Kann mir einer den Türken- Kurden Konflikt erklären?

4 Antworten

Die Antworten bis jetzt sind nicht sehr hilfreich. Ich erkläre es dir mal kurz und knapp.

Wo genau die Urwurzeln des Konflikts sind kann man dir wahrscheinlich nur mit einer aufwändigen wissenschaftlichen Recherche sagen. Aber fangen wir mit den 1870ern an. Damals als das Osmanische Reich immer schwächer wurde, kam es nach und nach bei den Balkanvölkern zu einem Nationalbewusstsein und damit zu dem Willen der Eigenregierung. Anfangs waren dies nur kleinere Aufstände und Unruhen die allesamt (blutig) unterdrückt wurden. Davon hörte man natürlich im gesamten Reich, wodurch auch so langsam im Osten des Reiches bei Kurden, Armeniern und Arabern ein Nationalbewusstsein anfing sich zu bilden. Nun gab es auch im Osten Unruhen und Aufstände. Auch ein paar kurdische Aufstände die auch unterdrückt wurden. Nachdem im laufe der Jahrzehnte um die Jahrhundertwende die Balkanvölker ihre Unabhängigkeit erlangten, wollten dies auch die Völker im Osten. Die Araber im Südosten bekamen die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich dank Laurence von Arabien. Zwischen Armenischen und Türkischen bzw. Muslimischen Zivilisten gab es Unruhen und Gewalt die oft mit Säuberungen und Genoziden auf beiden Seiten endeten. Die Kurden konnte man noch eher besänftigen, da man damit argumentieren konnte, dass man die selbe Religion hat, as auch ein effektives Argument war. Jedoch kam es auch bei manchen kurdischen Stämmen zu Aufständen. Ich sage bewusst Stämme, weil es damals noch überhaupt kein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den vielen kurdischen Stämmen gab. Man wusste zwar dass man Kurde ist jedoch gehörte man einem eigenen Stamm an, was viel mehr bedeutet hat als Kurde zu sein. Dies sollte sich jedoch auch im Laufe der Zeit ändern. Als dann nun auch die Aliierten eintrafen und auch Anatolien besetzt hatten, war 1920 dem letzten Sultan Mehmed dem VI. der Vertrag von Sevres aufgezwungen worden, der auch das letzte Stück vom Reich unter Griechenland, Armenien, Kurdistan, einer großen entmilitarisierten Zone in und um Istanbul bis runter zur Westküste und in von Alliierten kontrollierte Gebiete im Süden, Norden und Osten, unterteilen sollte. Dem Osmanischen Reich sollte nur im Kernland Anatoliens etwas überlassen werden. Mustafa Kemal Atatürk der damals ein Offizier war, war gegen diesen Vertrag und sah es seitens des Sultans als Verrat an, wodurch er quer durch das Land reiste und dem türkischen Befreiungskrieg startete. Er konnte sich die Unterstüzung der Kurden mit den Argumenten der gemeinsamen Religion, der ähnlichen Kultur und dem Versprechen einer Kurdischen Autonomie innerhalb türkischen Grenzen, sichern. Nachdem der Krieg mit dem Vertrag von Lausanme 1923 beendet war, wurde die Türkische Republik ausgerufen. Im Vertrag von Lausanne wurden alle Gebietsabtretungen revidiert. Des Weiteren war von einem Kurdischen Staat oder einer Autonomie keine Rede mehr. In Folge wurden sehr viele neue Gesetze geschaffen und die Gesellschaft wurde komplett umgekrempelt und "modernisiert". Dies löste ein Trauma im gesamten Staat aus. Für die damals übliche Vorgehensweise wurden andere Völker nicht akzeptiert und alle mussten Türkisch und dem Türkischen Staat treu sein. Das stieß logischerweise auf Unverständnis, wodurch wieder Unruhen in Kurdengebieten ausbrachen. Diese wurden gewaltsam unterdrückt und daraufhin fing es mit der Unterdrückung der Kurden an. Die Sprache sowie die Kultur wurde verboten. Alles was kurdisch war wurde verleugnet und es begann eine Türkisierungspolitik. Es wurde versucht die Kurden zu assimilieren. Mancherorts gelang dies auch. Mit der Zeit bildete sich Hass. Und mit viel Propaganda auf beiden Seiten wurde dieser Hass immer weiter geschürt, was die Wurzeln des heutigen Konflikts sind. In den 1980er Jahren ist der Konflikt noch eine Ebene höher gestiegen, als die Terrororganisation PKK den bewaffneten Krieg gegen die Türkei begonnen hat. In Folge dessen wurden viele Menschen sowohl kurdischer als auch türkischer Abstammung ermordert auch wenn ersteres verleugnet wird. Die PKK kämpft laut eigenen Aussagen für einen Kurdischen Staat und die Rechte der Kurden, wobei letzteres ihnen 2010 (?) Durch Recep Tayyip Erdogan wieder gegeben wurde. D.h die kurdische Sprache und Kultur war offiziell nicht mehr verboten. Jedoch sitzt der Hass noch tief, wodurch auch jüngere Generationen vergiftet werden. Viele der Türken und Kurden wissen nicht ein mal was genau alles in der Vergangenheit geschehen ist und behaupten aufgrund der Indäoktrinierung von älteren Menschen, dass sie sich gegenseotig hassen. Dabei gibt es viele Türken und Kurden die befreundet sind oder sogar heiraten (was übrigens auch schon im osmanischen Reich üblich war). Und so geht der Konflikt nun weiter. Dieser Konflikt wird erst gelöst, wenn es einen Kurdischen Staat oder Autonomie auf türkischem Boden geben wird. Dies wird jedoch niemals auf friedlichem oder politischen Wege geschehen. Und wenn es gewaltsam geschehen sollte, dann wird dies neuen Hass entfachen, wodurch der Konflikt weitergehen wird. Also im Prinzip ein Teufelskreis der nie enden wird. 

Es gibt 40 Mio Kurden weltweit. Sie wollen nun einen eigenen Staat der ihnen mal vor langer Zeit versprochen wurde. Die Fehler sind leider in der Vergangenheit passiert und deswegen haben sie nun den Salat. Sehr Schade. Ich hoffe sie finden eine friedliche Lösung.

Hey es sind nicht 40 mio sondern 60-80 liebes. Man weiß es nicht genau weil wir verteilt sind.. und danke.

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  • Die Kurdischen Siedlungsgebiete erstrecken sich hauptsächlich über 4 Staaten! (Türkei, Syrien, Irak und Iran)
  • Und die Kurden wollen (unbedingt) einen eigenen Kurdenstaat - ein "Kurdistan"!
  • Natürlich wollen das die betroffenen Staaten (Türkei, Syrien, Irak und Iran) auf jeden Fall verhindern!
  • Die Türkei/Erdogan nützt deshalb jetzt das Machtvakuum in Syrien (Bürgerkrieg - Abzug der US-Truppen aus dem nordsyrischen Kurdengebiet) und vertreibt dort die Kurdischen Milizen und kurdische Zivil-Bevölkerung (ethnische Säuberung)

Dadurch würde/wird die Türkei/Erdogan dreifach profitieren -

  1. Erdogan wird die "lästigen" - nach einem Staat strebenden Kurden, an der türkischen Südgrenze los.
  2. Er bekommt eine Großzahl der syrischen Flüchtlinge außer Landes, - Ansiedelung im "gesäuberten" ehemaligen Kurdengebiet.
  3. Dadurch entsteht so was wie ein Sicherheitspuffer an der türkischen Südgrenze zu Syrien - weil dorthin die Kurden nicht mehr zurück kehren können.

Alles Gute für Dich!

Quelle: https://www.gutefrage.net/frage/einmarsch-von-tuerkei-in-syrien

 - (Politik, Religion, Türken)

Frage von AnDidi1

Wieso gibt es kein Kurdistan?

Kurden gab es schon vor über 4000 Jahren - die Kurden sind eines der ältesten Kulturvölker der Erde

https://www.gutefrage.net/frage/wieso-gibt-es-kein-kurdistan

... Große Hoffnung auf einen eigenen Staat der Kurden keimte 1920 in Kurdistan auf. Nach dem Sieg der Alliierten im Ersten Weltkrieg hatte US-Präsident Woodrow Wilson eine 14-Punkte-Erklärung vorgelegt, die eine neue Friedensordnung versprach.

Im Mittelpunkt sollte das Selbstbestimmungsrecht der Völker stehen.

Ziel der Alliierten war es damals vor allem, das osmanische Großreich zu zerschlagen und ihren Interessen entsprechend aufzuteilen.

Ein Teil Anatoliens war bereits für ein autonomes Kurdengebiet vorgesehen.

Entsprechend groß waren die Hoffnungen der Kurden als der alliierte Hohe Rat am 11. Mai 1920 der osmanischen Delegation den in Sèvres, einem Konferenzort im westlichen Außenbezirk von Paris ausgehandelten Vertrag überreichten. Er sah in zwei Paragraphen ein kurdisches Autonomiegebiet vor mit kultureller und politischer Selbstverwaltung.

Aber die türkische Nationalbewegung unter Mustafa Kemal verhinderte seine Verwirklichung. ... von Autonomie für die Kurden oder gar von einem eigenen Staat war nun nicht mehr die Rede.

Die türkische Regierung leugnete schließlich sogar die Existenz der Kurden. Sie bezeichnete die Angehörigen dieses Jahrtausende alten Volkes nur noch als „Bergtürken“, verbot den Kurden die eigene Sprache und versuchte auf diese Weise seine Kultur auszulöschen.

Quelle: https://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Kurden-sind-eines-der-aeltesten-Kulturvoelker-Geschichte-und-Hintergruende/21103

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