Kann mein Arbeitgeber von mir "verlangen", dass ich meinen Jahresurlaub, zumindest aber 3 Wochen "am Stück" nehmen muss?

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8 Antworten

Grundsätzlich sieht das Bundesurlaubsgesetz vor, dass der Urlaub zusammenhängend zu gewähren ist (§ 7 Abs. 2 BUrlG).

Da dies aber aus betrieblichen und oft auch in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen nicht machbar ist, wird auch eine "Stückelung" des Urlaubs erlaubt.

Bei dringenden betrieblichen Belangen wie z.B. Betriebsferien, Brückentagen, wenn der Betrieb geschlossen ist, kann der AG im Voraus 3/5 des Urlaubsanspruchs eines Arbeitnehmers "verplanen". Diese Termine müssen aber einige Monate vorher bekannt sein.

Wenn Dein AG Dir bisher die kleine Stückelung erlaubt hat, muss das nicht bedeuten, dass das richtig ist. Im Gegenteil: Der AG ist dazu verpflichtet, mindestens einmal im Jahr einen Urlaub von zusammenhängend zwei Wochen zu gewähren. Im Umkehrschluss bedeutet das, der Arbeitnehmer ist auch verpflichtet, diese Urlaubsgewährung anzunehmen.

Es steht nicht alles wörtlich im Gesetz, ist aber aus dem was im Gesetz steht, ableitbar.

Zu Deinem Einwand, dass nirgends steht, dass ein Arbeitnehmer mindestens einmal im Jahr zwei Wochen nehmen muss, zitiere ich Dir mal einen Auszug aus dem Arbeitsrechtkommentar von Prof. Dr. Peter Wedde zum § 7 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz:

"Der reine Wunsch des Arbeitnehmers auf Gewährung von Urlaub in zwei oder mehr verschiedenen Zeiträumen genügt den gesetzlichen Anforderungen nicht.

Die übliche Handhabung, dass Urlaub ohne Vorliegen der Gründe aus § 7 Abs. 2 Satz 1, 2. HS in kleineren Einheiten gewährt wird, ist mit dem Gesetz nicht in Einklang zu bringen.

Wenn der gesamte Urlaub in kleinen Einheiten gewährt wird, liegt keine ordnungsgemäße Erfüllung für den mindestens zusammenhängend zu gewährenden Urlaub von zwölf Werktagen vor. Dies gilt auch dann, wenn eine solche Aufteilung des Urlaubs auf einer Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beruht. Nach älterer BAG-Rechtsprechung kann der gesetzliche Mindesturlaub in zusammenhängender Form nachgefordert werden (BAG 29.7.1965 - 5 AZR 380/64)."

Kurz und knapp bedeutet das: Wenn der AG Dir nicht einmal im Jahr mindestens zwei zusammenhängende Urlaubswochen gibt, kannst Du diese am Jahresende noch einmal verlangen (obwohl Dein Urlaub schon verbraucht ist). Da würde ich als AG auch schauen, dass der AN den Urlaub nicht stückelt.

Zudem ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet Dir den Urlaub "stückchenweise" zu geben weil es Dir besser in den Kram passt. Da müssen schon Gründe die in Deiner Person liegen eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen (das wäre z.B. Krankheit, Reha, Wiedereingliederung....).

 

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Ja das kann er.

Gesetzlich sind es "nur" 2 Wochen die der AN einmal im Jahr am Stück nehmen muss. aber wenn der Arbeitgeber verfügt, das es 3 Wochen sind dann ist es so.

Genauso wenn der Betrieb 4 Wochen Betribsferien macht und ganze 4 Wochen für den Urlaub draufgehen.

Nur den Ganzen Urlaub darf der Chef nicht für dich verplanen. 

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 09:31

Im Bundesurlaubsgesetz habe ich dazu nichts gefunden. Bitte belege deine Aussage mit einem Gesetzestext. Im Bundesurlaubsgesetz steht nur, dass dem Arbeitnehmer 2 Wochen am Stück zu gewähren sind, aber nirgendwo steht, dass er das auch MUSS, wenn er es gar nicht will.

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Wenn es den Betriebsablauf stürt, setzt das Direktionsrecht ein. Urlaub dient der Erholung, die in Kurzurlauben nicht gewährleistet ist, deshalb hat der Gestezgeber auch im BUrlG festgehalten, dass wenn der Urlaubsanspruch mehr als 12 Werktage beträgt, mindestens 12 zusammenhöngende Werktage gewährt werden müssen. (§7 / 2) https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/burlg/gesamt.pdf

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 09:38

Wie du schon sagst: "gewährt werden müssen" - aber NIRGENDWO steht, dass der Arbeitnehmer das auch in Anspruch nehmen muss. Und genau darauf kommt es mir an. Das Gesetz gibt das eben nicht her.

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Ich kann von unserem Betrieb sprechen:

Es gibt eine Betriebsvereinbarung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat, dass jeder Arbeitnehmer 1x während seines Jahresurlaubs 3 Wochen am Stück Urlaub machen muss bzw. frei haben muss. Der Urlaub kann auch durch Feiertage oder Gleitzeittage durchsetzt sein, so dass man nicht nur Urlaubstage opfern muss.

Grund dieser Vereinbarung: Der optimale Erholungseffekt setzt erst nach 10Tagen ein und das Risiko eines Burnouts wird verringert.

Von den Resturlaubstagen gehen 7-8 Tage noch mal an Betriebsurlaub drauf (Betriebsruhe an Brückentagen und zwischen Weihnachten und Neujahr)

Die restlichen 8 Tage kann man dann frei wählen. Es besteht aber noch die Möglichkeit das Zeitausgleichskonto durch Überstunden und Samstagsarbeit bis 150h zu füllen um flexibler mit den freien Tagen zu sein.

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Dein Arbeitgeber darf dir 2 Wochen Urlaub am Stück nicht verwehren. Du bist aber nicht verpflichtet, diese auch zu nehmen. Natürlich hat der Chef mitspracherecht bei der Urlaubsvergabe und wenn er dir 9 einzelne Wochen nicht genehmigt, hast du wohl Pech.

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 09:41

Er muss mir den Jahresurlaub aber als solchen gewähren. Wenn er mir bis zum Jahresende jede einzelne Woche verwehrt, macht er sich strafbar. Er kann mir nicht jeden Urlaubsantrag ablehnen. 

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Der Sinn des Urlaubes ist die Erholung, damit du wieder 100% auf der Arbeit bringen kannst.

Das ist mit mal ein paar Tagen eher nicht so, bei einer Woche schon.

Das mit dem 3 Wochen am Stück vorschreiben dürfte nicht gehen (Betriebsrat?)

Wobei in kleinen Firmen, das mit dem Betriebsablauf schon stimmt und sowas auch zur Abmahnung führen kann. Wenn du also noch länger dort arbeiten möchtest solltest du mal darüber nachdenken und evtl. 2 Wochen Sommer, 1 Woche Frühjahr und Herbst, Rest dann Feiertage. 

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 09:37

Wir haben keinen  Betriebsrat. Unser Unternehmen beschäftigt nur 22 Mitarbeiter. Ich bin nie länger als 4 Tage am Stück weg (Feiertage natürlich ausgenommen). Insofern muss mich auch nie jemand vertreten. Wäre ich 3 Wochen weg, sähe die Lage deutlich ernster aus. Ich vermute, mein Chef ist nur neidisch, weil ich jedesmal verreise (New York, Stockholm, Rom, Miami, etc.)

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er kann z.B. Betriebsferien anordnen und dabei aber max. 3 Fünftel deines Jahresurlaubs dazu vorschreiben.

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 09:29

Bei uns gibt es aber keine Betriebsferien.

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Ja.

Die Gerichte haben entschieden, daß Urlaub der Erholung dienen soll und nicht in kleinen Häppchen genommen werden darf, wenn der Arbeitgeber widerspricht.

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Kommentar von perledersuedsee
28.10.2016, 11:10

Meine Erholung klappt aber besser, wenn ich 9 mal im Jahr ein paar Tage frei nehme, statt einmal im Jahr 3 Wochen und dann den Rest des Jahres in der Tretmühle stehe. Das sollte einfach mir überlassen bleiben, wie ich mich am besten erhole.

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