Kann nach der gesetzlichen Frist von 3 Monaten nach einem Auszug noch ein ausstehender Kautionsbetrag eingefordert werden?

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4 Antworten

Es gibt keine gesetzliche Frist von drei Monaten.

So sieht es derzeit wohl aus:

Der Boden liegt immer noch beschädigt rum und ihr seid noch nicht in die Gänge gekommen.

Der Vermieter hat Euch schon aufgezeigt, was er verlangen würde, wenn er den Boden austauscht. Demgegenüber habt ihr immer noch Gelegenheit, den Schaden selbst zu beheben. Falls ihr jedoch schon erklärt habt, dass ihr das nicht machen werdet, sondern dass das der Vermieter selbst machen soll, könnte der Vermieter jetzt endlich mal los legen und den Schaden reparieren. Das kann er wiederum nicht, wenn ihr meint, dass ihr mit seinem Kostenvoranschlag nicht einverstanden seid und deswegen noch ein Gutachter der Versicherung den Schaden besichtigen muss.

Keinesfalls ist es rechtens, dass der Vermieter einfach den Restbetrag der Kaution einbehält. Sobald ihr es geschafft habt, für eine Schadenserstattung durch die Versicherung zu sorgen, muss abgerechnet werden. Lasst Euch also davon nicht beeindrucken.

Ihr kommt wie folgt weiter: Ihr verlangt von dem Dritten, dass er den Schaden laut Kostenschätzung des Vermieters reguliert, denn das ist das, was ihr zu tragen habt.

Der Dritte meldet das bei seiner Versicherung an und wenn diese Zweifel an der Höhe des Schadens haben, ist es deren Pflicht, die unberechtigte Forderung abzuwehren. Die Versicherung muss also einen Gutachter schicken, der sich den Zustand des Bodens anschaut und auch das Alter abklärt. Dann weiß sie auch, wieviel sie erstatten muss. Diesen Betrag wird sie Euch oder dem Vermieter erstatten und genau diesen Betrag muss Euch der Vermieter dann auch noch auszahlen, bzw. max. natürlich den Restbetrag der Kaution.

Ist der Vermieter nicht mit dem Betrag einverstanden, den die Versicherung zubilligt, wird er weiterhin den Kautionsbetrag behalten. Ihr müßtet ihn dann auf Rückzahlung der Differenz verklagen unter Berufung auf die Versicherung. Das kann dauern und am Ende könnte ein Urteil stehen, das ihn dazu verpflichtet, Euch die restliche Kaution zurück zu erstatten. Im schlechtesten Fall aber abzüglich des Differenzbetrags zwischen dem, was er fordert und dem, was ihm die Versicherung erstattet hat.

In so einem Fall müßtet ihr wiederum von dem Dritten diesen Betrag einfordern und Euch vermutlich spätestens dann mit dessen Versicherung auseinander setzen. Zahlt diese nicht, was zu erwarten ist, müßtet ihr gegen die Versicherung klagen und hoffen, dass ihr gewinnt.

Das kann also noch reichlich kompliziert werden, aber von der 3-Monatsfrist, die es nicht gibt, braucht ihr Euch nicht beeindrucken zu lassen.

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Kommentar von Gerhart
14.11.2016, 17:59

.... Zahlt diese nicht, was zu erwarten ist, müßtet ihr gegen die Versicherung klagen .....

Sehr präzise erklärt - aber eine mögliche Klage ist nicht gegen die Haftpflichtversicherung des Schadensverursacher zu richten sondern gegen den Verursacher, der die Versicherung verpflichtet für ihn als Beklagten wirksam zu werden.

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... also, hier bei uns verlangen die Gerichte auch so eine Abrechnung "schon" nach 3 Monaten ab Schlüsselrückgabe.

Für die lieben Mieter ist es aber einfach, den restlichen Betrag zu fordern. Wir Vermieter müssen einen angerichteten Schaden innerhalb der Verjährungsfrist von 6 Monaten ab Schlüsselrückgabe belegen, und dies kann der EX-Vermieter nicht, so jedenfalls die Frage.

Setze ihn also auf den Topf und viel Glück.

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Kommentar von Gerhart
15.11.2016, 12:48

"..also, hier bei uns verlangen die Gerichte auch so eine Abrechnung "schon" nach 3 Monaten ab Schlüsselrückgabe."

Da erheben sich die Fragen, welche Gerichte in welchem Land auf welcher Grundlage? Eine Kautionsabrechnung verlangt der ehemalige Mieter, wenn sein ehemaliger Vermieter das nicht von selbst macht.

Der EX-Vermieter muss hier gar nichts belegen, weil die EX-Mieter den Schaden anerkannt haben.

Es sei mir ein mitleidiges Lächeln erlaubt.

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Du als FS bist mit der Reparatur des Laminats im Verzug, unbeschadet, dass du nicht der Verursacher des Schadens warst. Dir gegenüber haftet der Verursacher. Wenn der Vermieter keinen Beleg über die Verlegung von Laminat mehr hat, hält das die Haftung nicht auf. Da muss eine andere Lösung her, z.B. der Gutachter, den der Haftende zu bezahlen hat.

Eine gesetzliche Erstattungspflicht der Kaution von 3 Monaten gibt es nicht in Deutschland. Diverse Urteile billigen dem Vermieter eine Überlegensfrist zur Rückgabe der Kaution von 6 Monaten zu. Danach könnte der Vermieter keine Ansprüche aus der Mietsache mehr geltend machen.

Aktuell, abhängig vom Ende des MV, ist der Vermieter im Recht. 

 

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Kommentar von schleudermaxe
15.11.2016, 10:10

... selten so gelacht! Wir Vermieter haben unseren Schaden gerichtsfest zu belegen und das ist in diesen Angelegenheit bisher nicht erfolgt. Also bitte!

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Selbstverständlich musst du die restliche Summe einfordern. Schick ihm einen Brief mit der Aufforderung zur Zahlung und setze ihm eine Frist von max. 10 - 14 Tagen, dir das Geld zu erstatten, sonst drohst du mit Zivilklage. Der glaubt wahrscheinlich, euch als "dumme Jungs" über den Tisch ziehen zu können.

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Kommentar von bwhoch2
14.11.2016, 13:01

Einen solchen Brief aber erst nach Ablauf von 6 Monaten. Bis dahin kann der Vermieter die volle Kaution auf jeden Fall einbehalten, zumal der Schaden immer noch nicht abschließend geregelt ist.

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