Kann selektiver Mutismus von allein verschwinden?

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2 Antworten

Ich hab mal mit einem Jungen gearbeitet, der vermutlich mutistisch war - allerdings habe ich keine sozialtherapeutische Ausbildung und konnte mich nur auf das stützen was ich mir angelesen habe (das war während meiner Freiwilligenzeit in Indien). Bei diesem Fall war der selektive Mutismus aber wohl recht eng verknüpft mit Trennungserlebnissen und Ängsten und einem gestörten Vertrauensverhältnis zu den Eltern (bzw. engsten Bindungspersonen).

Ohne Therapie stelle ich mir das ganze zwar recht schwierig vor, weil eben die fachliche Leitung fehlt, aber es ist ja auch nicht so, dass das Kind zweimal die Woche zum Psychologen geht und dort wird dann das "Problem" kuriert. Therapie bedeutet, dass das gesamte Umfeld des Kindes sich darauf einstellen muss und lernen muss wie es am besten mit den Betroffenen umgeht. Bei einem "entspannten" Umfeld, dass seine Anforderungen an die Kapazitäten des Kindes anpasst kann man in kurzer Zeit (womit ich einige Monate meine) große Erfolge sehen.

Bei einem Umfeld in dem es heißt: "Der Max geht jetzt zum Psychologen, damit er Sprechen lernt" und in dem die Bezugspersonen des Kindes nichts an ihrer Anspruchshaltung und Fürsprecherrolle verändern, würde auch eine Therapie vermutlich wenig bringen. Gerade bei selektivem Mutismus ist das Verhalten der Menschen im Umfeld des Kindes von sehr großer Bedeutung. Wenn die Bezugspersonen des Kindes sich nicht anpassen und bestimmte Verhaltensregeln anwenden können oder wollen sieht das mit dem Erfolg mau aus.

Und wenn ich mich richtig an das erinnere was ich über selektiven Mustismus gelesen habe, dann ist der wichtigste Teil der Therapie eben genau das Umfeld zu schulen. Die Eltern müssen selbst Experten über selektiven Mutismus werden, Erzieher, Lehrer, Verwandte und Mitschüler müssen lernen bestimmte Verhaltensregeln anzuwenden. Das Nicht-Sprechen sollte nicht sanktioniert oder hervorgehoben werden. Ich habe übrigens auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder was das angeht anpassungsfähiger als die Erwachsenen sein können und eigene Strategien entwickeln wie Kontaktaufnahme und Interaktion auch ohne sprachliche Kommunikation funktioniert. Die Erwachsenen hingegen neigen gerne dazu weiterhin die Sonderrolle des betroffenen Kindes anzusprechen (wodurch sie wiederum das Verhalten der anderen Kinder beeinflussen) und eine Fürsprecherrolle einzunehmen (a la: "Weißt du, der Max spricht nicht mit fremden Kindern. Aber er würde bestimmt gerne mit euch mitspielen, gell Max?")

Warum soll eine Therapie nicht gemacht werden, wenn sie helfen könnte?

HayleyLove 13.09.2012, 11:51

Es geht um meine Nichte, sie litt (leidet) unter selektivem Mutismus, das wurde aber bis vor zwei Jahren nicht erkannt. Seit 3 Tagen ist es einfach "weg"(?)

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niska 13.09.2012, 12:53
@HayleyLove

Was heißt, es ist einfach "weg"? Redet sie nun auch mit dir persönlich oder redet sie plötzlich zwanglos mit allen Fremden?

Ersteres könnte ich mir durchaus vorstellen, letzteres hingegen wäre schon ungewöhnlich - von so etwas habe ich noch nicht gehört (aber ich bin auch einfach nur ein Laie, der sich aus gegebenem Anlass mit dem Thema beschäftigt hat/ beschäftigen musste)

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