Kann sich eine Novelle auf einen Bibeltext beziehen oder ist das zuzweit hergeholt?

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4 Antworten

Natürlich ist das grundsätzlich möglich!

Ich kenne "Bahnwärter Thiel" nicht, Google spukt dazu und zu Salomo und bibilische Bezüge allerdings nichts aus. Das salomonische Urteil ist aber schon so in das allgemeine Bewusstsein übergegangen, dass es nicht unbedingt als biblisch angesehen werden muss und als allgemeines Modell für eine weise Entscheidung gilt.

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Hallo supergirl200,

verwechselst du da nicht was? Das Motiv kommt im Bahnwärter Thiel nicht vor.

Wo dagegen Ähnlichkeit ist: Salomonisches Urteil und Brechts Kaukasischer Kreidekreis. Allerdings soll Brecht das Motiv des gerechten Richters von einem chinesischen Dichter des 13. Jahrhunderts entlehnt haben.

Da in der Bibel grundsätzliche menschliche Erfahrungen dargestellt werden, die überall und zu jeder Zeit vorkommen, sind die naürlich nicht nur in der Bibel, sondern auch in nichtbiblischer Literatur zu finden.

Vergleichen auch mal das Märchen vom süßen Brei mit der biblischen Erzählung von Elia und der Witwe von Zarpat, in der ein Mehltopf und ein Ölkrug nie leer werden.

Dass sich eine Geschichte aber auf die Bibel bezieht, kann nur sein, wenn das im Text der Novelle ausdrücklich drinsteht und auf die Bibel Bezug genommen wird.

Es gibt einen Text, ich weiß jetzt nicht von wem, da wird das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn mit einem dritten Sohn weitererzählt. Das könnte dann so ein Beispiel sein.


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Kommentar von supergirl200
12.11.2015, 23:00

Danke!!:) Meine Idee beide Texte aufeinander zu beziehen ist eher unoffensichtlicher. Wenn man aus Sicht Thiels denkt, gibt es ja die Persönlichkeitsspaltung (Bereich Minna-Lene). (Streit beider Frauen) Beide haben ein Kind. Tobias (kennt seine Mutter nicht, kennt nur Lene als Mutter) stirb durch die Unachtsamkeit Lenes-> Die tote Minna 'bekommt ihn zugeschoben'; nun als Tobias tot ist hat Thiel diese Rachegelüste mit den 'Forderungen' Minnas an Thiel -> darauf hin ermordet Thiel Lene und das Baby (sind tot-> Minnas Bereich).

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Kommentar von supergirl200
12.11.2015, 23:14

Ok danke!! Gut, dann les ich mir mal den Text durch:)

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Du kannst davon ausgehen, dass in der Literatur viele Bezüge zur christlichen und jüdischen Religion dargestellt sind. Ich kenne "Bahnwärter Thiel" zwar nicht, aber wenn dir das Urteil des Salomo dazu einfällt, dann kannst du sicher sein, dass gerhart Hauptmann die Geschichte auch im Hinterkopf hatte, als er seine Novelle geschrieben hat.

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Prinzipiell kann sich eine Lektüre durchaus auf einen Bibeltext beziehen, z.B. Faust enthält eine Anlehnung an das Buch Hiob. Was Bahnwärter Thiel angeht, ist das eher die typische Geschichte der bösen Stiefmutter, wie sie auch in Märchen gerne auftaucht. Einen biblischen Bezug sehe ich da nirgends, falls du irgendwie eine Arbeit dazu schreiben müsst, würde es sich ggf. eher anbieten das gängige Stereotyp der bösen Stiefmutter zu thematisieren als einen Bezug zur Bibel.

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