Kann (zu) schnelles fahren als Mordversuch gewertet werden?

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20 Antworten

Offensichtlich ja. Allerdings darf das nicht auf alle Rennen übertragen werden, hier handelte es sich um einen besonders krassen Fall.

Das Gericht hat die niederen Beweggründe (angeben) gesehen, es hat tatsächlich einen Toten gegeben. Das Auto wurde als gemeingefährliches Mittel (Waffe) gesehen und das Gericht stellte einen bedingten Vorsatz fest. Die Täter hatten wohl die Einstellung "Wenns schief geht, geht es eben schief". Es war ihnen also bewusst, dass sie jemanden töten könnten und haben es dennoch absichtlich gemacht. In diesem krassen Fall mit bis zu 160 in der Stadt, sah das Gericht den Toten nicht mehr als "aus Versehen" getötet an.  

Nach meiner Einschätzung wollten Staatsanwalt und Richter ein Ausrufezeichen setzen und das ist ihnen ja wohl ziemlich gut gelungen. Alle sprechen darüber. Vermute auch, dass in der Revision ein milderes Urteil rauskommt, aber um die 10 Jahre werden es wohl schon werden wegen Totschlags.

Eine Frage aus reinem Interesse, weil ich das in diesem Fall nicht so recht verstehe, nicht falsch verstehen.

Aber wie soll es Totschlag sein wenn doch das Mordmerkmal des gemeingefährlichen Mittels als gegeben angesehen wird ? Wäre dann nicht der Totschlag als erfüllter Straftatbestand ausgeschlossen, da hier evtl. "nur" fahrlässige Tötung oder Mord möglich wären ?

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@smilenice

So, wie ich es am Rande mitgekriegt habe, ist wohl vor allem der Punkt "Vorsatz" zwischen den Juristen sehr umstritten.

Staatsanwalt und Richter erkannten einen bedingten Vorsatz, der Verteidiger verneint jedoch, dass man von Vorsatz sprechen könnte. Darum wirds wohl auch hauptsächlich bei der Revision gehen.

Wird ein Vorsatz zu töten abgelehnt, käme Mord nicht mehr in Frage sondern nur noch Totschlag. Beim Totschlag würde genügen, dass man zwar die Tat vorsätzlich begangen hat, den Tod aber nicht beabsichtigte, sondern nur billigend in Kauf nahm und das kann wohl auf jeden Fall bejaht werden. Das kann aber immer noch für viele Jahre gesiebter Luft reichen.

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Eine klare Grenze ist da wohl schwer, aber bei über 150 km/h in einer Innenstadt oder Fußgängerzone (nur ein Zahlenbeispiel) ist damit zu rechnen, dass man von der Straße abkommt und/oder Menschen trifft. Somit ist es Absicht, also ein Mordversuch oder zumindest mal billigend in Kauf genommen worden. Das Selbe gilt für Straßenrennen und ähnlich Sche*ße. Oder einem "Rennen" auf einer überfüllten Autobahn (d.h. es ist schlicht kein Platz für solche Spielchen, da z.B. alle Spuren dicht befahren sind, ein Unfall ist daher fast schon vorprogrammiert).

Ein Auto kann ebenso eine Waffe sein wie eine Pistole. Und mal ehrlich, wenn ich in einer Fußgängerzone wild um mich schießen würde (mit Waffenschein, ohne explizit auf Menschen zu zielen) wäre das auch Mord...

Ob das heutige Urteil zu hart ist oder nicht würde ich nicht vom Verhalten anderer Fahrer abhängig machen. Das entschuldigt weder das Fehlverhalten des Täters, noch ist dieser gezwungen, automatisch auch schneller zu fahren. Und moralisch besser steht er dadurch auch nicht da...

20 km/h zu viel auf der Landstraße (also bei einem Limit von 100km/h) ist wohl nicht unbedingt ein Mordversuch, aber grob fahrlässig ist es schon. Manche Straßen sind in schlechtem Zustand oder nur schlecht überschaubar, da sind 120km/h (und viele fahren deutlich schneller!) einfach nicht drinnen. 

im Zusammenhang verstehen - innerorts wo 50 erlaubt sind mit mehr als 300% schneller fahren, das ist VERANTWORTUNGSLOS und VORSATZ

Man muss zwangsläufig damit rechnen dass was passiert, Rote Ampeln überfahren, auf keinen Rücksicht nehmen. 

das Unfallfahrzeug ist noch weit über 50 m zurückgeschleudert worden - auch da hätte noch was passieren können. 

das war ein Exempel und wird entsprechend geahndet. 

mal hören was die nächsthöhere Instanz zu urteilen vermag.

VERANTWORTUNGSLOS und VORSATZ

Verantwortungslos: ja.
Vorsatz: nein. Ausser, man kann beweisen, dass die losgefahren sind, um jemanden mit dem Auto tot zu fahren.

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@godlikegenius

Selbst die Geschwindigkeit um 300 % zu überschreiten macht noch keinen Mörder aus. Das Mörderurteil fußt auf der  Rücksichtsigkeit der Täter und ihrer inneren Einstellung zu ihrem Handeln. Sie ordneten ihrem Rennen alles unter, egal was anderen geschehen würde. Sie wollten zwar keinen Toten, nahmen ihn aber billigend in Kauf. Dolus eventualis nennt man das, bedingter Vorsatz. Und da geht auch Mord. 

Ich habe dennoch Zweifel, ob das Urteil auch vor dem BGH Bestand haben wird. 

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@furbo

Doch. Man kann von Vorsatz ausgehen. Aber einer Geschwinidgkeitsüberschreitung von 50% geht man von Vorsatz aus.

Urteil des KG Berlins vom 15.04.2005.

Oder willst du mir erzählen, dass er aus versehen auf dem Gas-Pedal ausgerutsch ist und dann blöder Weise in ein Rennen verwickelt wurde, und erst bei 160km/h die Bremse gefunden hat?

Wohl kaum, das wäre eine ähnlich bescheuerte Aussage wie "Ich bin von der Maus abgerutscht und habe dann blöderweise irgendwas Rechtsextremes gepostet"....

LG

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@roboboy

Meinen Kommentar hast du offenbar nicht verstanden. 

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@furbo

Doch.... Deinen schon.

Ich war vielleicht etwas undeutlich, ich meinte Paskavittu mit meinem Kommentar...

LG

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@roboboy

Okay, dann nehme ich meine Bemerkung zurück und behaupte das Gegenteil ☺

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@godlikegenius

Die sind über die Straßen gebrettert mit 300% zu schnell,das billigend inkaufgenommer Vorsatz.

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Nein, kann es nicht.

Das berliner Urteil ist genau auf den Einzelfall zugeschnitten, auf das Verhalten der beiden Täter und besonders auf ihre innere Einstellung. Sie wurden beide begutachtet um deren Motivation und Charakter auszuloten. Anhand all dieser Fakten wurden sie verurteilt, nicht nur "weil sie mal schnell gefahren sind". Einen Rückschluss auf andere Schnellfahrer kann man nicht ziehen. 

Die sind doch nicht einfach mal ein paar km/h zu schnell gefahren, die sind mit 160(!) km/h zuviel durch eine Innenstadt geballert, ohne Rücksicht auf Ampeln und ähnliches.

Ich denke, wenn ich mich zu einem innerstädtischen illegalen Autorennen verabrede, dann ist mir völlig klar, dass a) was passieren kann (und das wird dann mehr sein als nur Blechschaden) und b) ich weiß, dass ich etwas Verbotenes tue und ich setze mich bewusst darüber hinweg und nehme durchaus in Kauf, dass es unter Umständen "Kollateralschäden" gibt.

Erkläre mal den Angehörigen eines Unfallopfers, das durch solche Idioten zu Tode kommt, dass die Jungs nicht wussten, was alles passieren könnte.

Das glaubt kein Mensch.

Wer so unreif ist, dass er seinen Spaß mit einem Fahrzeug quasi als "Waffe" über die Sicherheit anderer Menschen stellt, dem sollte man nie wieder ein Fahrzeug anvertrauen.

Ich fand es immer wie einen Schlag ins Gesicht für Opfer oder Hinterbliebene, wenn die Verursacher solcher Unfälle mit Bewährungsstrafen, Geldbußen und einem Monat Fahrverbot davongekommen sind.

Ja, die Stafen bisher (zwei Jahre auf Bewährung für ähnliche Vergehen) fand ich auch viel zu lasch! Mit Mordurteil kann ich mich trotzdem nicht anfreunden.

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Es sagt mit Sicherheit keiner alles als Mord. darzustellen.
Der Mord mit seinen Ausführungen stammt aus der Zeit der Nazis, von dem Staatsgerichtspräsidenten Feisler. Nach dem Kriege konnte man sich zunächst auf keine definitation einigen, und deshalb ist es so geblieben.

Vorgestern hatte ich eine Frage der war mit 194 km/h über die Autobahn gebrettert, und gab an nur etwas Abwesend gewesen zu sein, wenn der jetzt deine Tochter umgenietet hätte würdest du dann auch noch so Reden, Ich kann doch nicht dafür ich brauch doch meinen Führerschein.

Du musst beide Seiten sehen.

Mit freundlichem Gruß aus dem Oldenburger Münsterland.

Bley 1914

Gab's hier im August 2015 auch:

http://m.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/urteil_-zehn-monate-fuer-olgastrassen-raser-14454432.html

Das Opfer ist ein bekannter von mir der nur mit viel Glück überlebt hat und sein Leben lang mit teils massiven körperlichen Beeinträchtigungen Leben muss...

Für mich ist sowas ganz klar Vorsatz und sollte definitiv hart bestraft werden!

Ich fahre selbst gerne sportlich und auch mal ein Beschleunigungsrennen, das aber dann nur auf einer abgesperrten Strecke. Im öffentlichen Straßenverkehr hat sowas nichts verloren und in der Innenstadt sollte sowas immer als Mord angesehen werden!

In dem Fall ging es ja darum, daß sich 2 Typen zu einem Rennen mitten in der Stadt getroffen haben. Die sind dann 160Km/h zu schnell gefahren, und über mehrere rote Ampeln. So wie ich das sehe, sind hier die roten Ampeln ausschlaggebend. Wenn ich ABSICHTLICH eine rote Ampel überfahre, muss ich damit rechnen das mit irgendwer in die Quere kommt. Und wenn ich dann auch noch so schnell fahre, daß ich gar nicht mehr reagieren kann, dann nehme ich zumindest in Kauf, das Leute zu Schaden kommen. Das wurde vom Gericht als Tatmerkmal VORSATZ gewertet, und erfüllt deshalb den Mordvorwurf.

Also wenn Du (mehr oder weniger) versehentlich zu schnell fährts, oder wenn Du eine rote Ampel überfaährt, dann ist das ein Verkehrsdelikt.

Aber wenn Du absichtlich deutlich zu schnell fährst, und dabei über mehrere rote Ampeln fährst, dann kann das (versuchter) Mord sein.

Bei dem Urteil ging es nicht um eine Landstraße. Wer auf der Landstraße auf weiter Pampa alleine fährt und niemand anderen als sich selber gefährdet, wenn er im Graben oder an einem Baum landet, wird kaum belangt werden, geschweige denn wegen Mordversuch angeklagt, er wird höchstens für psychologisch bedenklich erklärt, wenn er sich durch seinen Leichtsinn selber in Gefahr bringt.

Aber in Ortschaften über rote Ampeln rasen, wenn ständig, auch um 12 Uhr nachts (das ist noch nicht spät in Städten!) mit kreuzenden Verkehrsteilnehmern zu rechnen ist, das heißt rasen ohne jede Rücksicht auf Verluste. Etwas, was bisher von Richtern mit viel zu viel Milde behandelt wurde. Es wurde allerhöchste Zeit, daß mal jemand ein Machtwort spricht. Und es trifft ja keine Unschuldigen, wenn man sich die vorherigen Verkehrsdelikte der Typen anschaut. In deren Alter sollte man schon etwas Verstand mitbringen, und den hatten sie ganz offensichtlich nicht. Kein Verstand = kein Führerschein mehr, ganz einfach. Sollen sie mit einem Kinderdreirad ihre Rennen fahren oder sich eine Buskarte kaufen.

Es hätte gar nicht soweit kommen müssen, wenn die deutsche Justiz grobe Verkehrs-Delikte ähnlich hart bestrafen würde, wie z.B. die Schweiz.

Seit Jahr und Tag kann man sich im deutschen TV Reportagen von Rennen in Innenstädten ansehen...Das sind ja keine Ausnahmen, sondern in gewissen Kreisen schon fast "gängige Praxis" an Wochenenden. Und was ist die Konsequenz, wenn man erwischt wird? 1 Punkt in Flensburg und wenige hundert Euro. Lächerlich.

Seit sehr vielen Jahren wird in der Schweiz nach Einkommen bestraft. Bedeutet, dass wenn man in einer 50er Zone über 100km/h fährt und erwischt wird, ist man den Schein schon mal einige Monate los und bezahlt ein Bussgeld, was in der Höhe von einem oder zwei Monatsgehälter des Verursachenden liegt. Auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist.

Sowas spricht sich mit den Jahren rum, und die Rennen in Städten sind in der Schweiz enorm weniger geworden. Und "nach Einkommen" bedeutet auch wirklich "nach Einkommen". So wurde vor einigen Jahren ein französischer Ferrari-Fahrer, der auf einer CH-Autobahn nachts bei wenig Verkehr mit 200km/h (anstatt120km/h) daher kam, mit einer Busse von CHF 210'000 (!) bestraft.

Seit zwei Jahren nun, steht in der Schweiz auf sogenannte "Raser-Delikte" (massiv überhöhte Geschwindigkeit) schon mal im Voraus fest, dass der Betroffenen zwischen einem und 4 Jahren Gefängnis kassiert. Ebenfalls, ohne dass jemand zu Schaden gekommen wäre.

Neben der Tatsache, dass das "Tatwerkzeug" (Auto, Motorrad) durch die Behörden eingezogen wird und selbstverständlich eine horrende Busse zu bezahlen ist.

Das ist zwar schon sehr, sehr hart. Einige finden auch total übertrieben. Allerdings ist festzuhalten, dass diese extreme CH-Praxis dazu geführt hat, dass illegale Strassenrennen, oder krasse Geschwindigkeitsexzesse in der Schweiz nur noch selten stattfinden.

Dazu trägt natürlich auch die Dichte der Verkehrsüberwachung bei. Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist in der Schweiz sehr hoch.

In Zürich z.B. stehen in einer Stadt mit gerade mal gut 400'000 Einwohnern über 70 feste Blitzer. Dazu kommen noch die mobilen Geräte, die eines Morgens einfach irgend an einer Strasse stehen, wo bisher noch kein Blitzer bekannt war.

Im Vergleich zu dieser Radar-Dichte nimmt sich jede deutsche Stadt wie ein Waisenkind aus.

Wenn rasen mit Todesfolge Mord bedeutet, kann dann schnelles fahren
(auch wenn dabei niemand verletzt wird) als Mordversuch gewertet werden?

Man sollte den Fall schon genau betrachten, da der Richter bewusst keinen Präzedenzfall schaffen wollte (wie er betonte)

Grundsätzlich ist eine strengere Bestrafung von Autorennenfahrer sicher sinnvoll...nur ein paar Punkte und Geldstrafe ist nicht wirklich abschreckend.

Es wurde deswegen auf Mord entschieden, weil die Täter mindestens eine Voraussetzung dafür erfüllten.

Aus niederen Beweggründen (dem Versuch, Anerkennung durch einen Sieg zu erringen) sind sie mit EXTREM hoher Geschwindigkeit durch eine Innenstadt gerast, haben sämtliche Verkehrsregeln missachtet und mit ihrem Verhalten in Kauf genommen, Unschuldige Personen mit ihrer Waffe (in diesem Fall dem Fahrzeug) zu töten.

Wir sprechen hier nicht von ein paar km/h zu viel. Gegen 10-20 km/h außerorts sagt auch kaum jemand etwas. Allerdings sind innerorts schon 75 km/h brandgefährlich, weil jederzeit ein Passant oder ein anderes Fahrzeug auftauchen kann. Diese Raserei in Verbindung mit Straßenrennen nimmt immer mehr Überhand, da ist ein solches Urteil ENDLICH eine aussagekräftige Kampfansage. Davon kann es gerne noch weitere Urteile geben.

Ein weiterer wichtiger Schritt wäre außerdem, Straßenrennen grundsätzlich als Straftatbestand zu werten und Videoaufnahmen durch Dashcams vor Gericht als verwertbare Beweismittel zuzulassen.

Ein weiterer wichtiger Schritt wäre außerdem, Straßenrennen grundsätzlich als Straftatbestand zu werten und Videoaufnahmen durch Dashcams vor Gericht als verwertbare Beweismittel zuzulassen.

Grundsätzlich richtig, es wird ja auch an einem Gesetzesentwurf gearbeitet. Ich habe allerdings Zweifel, wie der TB aussehen wird und wie es mit der Beweisbarkeit ist. Ich befürchte, dass es eine gesetzliche Regelung geben wird, diese sich aber als stumpfes Schwert herausstellen wird.

Dashcams werden teilweise schon als Beweismitteln zugelassen. Das Problem ist die grundsätzlich unbegründete Datensammlung bei diesen Kameras, in Bagatellfällen wird i.d.R. die Dashcam verworfen.

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@furbo

Solange aber keiner aktiv aufgenommen wird, verstehe ich nicht wo das Problem bei Dashcams liegt. Man sieht doch anhand der Videoaufnahmen, dass der Fahrer einfach nur normal unterwegs war. Das wäre nichts anderes als normale Filmaufnahmen für z.B. eine Dokumentation, bei der Menschen auf einem öffentlichen Platz im Hintergrund zu sehen sind. Und Videofahrzeuge der Polizei sind auch zugelassen..

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Nein, bei diesem Fall ging es ja auch nicht drum das sie 20 km/h zu schnell gefahren sind.

Und das Urteil was dort gefällt wurde wird wohl auch kaum die Berufung überstehen und es wird doch nur mit Totschlag enden.

Ja, es waren 160 km/h zu schnell. Aber Mord....?

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Nach diesem Urteil ja.

Ich habe mich bis jetzt immer aufgeregt, wenn solche und ähnliche Leute mit sehr laschen Urteilen davon kamen. aber das jetzt ist wirklich krass.

Sehe das Urteil auch keineswegs gerechtfertigt. Weder haben sie die Konsequenz bedacht, noch werden sie ihr Leben eh nicht mehr froh werden, weil sie einen Menschen auf dem Gewissen haben. Mord?!

Jedenfalls kann man dann jedes rücksichslose Verhalten als Mordversuch werten, gerade im Straßenverkehr. Jedes zu schnell fahren, jedes zu dichte auffahren (meistens viel schlimmer!)...

Eine Verurteilung wg. Mord ist tatsächlich möglich

http://gangway.de/mord-und-totschlag-%C2%A7%C2%A7-211-und-212-stgb/

§ 211 Mord

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer

aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln

oder

um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
einen Menschen tötet.

§ 212 Totschlag

(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.

unabhängig von der schuld der angeklagten, halte ich das urteil für vollkommen unrechtmässig. für mord gibt es klare tatbestände, die ich hier nicht sehen kann.

in der tat hat unser rechtssystem keine angemessenen strafen für vergehen dieser art, aber deshalb kann man niemandem nach so einem unfall einen mord anhängen.

ich kann mir nicht vorstellen, dass diese urteile in höheren instanzen bestand haben. wenn doch, dann sehe ich schwarz für unser rechtssystem.

der gesetzgeber ist gefordert, nicht irgendein richter jemandem nen mord rein zu drücken, um die gesetzeslücke auszubügeln.

annokrat

Warum?

Niedrige Beweggründe-waren gegeben.

Vorsatz-war gegeben.

geplant war das ganze auch-sonst wäre es wohl kaum ein "Rennen" gewesen, sondern nur zwei Raser auf einer Straße.

Also sind die drei wichtigsten Kriterien für Mord gegeben. 

Ich finde es gut, dass endlich mal was gegen solche extreme gemacht wird. 

LG

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@roboboy

vorsatz sehe ich keinen.

das rennen war definitiv nicht geplant, so stellen es alle medien dar. das rennen entstand durch eine spontane begegnung dieser spacken.

das auto ist in dem fall keine waffe, weil ja niemand jemanden umbringen wollte, es fehlt der vorsatz.

annokrat

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@annokrat

Seh ich genauso. Das Ziel des Rennens war nicht, jemanden zu verletzen, sondern ein Rennen zu gewinnen, selbst wenn jedem logisch denkenden Menschen klar sein muss, dass dies höchsgefährlich ist.

Ich bin kein Jurist, aber Mord ist in meiner Vorstellung nach eine Tat, bei der man bewust etwas dehalb tut um jemanden zu töten (z.B. eine Amokfahrt / Terroranschlag wie der in Berlin kurz vor Weihnachten) 

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@trailhof

Sehen wir vielleicht unterschiedlich, ich kann auch eure Position verstehen.

Meiner Ansicht nach war das aber Mord. Klar, Fahrlässige Tötung passt auch, aber hier wurde aus niedrigsten Beweggründen ein Mensch getötet. Nämlich das Rennen zu Gewinnen. 

Nunja, und meiner Meinung nach kann man von Vorsatz sprechen, mit 160 in der Stadt halte ich das definitiv für Vorsatz, da jedem klar sein muss, dass dabei jemand draufgeht....

LG

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@trailhof

Wer Rennen gewinnen will, soll sich eine Rennbahn mieten. Öffentliche Straßen sind dafür nicht da!

Meistens gefährden Raser in erster Linie sich selber, aber in jeder Ortschaft ist damit zu rechnen, daß auch nachts um 12 noch Leute auf der Straße sind. Was wenn es nicht ein Jeep mit einem Insassen gewesen wäre, sondern eine Familie als Fußgänger auf dem Weg von einer Feier nach Hause?  Nicht ein Toter an der grünen Fußgängerampel, sondern fünf oder zehn plus Verletzte? Vielleicht auch tote Kinder? Alles akzeptabel und mit ein bißchen Bewährungsstrafe, ein paar Monate Führerscheinentzug und ein paar Punkte in Flensburg abgetan, da ja "nur" fahrlässig????.... 

Nein. Das Urteil auf Mord ist in diesem Fall absolut okay. Und bei ähnlich gelagerten Fällen sollten die Richter ab sofort auch hochrüsten und nicht mehr mit einem dezenten Klopfen aufs Fahrerhändchen abtun.

 

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@roboboy

Ich zitiere mal den Gesetzestext:

Mörder ist, wer [...] aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln [...] einen Menschen tötet.

Der niedrige Beweggrund war, das Rennen zu gewinnen, ohne Rücksicht auf Verluste. 

Das gemeingefährliche Mittel ist das Auto. Dass ein Auto eine Mordwaffe sein kann, steht wohl außer Frage, nur ist hier halt etwas Interpretationsfreiraum gegeben....

Also: Nach dem Gesetz ist eine Verurteilung wegen Mordes definitiv möglich. 

Auch denkbar wäre eben die fahrlässige Tötung. Ist halt Auslegungssache.

Ich finde es gerechtfertigt. Wenn das nach einem Ampelrennen mit 70 passiert wäre-nein. Dann wäre das fahrlässige Tötung.

Um mal eines von vielen älteren Gerichtsurteilen zu zitieren:

Bei Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit um mehr als 50% ist regelmäßig Vorsatz anzunehmen.

(KG Berlin, 15.04.2005)

160 liegt wohl minimal über den 50%, von denen hier die Rede ist. 

Also war das eine Vorsätzliche-und keine Fahrlässige Geschwinidgkeitsüberschreitung. Darin liegt der unterschied zwischen 20 km/h Überschreitung und du tötest dabei jemanden und 110 km/h Überschreitung und du tötest dabei jemanden.

LG


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Ich finde das ganze als Mord auszulegen ziemlich unpassend. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Eine Berufung ist sehr Wahrscheinlich.

Berufung ist schon eingelegt. Grob fahrlässige Tötung und 5 Jahre Knast wären m.M. nach gerehtfertigt. 

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@trailhof

Nicht zu vergessen lebenslänglicher Führerscheinentzug. Denn wer mit 28 keinen Verstand hat, hat den mit 33 (nach dem Knast) auch nicht. Lebenslängliches Fahrverbot wird imho viel zu selten von den Gerichten verhängt.

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Ein Mord oder Mordversuch ist geplant man müßte also sagen "ich rase jetzt um einen umzubringen", bei zu schnellem Fahren ist es eher fahrlässige Körperverletzung und eventuell mit Todesfolge!

Nach dem heutigen bzw. gestrigen Urteil anscheinend nicht unbedingt... 

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@trailhof

Das war grenzwertig da man bei der hohen Geschwindigkeit in der Stadt eigentlich damit rechnen muß das man andere gefährdet und verletzen kann!

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Das Urteil hat mich auch überrascht, nachdem ich mich sonst über unsere milde Justiz wundere. Die sitzen letztendlich bestimmt nicht länger als 3 bis 4 Jahre!

Zumindest werden einige Raser jetzt aufgerüttelt, selbst wenn (wie vermutet) in der Revision ein (hoffentlich nicht zu) mildes Urteil herauskommt.

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Ohne das Urteil jetzt gelesen haben:

Da hier in Deutschland nochmals zwischen Totschlag, fahrlässiger Tötung und Mord unterschieden wird, und ein Mord, laut deutscher Gesetzgebung folgendermaßen definiert ist:

"(2) Mörder ist, wer

aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oderum eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet."

würde ich zu schnelles fahren definitiv nicht als Mordversuch bezeichnen.

Niedriger Beweggrund ist gegeben, nämlich das Pinseln des eigenen Egos mithilfe einer potentiellen Mordwaffe ohne jede Rücksicht auf Menschenleben. Wenn jemand aus Angeberei mit einer MP durch die Gegend ballert und einen Unbeteiligten trifft, wird der auch nicht mit Bewährung davonkommen.

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@Daoga

Wenn jemand jemanden ausversehen mit einer MP erschießt ist das genau so wenig Mord wie wenn jemand jemanden ausversehen überfährt.

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