Kann mir jemand sagen ob ich die Dolchstoßlegende richtig verstanden habe?

3 Antworten

Man sollte vielleicht erwähnen dass die Dolchstoßlegende erst nach dem 1. WK verbreitetet wurde und eine These war, dass Teile der dt. Heimatbevölkerung, besonders Gruppen der sozialistischen Linken oder der Sozialdemokraten alle durch ihre revolutionäre Arbeit das "im Felde unbesiegte" dt. Frontheer "von hinten erdolcht" und so den Zusammenbruch Dtl.verschuldet hätten. Die Dolchstoßlegende entwickelte sich schon 1919 zu einer Kampfparole der politischen Rechten. Obwohl durch Untersuchungen (Dolchstoßprozess) entkräftet, wurde sie propagandistisch von den Nationalsozialisten gegen die Weimarer Republik und ihre Regierungen gebraucht. In der Forschung gilt die Dolchstoßlegende als widerlegt.

Diese Dolchstoßlegende ist eine Legende. Mehr nicht. Nach dem ersten Weltkrieg und später die Nazis haben diese Legende erfunden. Um den Eindruck zu erwecken, dass Sozialdemokraten und Sozialisten an der Niederlage Deutschlands im ersten Weltkrieg schuld seien. Realität ist aber, dass es eine militärische Niederlage war. Die so oder so kommen musste. Von dem Augenblick an. Wo die Briten eine Seeblockade gegen Deutschland verhängt hatten. Und erst recht nach dem Kriegseintritt der USA. Die Dolchstoßlegende wurde also rein dazu genutzt, gegen die Linken vorzugehen. Eine Art Alibifunktion.

Einem geschlagenen Heer ist es wichtig, nicht völlig gedemütigt nach Hause zu kommen. Deshalb schoben die Soldaten gern die Schuld auf die Heimat: Sie hätten ja weitergekämpft, aber die Front sei nicht genug mit Kampfmitteln versorgt worden.

So falsch ist diese Sichtweise gar nicht - die letzte große Offensive blieb wegen Spritmangel liegen. Das Heer mußte nun Angst haben, völlig vernichtet zu werden, wenn nicht schnell Frieden gemacht wurde. Durch den Eintritt der USA waren die Aliierten an Kampfmaterial haushoch überlegen.

Das war nicht das Erklärungsmodell der Soldaten.

Das war Ergebnis der geschickten Kampagne der OHL: Einerseits die Kapitulation dringendst zu empfehlen, deren Vollzug und deren Folgen aber (hauptsächlich SPD-)Politikern in die Schuhe zu schieben - und andererseits so zu tun, als hätte das deutsche Heer ("im Felde unbesiegt") kurz vor dem Sieg gestanden.

Geschickt, infam, perfide, genial.
(Ludendorff war ein schlaues Kerlchen. Hindenburg nicht so. Das machte aber nichts, denn er sah "kaiserlich" aus.)

Gruß, earnest

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@earnest

Nicht einverstanden.

Die typische Dolchstoßlegende besagt: Den siegreich voranstürmenen Kämpfern wäre durch bösartige Agenten im Heimatland ein heimtückischer Dolch in den Rücken gestoßen worden, indem man ihnen vorzeitig das Weiterkämpfen verbot.

Das ist natürlich falsch. Ein Weiterkämpfen wäre mangels Material aussichtslos gewesen. Werk böser Agenten und Linker war die Waffenruhe sicher nicht.

Falsch ist aber auch die hämische Behauptung, das deutsche Heer hätte versagt.

Wirkliche Situation war also, daß Geld und Rohstoffe nicht mehr zur Verfügung standen um in der drängenden Eile das Heer zu versorgen, so daß es einer immer weiter wachsenden Übermacht Stand halten konnte. Die Heimat ist den Soldaten also nicht in den Rücken gefallen sondern beide Seiten (Heimat und Front) waren am Ende des Möglichen angekommen.

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