Kann nicht weiter leben! Hilfe?

Support

Liebe/r unipig,

Deine Situation klingt besorgniserregend.

Sprich bitte mit einem Menschen darüber, dem Du vertraust. Das kann ein guter Freund, ein Verwandter oder auch eine Vertrauensperson aus der Schule sein.

Du kannst Dich zudem jederzeit an die Telefonseelsorge wenden. Dort ist rund um die Uhr jemand erreichbar und Du hast die Möglichkeit, ein anonymes und vertrauliches Gespräch zu führen. Telefon: 0800/1110111 oder 0800/1110222 (gebührenfrei aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz).

Oder schau mal hier: http://www.nummergegenkummer.de

Herzliche Grüße

Leif vom gutefrage-Support

7 Antworten

Hallo unipig,

wenn man wie du in einer schweren Krise steckt, ist es nicht ganz einfach, wieder Mut zu fassen und nach vorn zu schauen. Doch es ist auch nicht unmöglich, wenn man die richtigen Schritte tut, die einem dabei helfen, sie (wenn auch nur zum Teil) zu überwinden. Aber wie soll das gehen?

Nun, es gibt manche Ereignisse im Leben, die lassen sich nicht mehr ändern oder rückgängig machen. Es nützt nichts, sich mit aller Kraft dagegen aufzubäumen. Am besten ist es, so schwer es auch fallen mag, sich mit dem Geschehenen abzufinden und sie Sache abzuschließen. Es geht also darum, dem Unabänderlichen nicht endlos nachzutrauern, sondern den Fokus auf das zu richten, was man verändern und beeinflussen kann.

Statt also in eine Art Schockstarre zu verfallen, solltest Du Dich fragen, was Dir in Deiner Situation helfen könnte. Zum Beispiel wäre es durchaus hilfreich, mit jemandem, dem Du vertraust, offen über Deine Empfindungen zu sprechen. Allein das Reden kann schon eine heilsame Wirkung haben! Wenn Dein Gesprächspartner Dich versteht und mit Dir mitfühlt, wird es Dir ganz bestimmt leichter ums Herz werden. Auch frage Dich immer, was Du verbessern kannst, selbst wenn es nur relativ kleine Dinge sind. Aktiv zu werden nimmt einem das Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit.

Wichtig ist es gerade jetzt, dass Du nicht immer nur über die Krise und über das,was sie verursacht hat, nachdenkst. Richte Deinen Sinn auf die vielen kleinen schönen Dinge im Leben: das Singen der Vögel, ein prächtiger Sonnenuntergang, ein leckeres Essen, die gemütliche Tasse Kaffee usw. Manchmal verliert man den Blick dafür und nimmt sie als zu selbstverständlich, ohne sich wirklich daran zu erfreuen. Bedenke, dass das Problem aus mehr als nur aus Sorgen besteht! Die vielen kleinen Freuden im Leben zu sehen hilft einem, manches aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Es mag sein, dass Du Dich im Moment ziemlich schwach und mit allem überfordert fühlst. Da kann es Dir helfen, wenn Du Dich an Deine alten Stärken erinnerst. Denke z.B. darüber nach, was Du bisher schon alles bewältigt hast und was Dir in Deinem Leben gut gelungen ist. Das hilft Dir dabei, zu erkennen, dass Du auch jetzt nicht völlig hilflos bist. In Dir steckt wahrscheinlich mehr, als Du Dir im Moment zutraust. Knüpfe daher an Deine früheren Leistungen und Erfahrungen an und Du wirst erkennen, dass Du in Wirklichkeit gar nicht so schwach bist.

Auch wenn für Dich im Moment alles grau und trübe aussieht, bedenke, dass das nicht für immer so bleiben muss! Dinge verändern sich und es mag sein, dass Du in einigen Monaten das, was Dich gerade so herunterzieht, nicht mehr als ganz so schlimm ansiehst. Oder es mag sein, dass es Dir gelungen ist, das eine oder andere Problem besser zu bewältigen. Es gibt also keinen Grund, in völliger Trübsal und Hoffnungslosigkeit zu versinken!

Wenn Du an Gott glaubst, dann vergiss nicht, dass er von Deinen Problemen weiß und er Dir gern helfen möchte. In der Bibel lässt er den Niedergedrückten sagen: "Ich, der Hohe und Erhabene, der ewige und heilige Gott, wohne in der Höhe, im Heiligtum. Doch ich wohne auch bei denen, die traurig und bedrückt sind. Ich gebe ihnen neuen Mut und erfülle sie wieder mit Hoffnung" (Jesaja 57:15, Hoffnung für alle).Wie aber kann Gott Dir neuen Mut geben? Wenn Du Dich ihm zuwendest, in seinem Wort liest und darüber nachdenkst! Darin findest Du viele tröstende Gedanken. Ich denke da z.B. an die Psalmen, die größtenteils von Menschen geschrieben wurden, die sich zeitweise in auswegloser Lage befanden, dann aber die Erfahrung machten, dass Gott ihnen oft auf unerwartete Weise geholfen hat.

Ich wünsche Dir, dass es trotz allem, was Du erlebt hast, in Deinem Leben bald wieder bergauf geht! Auch wenn es momentan noch sehr schwer ist, denke bitte daran, dass auch die längste Krise irgendwann (wenn auch nicht vollständig, dann vielleicht doch zum Teil) überwunden ist. Beachte die genannten Tipps und gib nicht auf, und Du wirst sehen, dass irgendwann nicht mehr alles ganz so trüb aussieht!

LG Philipp

Kein Mensch kann mit schweren Depressionen etc. leben. Die Frage stellt sich also, wie man aus diesem Teufelskreis lebend herauskommt, denn Suizid ist keine Alternative. Ich sage mir immer, dass ich lieber gesund als tot sein will.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten psychische Erkrankungen zu behandeln, auch wenn diese schon länger andauern. Mit einigen wirst du bereits in Kontakt gekommen sein:

  • Eine Psychotherapie ist elementar für jede Behandlung (ob mit oder ohne andere Behandlungsmethoden). Mit einer Psychotherapie meine ich eine richtige Psychotherapie mit einem Konzept und nicht oberflächliche Gespräche. Therapiekonzepte sind z.B. Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse (es gibt jedoch noch unzählige weitere). Wenn man auf eine Methode nicht angesprochen hat heisst dies nicht, dass man auf eine andere Therapieform auch nicht reagiert. Ich z.B. habe über 8 Monate eine Verhaltenstherapie gemacht, welche mir jedoch nicht viel brachte. Eine Psychoanalyse half mir hingegen relativ gut. Das Problem einer Psychotherapie ist einfach, dass es sehr lange geht bis sie wirkt (Monate, wenn nicht Jahre). Ich brauchte über ein Jahr Psychoanalyse bis ich eine Veränderung feststellte. Dafür ist diese Behandlungsform nachhaltig und mit keinerlei Nebenwirkungen verbunden.
  • Gegen Borderline ansich gibt es keine Medikamente, "nur" gegen die Begleiterscheinungen wie z.B. Depressionen. Bei Depressionen werden in erster Linie Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und SNRI verschrieben. Diese wirken nach ca. 2-4 Wochen täglicher Einnahme stimmungsaufhellend und antriebssteigernd. Das Problem dieser Medikamente ist, dass sie vor allem zu Beginn der Einnahme viele Nebenwirkungen haben können und auch nicht bei jedem gleich gut wirken. Oft müssen mehrere Medikamente durchprobiert werden bis eines wirklich greift. Dennoch sind Medikamente ab einer gewissen Stärke der Depression fast unausweichlich. Gegen Anorexie werden vorallem appetitfördernde Antidepressiva oder Neuroleptika eingesetzt, diese beheben jedoch das zugrunde liegende Problem nicht. Dieses kann nur eine Psychotherapie angehen. Dennoch können appetitfördernde Medikamete leben retten.
  • Bei langjährigen und schwersten Depressionen gibt es als ultima ratio immer noch die Möglichkeit einer Elektrokrampftherapie (EKT). Sie ist das mit Abstand erfolgreichste Verfahren um Depressionen zu bekämpfen, jedoch auch ein ziemlich brachiales vorgehen. Auf Borderline und Anorexie hat EKT jedoch keinen Einfluss. Von einer solchen Behandlung bist du hoffentlich weit weg.

Bezüglich Depressionen und deren Behandlungsmethoden kann ich dir die Website http://deprimed.de/ empfehlen. Dort findest du Detailsinfos zu den verschiedenen Formen der Psychotherapie, Fachinfos über jedes einzelne Antidepressivum etc.

Da ich deine Probleme gut kenne würde ich dir empfehlen dich einer Person anzuvertrauen und auf jeden fall eine Therapie anzutreten um professionelle Hilfe zu bekommen. Du musst auf jeden Fall mit jemandem darüber reden, wenn du willst kannst du auch mir privat schreiben (dies gilt für ALLE die das hier lesen und die gleichen und ähnliche Probleme haben, bin zwar kein Profi aber kenne mich damit aus). Zur Not gibt es auch z.B. die Nummer genen Kummer oder diverse andere Hotlines oder Websites bei denen man sich Hilfe holen kann. Da ich deine Geschichte und damit den Auslöser der Depressionen nicht kenne, kann ich dir leider so momentan nicht weiter helfen. Wie gesagt, bin ich für dich und alle anderen gerne da falls ihr mit jemandem reden wollt oder es euch schlecht geht.

Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Glück, dass du damit zurecht kommen wirst und die Depressionen in Griff bekommst.

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