Kann mir bitte jemand bei meinem Referat helfen?

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Hallo,

normativ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Wissenschaft vorschreibt, wie die Dinge in ihrem Gegenstandsbereich am besten laufen sollten. Emprisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Wissenschaft untersucht, wie die Dinge in ihrem Gegenstandsbereich faktisch laufen und dies dann in Theorien beschreibt.

Beispiel - Politikwissenschaft:

Am besten lässt sich dies am Beispiel der Politikwissenschaft erklären. Denn in der Politikwissenschaft gibt es zur Zeit in Deutschland zwei Paradigmen:

(1.) die ontologisch-normative Strömung

(2.) die empirisch-deskriptive Strömung

Die ontologisch-normative Strömung der Politikwissenschaft arbeitet mit philosophische Theorien zur Politik, die jeweils vorgeben, wie ein idealer Staat aussehen könnten und reflektiert darauf, wie man diese Ideale am besten in die politische Praxis umsetzen kann. Ein so ausgebildeter Politikwissenschaftler könnte z.B. der öffentlichen Verwaltung oder der Polizei helfen Abläufe zu optimieren oder für Regierungen Gesetzesvorlagen erarbeiten.

Die empirisch-deskriptive Strömung der Politikwissenschaft versucht hingegen die Naturwissenschaften nachzuahmen. Sie beobachtet, wie z.B. politische Entscheidungsprozesse ablaufen und versucht Theorien darüber zu bilden. Eine so ausgebildeter Politikwissenschaftler könnte z.B. Unternehmen und Lobbyverbände beraten, wie sie ihre Ziele am besten in der Politik durchsetzen können.

Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften:

Die Naturwissenschaften arbeiten ganz klar empirisch. Man stelle sich mal vor, ein Physiker würde Elementarteilchen vorschreiben wollen, wie sie sich zu verhalten haben oder eine Biologin würde dem Gehirn vorschreiben wollen, wie es funktionieren soll. Nein - die Naturwissenschaften beschreiben die Natur. Dieses Wissen kann dann in den Ingenieurswissenschaften und der Medizin praktisch genutzt werden.

In den Geistes- und Kulturwissenschaften sieht die Sache anders aus. Auch hier wird empirisch gearbeitet, wo es darum geht die menschliche Kultur zu untersuchen. Das empirisch-deskriptive Arbeiten ist ein Teil der kulturwissenschaftlichen Arbeit. In der Geschichtswissenschaft schreibt man nicht vor, wie Hitler an die Macht gekommen sein sollte, sondern man versucht so genau wie möglich zu beschreiben, was genau dazu geführt hat, dass Hitler an die Macht gekommen ist. Bei der Geschichtswissenschaft lässt sich also klar sagen, dass sie eine empirisch-deskriptive Wissenschaft ist.

Da die Kultur aber vom menschlichen Bewusstsein hervorgebracht wird, kann man auf dieser Grundlage aber auch überlegen, wie man Dinge besser machen könnte. Um so näher eine Geistes- oder Kulturwissenschaft an der Philosophie steht, um so stärker kann sie auch normativ arbeiten.

Theologie:

Ich würde nicht sagen, dass die (christliche) Offenbarungstheologie eine rein normative Wissenschaft ist. Zumindest die christliche Offenbarungstheologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft. Das Kerngeschäft der Offenbarungstheologie sind sicher die Dogmatik (Glaubenslehre) und die Moraltheologie. Das ist sind sicher normative Wissenschaften, denn sie geben vor wie der christliche Glaube sein sollte. Man könnte jetzt darüber streiten, ob dieses Aufgabenfeld der Theologie überhaupt wissenschaftlich sein kann... Einige theologischen Disziplinen arbeiten jedenfalls rein empirisch: Bibelwissenschaft (historische und literaturwissenschaftliche Methoden), Kirchen- und Theologiegeschichte (historische Methoden), Liturgiewissenschaft und einige Teildisziplinen der Praktischen Theologie.

Da ja der Bibel und der Tradition im Christentum zugesprochen wird, Zeugnis göttlicher Offenbarung zu beinhalten, normieren die empirischen Disziplinen der Theologie natürlich auch die Dogmatik...

Das ist eine sehr differenzierte Auseinandersetzung! Ich denke, auf ihrer Grundlage lässt sich klar sagen, dass der Schwerpunkt der heutigen evangelischen Theologie (wie ich sie studiert habe) im empirischen Bereich liegt, nicht im normativen.

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Entschuldigung, ich habe vergessen zu schreiben, dass ich das Thema in Bezug auf die islamische Theologie richten soll. (Ich studiere Islamische Theologie)

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@mistersimpson

Naja dann muss du jetzt halt überlegen, in wie weit ihr empirisch arbeitet oder ob ihr ausschließlich normativ die Glaubenstradition auslegt.

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Vielen Dank! Diese Erklärung hat mich gerettet!

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Theologie ist keine normale Wissenschaft. Wissenschaft geschieht durch Theorie, Experiment und Ergebnis. Da man die Existenz  Gott nicht durch Versuch und Ergebnis nachweisen kann, ist auch eine wissenschaftliche Betrachtung sinnlos. Theologie versucht einer Religion eine wissenschaftliche Basis zu geben, deren Substrat lediglich das Bedürfnis der Menschen nach  einer sinngebenden Wesenseinheit ist.  Also ich würde was anderes studieren!

Zitat: "Also ich würde was anderes studieren!"

Warum und was denn?

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Wo siehst du Experimente in der Rechtswissenschaft, in der Politikwissenschaft, in den Wirtschaftswissenschaften, in der Philologie und in der Geschichtswissenschaft?

Dein Wissenschaftsbegriff scheint doch sehr reduktionistisch.

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@Gruenkohl28

Ja da hast du recht, es gibt wohl Unterschiede zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. Aber ich würde doch was anderes studieren,  von Theologie halte ich aus  verschiedenen Gründen wenig.

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@Gruenkohl28

Ja du hast recht, es gibt einen Unterschied zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. Trotzdem würde ich was anderes studieren. Es gibt genug reale Probleme, da muss man sich nicht mit transzendenten beschäftigen.

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Der Ansatz wäre zu googlen (Wikipedia) was normativ und empirisch bedeutet. Und dann sollte ganz rasch klar sein, warum Theologie niemals empirisch sein kann.

Gruenkohl28 hat inzwischen klar gemacht, weshalb dieser Ansatz zu kurz greift: "Einige theologischen Disziplinen arbeiten jedenfalls rein empirisch: Bibelwissenschaft (historische und literaturwissenschaftliche Methoden), Kirchen- und Theologiegeschichte (historische Methoden), Liturgiewissenschaft und einige Teildisziplinen der Praktischen Theologie."

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@Fontanefan

Gut, was Historie angeht, stimmt es. Wobei ich das weniger der Theologie, als der Geschichtswissenschaft zugeordnet hätte, aber... ja Diskutierbar. Bibelwissenschaft geht aber weit übers empiridche, literatische Beschreiben des Buchs raus. Baut auf einen empirischen Kern auf, dann aber Deutung im aktuelle Kulturellen Kontext. Das ist auch sinvoll, aber nicht empirisch.

Liturgik... die Kirchengeschichtliche herangehensweise ist empirische historische Beschreibung. Ansonsten ist es angewandte Wissenschaft, nicht empirisch. Du erstellst ein Kochrezept. Es ist auch nicht empirisch wenn der Verfahrenstechniker eines Stahlwerks eine alte wissenschaftliche Veröffentlichung heranzieht um eine Methode zu verbessern. Wobei er die Auswirkung, z.B. Qualität, Ausbeute empirisch messen kann. Dass kann der Liturge sehr bedingt.

Dennoch... Anwendung von Wissenschaft im Leben ist nicht mit empirischen Methoden Wissen schaffen...

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@Fontanefan

Man kann sich ebenso"wissenschaftlich" mit Astrologie" beschäftigen z.B. historisch, astronomisch, etc. ich halte es dennoch für sinnlos.

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Ich muss ein Referat halten und das erklären können.

Ich Danke euch:)

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