Kann mir jemand erklären, ob und inwieweit unser Stromnetz vor Hacker-Attacken (möglicher Stromausfall) geschützt ist?

5 Antworten

Hacking bezeichnet eine (technische) Lösung für ein Problem, die so nicht vorgesehen war – der Begriff ist sehr dehnbar und auch mit physischer Gewalt ein Kraftwerk zu zerstören, wäre theoretisch ein Hackingangriff gegen das Stromnetz.

Wenn wir aber einmal nur von den technischen Risiken ausgehen, so kann man sagen, dass wir in Deutschland derzeit relativ gut gerüstet sind. Die Stromproduktion wird immer dezentraler, einen Single Point of Failure, der zum Ausfall des Stromnetzes auf Länder- oder Bundesebene führen würde, gibt es in Deutschland derzeit nicht.

Wenn jemand versuchen würde das deutsche Stromnetz zu hacken, wäre eine Mischung aus physischem und technischem Angriff wohl am wahrscheinlichsten. Ein gutes Beispiel, wie so etwas aussehen könnte, ist Stuxnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Stuxnet

Deutschland ist aber, verhältnisweise zu dem was wir sonst in Sachen Digitalisierung so leisten, sehr gut gegen Cyberangriffe, insbesondere gegen kritische Infrastruktur wie das Stromnetz, gewappnet. Falls dich das Thema näher interessiert, kannst du dir auch den Lagebericht des BSI zur IT-Sicherheit in Deutschland durchlesen, diesen gibt es kostenlos im Netz.

https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Publikationen/Lagebericht/lagebericht_node.html

Das BSI hat auch ein breites Netzwerk geknüpft, um auf Bedrohungen schnell reagieren zu können. Privatpersonen und Unternehmen können direkt online nach Hilfe suchen und werden dann über das BSI (kostenlos) an einen Experten vermittelt, kritische Infrastruktur meldet sich über ein eigens eingerichtetes Ticketsystem oder über den IT-Notruf (0800-2741000) beim BSI und wird dann ebenfalls entweder an einen Experten oder an das Cyberabwehrzentrum (dieses prüft den Vorfall und leitet dann ggf. an einen externen Experten, das BKA oder den Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr weiter) weitergeleitet.

https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Cyber-Sicherheitsnetzwerk/cyber-sicherheitsnetzwerk_node.html

https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Cyber-Sicherheitsnetzwerk/DRK/DRK.html

LG

 - (Computer, Technik, Deutschland)

Aha, ein Fachmann spricht. Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Wolle

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Zu diesem Thema möchte ich Dir ganz unbedingt den folgenden Roman ans Herz legen:

Marc Elsberg - Blackout / Morgen ist es zu spät - ISBN 978-3442380299

Wenn Du das Buch gelesen hast, weisst Du wieso ich das empfehle ;-) Ich möchte ja nicht spoilern.

Tatsächlich ist die BRD wohl auch deswegen so "gut" vor einem Stromnetz-Hacking geschützt, weil das Stromnetz hier noch lange nicht so digitalisiert wurde, wie das lange Zeit geplant war.

Digitale Stromzähler hängen noch sehr sehr lange nicht in jedem Haushalt. Und selbst wenn: Die wenigsten davon sind überhaupt fernsteuerbar und somit eben auch nicht so einfach "abschaltbar", dass man das mittels eines Virus oder Wurms machen könnte.

Grundsätzlich müsste in der BRD ein echter Angriff auf das Stroment auf einer ganzen Reihe von Attacken bestehen: Vom Sprengen von Strommasten bis hin zu Backdoors in Kraftwerkssystemen.

Viel wahrscheinlicher ist und bleibt der Fall, dass das europäische Energieverbundnetz von ganze alleine kippen und in den Blackout fallen wird.

Am 8. Januar 2021 wäre es tatsächlich beinahe soweit gewesen: Ein Fehler in einem ungarischen Kraftwerk hätte beinahe den ersten europaweiten Stromblackout verursacht. Nur der schnellen und geschickten Reaktion der Energienetzbetreiber in der Republik Österreich ist es zu verdanken, dass es nicht soweit gekommen ist.

Denn das Energieverbundnetz ist so massiv fragil bzw. zerbrechlich, dass es ganz sicher keiner Hacker-Angriffe bedarf - sondern vielleicht nur einer Möver, welche in ein Umspannwerk geflogen ist (alles schon geschehen).

Ich möchte Dir an dieser Stelle die Webseite eines österriechischen Experten zum Thema Blackout empfehlen - nämlich die von Herbert Saurugg. Du wirst Augen machen, wie kritisch das europäische Netz überhaupt ist - und wie wenig die BRD im Vergleich zu Österreich - für den Fall eines Blck- oder Brownout tatsächlich gerüstet ist.

Unser Stromnetz ist sehr ausgeklügelt und funktioniert großflächig fast immer, weil es eben nicht nur wenige Stromkreise sind, sondern, wie der Name schon sagt, ein ganzes Netz aus Leitungen, Umspannwerken und einspeisenden kleineren und größeren Kraftwerken.

Das ist aber ebensowenig vor gezielten Hackerangriffen sicher wie jeder andere Hochtechnologie.

Wenn das alles aber so einfach zu hacken wäre, müssten die Russen nicht das ukrainische Netz zerbomben, sondern müssten es nur durch Hacken zum Absturz bringen.

Vielen Dank für die kompetente Antwort.

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"Unser Stromnetz" besteht aus unzähligen Komponenten, die alle mehr oder weniger anfällig für "Hackerangriffe" sind.

Sehr viele dieser Komponenten sind direkt oder indirekt mit dem Internet verbunden, es ist also zumindest möglich sie zu "hacken". Wie einfach oder schwer das ist, hängt natürlich von den Sicherungsmaßnahmen ab.

Das solche Angriffe möglich sind, haben zahlzeiche Beipiele bewiesen:

  • Stuxnet
  • der rusische Angriff, der unsere Windkraftanlagen außer Betrieb gesetzt hat.
  • Penetrationstest bei denen Wasserwerke manipuliert werden konnten.

Es ist grundsätzlich möglich das Stromnetz zu attakieren. Ein guter Ansatz wären zum Beispiel die Smart-Meter.

Danke für die hilfreiche Antwort.

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Eine ganz allgemeine Auskunft dazu:

so ziemlich alles Relevante ist in Deutschland redundant abgesichert.

Die Steuerung unseres Stromnetzes erfolgt aus besonders abgesicherten Gebäuden. Fällt eines aus, gibt es immer ein Backup-System in einem anderen Gebäude, dass die Funktionen in kürzester Zeit komplett übernehmen kann. Diesen Bauten sieht man die Funktion von außen nicht an und es steht auch nicht auf der Klingel außen (😉), dennoch sind diese extrem stabil gebaut.

Ein fiktives Beispiel: Das Backup-Rechenzentrum einer der deutschen Börsen ist z.B. weit entfernt in einem Gewerbegebiet im Keller eines Wohn- und Geschäftshauses untergebracht und keiner von den Bewohnern weiß das.

Ein Ausfall des Stromnetzes wird aber vermutlich weniger aufgrund Hackerangriffen erfolgen sondern mehr aufgrund Spannungsspitzen im europäischen Netz bzw. Überlastabschaltungen im 50Hz-Bereich, nach denen dann das Netz partiell nicht mehr hochgefahren werden kann. Man muss natürlich zwischen einem Brown- und Black-Stadium unterscheiden. Mal ein Link aus Österreich: Blackout in Europa: Wenn der Strom zu lange wegbleibt (costanachrichten.com)

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