Kann mir jemand erklären was das buddhistische karma ist?

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2 Antworten

Ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und erkläre dir gerne mein persönliches Verständnis des Karma-Begriffs.

"Karma" (Tat, Handlung) ist die Bezeichnung für das Gesetz von Ursache und Wirkung - alle unsere Gedanken, Worten und Taten haben eine Wirkung, die sich in einigen Fällen auch wieder auf uns selbst auswirkt.

Es ist also kein "Bestrafungsmodell" wie es manchmal missverstanden wird - nach dem Motto; "wer böses tut, dem passiert böses" - denn beim Karma geht es nicht um Moral.

Ein Beispiel

Wenn ich zB schlecht geschlafen habe, dann bin ich mies drauf (Karma des Geistes). Wenn mich dann einer anrempelt, reagiere ich aggressiver als sonst und beschimpfe den Typen ganz übel (Karma des Wortes).

Der Kerl ist jetzt ebenfalls mies drauf (Karma des Geistes) und macht bei der Arbeit seine Aufgaben deshalb schlecht (Karma der Tat). Dafür macht er seine Mitarbeiter verantwortlich und beschimpft sie (Karma des Wortes).

Der Chef bekommt mit, wer bei der Arbeit wirklich geschlampt hat und wird wütend (Karma des Geistes). Beide streiten sich (Karma des Wortes) und der Chef feuert ihn schließlich fristlos (Karma der Tat).

Der jetzt Arbeitslose ist total gefrustet und fährt erstmal in die nächste Bar um dort seinen düsteren Gedanken nachzuhängen (Karma des Geistes) und sich vollaufen zu lassen (Tat) wodurch er noch schlechter gelaunt wird (Geist).

Er verlässt die Bar und weil er betrunken ist, ist er unachtsam (geist) und überfährt mit überhöhter Geschwindigkeit ein Kind (Tat). Er begeht Fahrerflucht (Tat).

Zuhause angekommen erzählt er seiner Frau stockbesoffen alles (Wort) woraufhin diese völlig entsetzt ist (Geist). Sie macht ihm Vorwürfe, er sei ein Nichtsnutz, Säufer und Mörder (Wort)

Der Mann sieht rot (Geist), greift zum Küchenmesser und ersticht seine Frau (Tat), bevor er sich selbst erhängt (Tat)

Ergebnis des Tages: Drei Tote, trauernde Angehörige und Kollegen - und alles nur, weil ich den Tag mit der falschen Geisteshaltung begonnen habe.

Als Beispiel für Karma das auf uns selbst zurückfällt, gibt es zB die Umweltverschmutzung, die Ressourcenverschwendung und die Zerstörung der Natur.

Wenn wir einen Plastikbecher nutzen, oder ein T-Shirt aus Sklavenarbeit in Bangladesh tragen, wo mit giftigen Chemikalien gefärbt wird, fügen wir anderen Menschen Leiden zu und auch der Umwelt.

Wenn die Umweltverschmutzung stark genug ist, haben wir irgendwann Mikroplastik in unserer Nahrung und das giftige Färbemittel im Trinkwasser.

sind Mikroplastik im Essen oder vergiftetes Trinkwasser irgendeine "Strafe" weil wir irgendwie "böse" waren, oder ein unvermeidliches Schicksal? Nein - es ist einfach die Folge unserer Handlungen - eben "Karma".

Enzylexikon 16.08.2017, 23:06

Manche grübeln jetzt über sehr komplizierte, philosophische Dinge nach, die sehr theoretisch sind und nirgendwohin führen.

  • "Wo hat das Karma angefangen?" - 
  • "Was war die Ur-Tat?" 
  • "Bin ich Opfer meines Karma?"
  • "Welche Schuld trage ich mit mir?"

Der Buddha hat zu solchen Spekulationen stets geschwiegen und sich nicht an intellektuellen Gedankenspielchen beteiligt.

Er sagte stattdessen, es gäbe eben "unbeantwortbare Fragen" (avyakrita) und das grübeln bringe keine Antwort.

Stattdessen lehrte er, wie wir Achtsamkeit, Weisheit und Mitgefühl entwickeln, um so dass Leiden aller Wesen zu lindern.

Somit ist der Karma-Gedanke des Buddhismus nicht auf "Buße" und "Schuld" von alten "Sünden" ausgelegt - die Vergangenheit ist vorbei.

Stattdessen geht es darum, wie wir jetzt, in diesem Augenblick, ganz konkret so handeln können, dass es den Wesen nutzt statt schadet.

Dafür hat der Buddha dann die Sittlichkeitsregeln erlassen - nicht als  moralisches Gefängnis, sondern um das entstehen von negativem Karma zu unterbinden.

Ich hoffe, diese Erklärung war hilfreich.

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das Sanskrit Wort Karma heißt "das Getane", also die Summe deiner Entscheidungen, Vorlieben, Abneigungen und Verhaltensweisen. Der Buddha hat keine Lehre verkündet über abstrakte ontologische, philosophische oder religiöse Fragen. Er hat bewußt darüber geschwiegen. Er hat aber das Wiederwerden von Existenz zu Existenz als Meditationsaufgabe gestellt, um klarzumachen, dass jedes Tun eines Wesens zwingend eine Rückwirkung hat auf den Tuer. Jede Untat ebenso wie eine gute Tat. Die Hindus und Jainas glauben an eine Seelenwanderung, also eine wandernde Seele. Die Buddhalehre sagt, dass nur das Karma das Bindeglied ist zwischen den Existenzen. Eine Seelenkonstante, die wandert, ein Atman sei nicht erkennbar.

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