, denn rein nach dem kat. Imp. könnte ich ein solches Flugzeug sehr wohl abschießen, denn wenn meine Maxime lautet "Schieße ein von Terroristen entführtes Flugzeug (auch mit Unschuldigen an Bord) ab, wenn es offensichtlich erscheint, dass sie es als Waffe gegen noch mehr Unschuldige einsetzen wollen." Diese Maxime ist ganz klar vertretbar verallgemeinerbar. Kant sagt jedoch auch, dass jedes vernünftige Wesen ein ZWECK AN SICH ist. Aufgrund dieser Festlegung darf man sich nicht über das Leben eines Einzelnen hinwegsetzen. Anderes beispiel: Ein simpler Utilitarismus hat kein Argument gegen Sklaverei, Kant mit seiner Festlegung eines Menschen als Zweck an sich schon.

Hallo!

Also, Kants Stellung ist da wohl nicht sehr eindeutig. Dazu muß man den Hintergrund kennen. Es gab ja die große Gegnerschaft zwischen den Aufklärern und den Idealisten (Die sog. 'Deutschen Idealisten' um Goethe, Schelling, Hegel, Fichte usw.). Letztere stellten sich entschieden dem aufklärerischen Positivismus entgegen, weil sie ihn für zu einseitig und eben auch zu utilitaristisch hielten und ihn schon damals für alle die Dinge verantwortlich machten, die heute unseren Planeten bedrohen. Kant dagegen war einerseits ein Aufklärer, indem er sich für einige ihrer Grundforderungen einsetzte und sie auch besonders den früheren Scholastikern gegenüberstellte ("Sie setzen ihre Vernunft an die Stelle des Aristoteles"), andererseits hätte man ihn nie für alle die Dummheiten und Perspektivlosigkeiten verantwortlich machen können, die daraus folgten. Vielfach wird er besonders wegen seines 'Kategorischen Imperativs' auch zu den Vorläufern der Idealisten gezählt. Siehe dazu übrigens folgenden Artikel:

http://ouroboros-forum.de/index.php?option=com_content&view=article&id=90:die-inszenierung-der-moderne&catid=36:admin-essays&Itemid=62

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