Kann mir jemand diesen philosophischen Text verständlich erklären (dringend) ?

...komplette Frage anzeigen Text  - (Philosophie, arthur-schopenhauer)

5 Antworten

Es geht bei diesem Text erst mal nicht um "objektives Wissen". Es geht um Schopenhauers Vermutungen zur Grundlage der Moral auf dem Stand der damaligen Forschung und seiner Zustimmung zu Hypothesen der indischen Philosophie.

These 1) Eine individuelle Ausprägung ist wie eine individuelle Anschauung für Menschen wesenseigen. Das ist die Grundlage des Egoismus.

These 2) Danach ist Indivduation nur scheinbar, eine Täuschung der Hirnerfassung in Raum und Zeit. Wenn man Raum und Zeit entfernen könnte, die uns Verschiedenheit vortäuschen, kämen "wahre, innere Wesen" zum Vorschein, die Verschiedenheit würde sich auflösen. (Das erinnert stark an Platons Ideen und die Täuschung des Verschiedenen in der Realität. Schopenhauer war auch Platon-Fan.) Das wahre, innere Wesen ist in allen Menschen gleich, wenn sie nicht in ihrer Selbstwahrnehmung durch Raum und Zeit getäuscht sind. (Sanskrit-Hypothese) Wird man dessen gewahr, dass alle Individuen nur eins sind, dann wird das zur Grundlage von MITLEID und Altruismus. Im Grunde sind wir alle eins und dasselbe Wesen.

Schopenhauer schließt sich der Sanskrit-Hypothese an. An welcher Hypothese (1) oder (2) wir festhalten, das verursacht entweder das Böse oder das Gute.

Das ist im Grunde eine spekulativ religiöse Haltung. Meiner Meinung nach sind beide Hypothesen falsch und halten den Erkenntnissen weder der Soziologie noch der modernen Hirnforschung stand. Man kann daraus erkennen, dass Philosophie auch immer wieder sehr zeitbedingt ist, erst recht, wenn man bedenkt, dass Schopenhauer gerne jede Anti-Hegelhyptothese bevorzugt, also in diesem Fall wie mit seinem WILLEN die Anti-Geistkarte zieht. Man kann z.B. die Frage stellen, was die Sanskrit-Hypothese in Indien, wo sie starke Verbreitung hat, an gesellschaftlichen Spuren hinterlassen hat. Frieden???

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Die Antwort von Berkersheim ist sehr zielführend, und ich kann mich ihr nur anschließen. Vielleicht noch eine kleine Ergänzung:

Dass jeder eine unverwechselbare Individualität besitzt, ist heute unumstritten. Das ist sehr einfach zum einen durch die genetische Einmaligkeit (Ausnahme eineiige Zwillinge) und zum anderen durch die zwangsweise unterschiedliche Biographie aller Menschen begründet. Aber daraus Egoismus und andere "Untugenden" abzuleiten, ist mehr als fragwürdig.

Interessant ist jedoch die Vorstellung eines "tat-twam asi", also eines großen alle Menschen verbindenden Prinzips. Dazu könnte man heute bestimmte neuropsychologische  Strukturen rechnen, die alle Menschen gemeinsam haben, und mit deren Hilfe sie die emotionale Situation eines Mitmenschen in einer bestimmten Gefühlssituation selber - leicht abgeschwächt - nachfühlen können. Es sind die Spiegelneurone, über die jeder Mensch verfügt. So empfinden wir z.B. selber Schmerz, wenn wir unmittelbar Zeuge werden, wie ein anderer Mensch sich verletzt. Wir haben dabei sogar den gleichen Gesichtsausdruck und geben mitunter auch die gleichen Laute von uns, die als Ausdruck des Schmerzerlebens von allen Menschen verstanden werden. So kommt es auch, dass sich - obwohl vielleicht gerade in einer eher gedrückten Stimmung sind -  unser Gemüt aufhellt, wenn wir eine Szene beobachten, bei der jemand seine Glücksgefühle über ein Lob oder eine Auszeichnung zeigt.

Was mit unserer modernen naturalistisch orientierten Weltinterpretation allerdings nicht vereinbar ist, ist eine mystische Verbindung zwischen den Individuen wie sie von Schopenhauer gesehen wird. Das Gute ist nach meinem Dafürhalten jedoch, dass wir die von ihm beschriebenen Phänomene trotzdem keineswegs in Frage zu stellen brauchen. 

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Vorab: Um Schopenhauer zu verstehen, muß man seine Bücher der Reihe nach lesen - Alle. Wenn man das gemacht hat, liest man sie alle nochmal.

Zum markierten Textteil:

Stark vereinfacht und reduziert heißt das, daß alles Sein in seiner Ausprägung letztlich der Vorstellung des Betrachters entspringt.

Bsp.: Für dich ist ein Tisch ein Tisch, weil du diesen Begriff mit Gegenständen verbindest, die für dich alle dieselbe Funktion und Nutzung haben. Man stellt etwas drauf ab (auch auf einem OP-Tisch stellt man etwas ab - den Patienten - man könnte aber auch dran Kartenspielen).

Jemand der - hypothetisch - keinen Tisch kennt, könnte bspw. bei einem großen herkömmlichen Tisch auf vier Beinen auf die Idee kommen, daß er als Schutz gegen mechanische Einflüsse von oben wirkt, wenn man drunter kriecht.

Ein anderer könnte den Tisch auf die Platte legen/stellen und die vier nach oben zeigenden Beine für etwas vollkommen anderes nutzen, ohne auch nur jemals auf die Idee zu kommen, den Tisch als "Tisch" zu nutzen.

So verhält es sich - nach A.S. - mit allen Dingen. Durch die eigene Vorstellung von den Dingen gibt man ihnen die Bedeutung, die sie für einen haben.

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rolfmengert 23.11.2016, 22:19

Deine Ausführungen sind zwar richtig nur leider wenig hilfreich für das Verstehen des angebotenen Textes von Schopenhauer. Hierzu ist der Beitrag von Berkersheim wirklich beispielhaft gut.

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Er sagt quasi, dass Menschen grundsätzlich Egoisten sind, die nur sich selbst sehen und alles Fremde mißtrauisch ablehnen. Das ändert sich erst, wenn man Mitleid aufbringt, weil man sich dadurch in andere Wesen hineinversetzt.

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Ganz einfach, das ist wie Schroedingers Katze

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gxxce 23.11.2016, 19:24

danke deine Antwort hat mich sehr weit gebracht !.. weiter so 

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