Kann mein Arbeitgeber mir mein Abreitszeugnis verweigern?

... komplette Frage anzeigen

11 Antworten

Dein AG darf dir die Ausstellung deines Zeugnis nicht verweigern. Schreibe ihn per Einwurf-Einschreiben an, setze eine Frist von 2 Wochen - da du schon mehrmals nachgefragt hast und schon ein Jahr vergangen ist, dürfte das ausreichen - und drohe an, dass du bei erfolglosem Ablaufen der Frist die Angelegenheit deinem Anwalt übergibst und beim Arbeitsgericht auf Ausstellung des Zeugnisses klagen wirst.

Aber Achtung: Bei einem Zeugnis handelt es sich um eine Hol-Schuld (§ 269 BGB). Auch wenn es ihn nur 1,45 € Porto kosten würde, ist der AG nicht verpflichtet, es dir zuzuschicken. Nur im Einzelfall - wenn es für dich unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde, ist der AG auf Grund seiner Fürsorgepflicht zur Übersendung des Zeugnisses verpflichtet.

Das heißt, auch wenn du das nicht hören willst: Grundsätzlich ist es dein Problem, das Zeugnis abzuholen. Ob es für dich unzumutbar ist, das Zeugnis zu holen, kann ich aber nicht beurteilen, da du ja keine Informationen dazu gegeben hast.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Mimi878
15.09.2016, 11:52

Der Sitz der Firma ist in Hamburg und ich im Saarland.

Ich denke man kann es als unzumutbar betrachten. 

Ich habe bei meiner letzten bitte einen beschrifteten und frankierten Umschlag beigefügt. Den bekam ich auch nicht wieder.

1
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:53

Wenn der AG nachweislich in Verzug ist, wandelt sich die Holschuld in eine Bringschuld, @DarthMario72

1

Du hast ein Recht darauf. Da du es immer wieder angemahnt hast, ist keine Frist abgelaufen.

Wenn der AG sich weigert, gibt es noch den Klageweg. Ob das sinnvoll ist, entscheide selbst.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Natürlich muß er Dir ein Zeugnis ausstellen.Einschreiben mit Fristsetzung schicken und mitteilen, daß Du Dir rechtliche Schritte vorbehältst. Danach notfalls zum Anwalt.

Bedenke aber, daß die auch ein versteckt negatives Zeugnis ausstellen können. Ob das dann für einen neuen Arbeitgeber so motivierend ist, ist fraglich.

Vielleicht kannst Du ein Probearbeiten anbieten, damit man sich direkt ein Bild von Dir machen kann.

Wünsche Dir ganz viel Glück

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:37

Wenn er das Zeugnis dann hat, kann er den Text anonymisiert, aber vollständig (!) hier einstellen, dann prüfen wir, ob darin negative Aussagen enthalten sind.

Dass ein negatives Zeugnis für den weiteren beruflichen Werdegang nicht vorteilhaft ist, ist klar (und nicht fraglich), @lollorosso52.

Gleichwohl muss von jeder Beschäftigung ein Nachweis vorhanden sein - da nützt auch der Hinweis auf eine evtl. Probearbeit nichts!

0

Nein, der Arbeitgeber kann das Zeugnis nicht verweigern.

Das ist gesetzlich in § 109 Der Gewerbeordnung geregelt:


§ 109  Zeugnis  Gewo

(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

(3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.

Außerdem gilt  § 630 BGB:

§ 630 BGB - Pflicht zur Zeugniserteilung

(1) Bei der Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses kann der Verpflichtete von dem anderen Teil ein schriftliches Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern. Das Zeugnis ist auf Verlangen auf die Leistungen und die Führung im Dienst zu erstrecken. Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen. Wenn der Verpflichtete ein Arbeitnehmer ist, findet § 109 der Gewerbeordnung Anwendung.


Alle Zitate von dejure.org

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nachdem Du gemäß Deiner Schilderung schon mehrfach ein Zeugnis angefordert hast, wirst Du wohl nunmehr den Rechtsweg beschreiten müssen. Und bevor Du nun ein "wertloses " Zeugnis ehältst sollte dies nunmehr von einem Fachanwalt ! für Arbeitsrecht angefordert werden. Wenn Dir die wirtschaftlichen Mittel dafür fehlen, dann lasse Dir bitte einen Beratungsschein vom Amtsgericht geben.


Antrag auf Beratungshilfe

www.justiz.de/formulare/zwi\_bund/agI1.pdf

Du hast das Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:57

I "Du hast das Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis." (Zitat Ende)

Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber hier kommt es im konkreten Fall darauf an, ob der AN das ihm zustehende Zeugnis auch so (d.h. qualifiziert) eingefordert hat, was er im Zweifel nachweisen müsste!

0

Du hast ein Recht auf ein Arbeitszeugnis. Einschreiben mit Frist, wenn dann nichts kommt, zum Arbeitsgericht. Dort entstehen dir keine Kosten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:47

I "Dort entstehen dir keine Kosten." (Zitat Ende)

Das ist nur bedingt richtig bzw. erklärungsbedürftig. Kosten entstehen in der ersten gerichtlichen Instanz nur dann nicht, wenn man sich in dieser selbst vertritt, d.h. keinen Rechtsanwalt beauftragt. 

0

Schriftlich eine Frist setzen, mit weiteren rechtlichen Schritten drohen und wenn das nicht hilft, dann einen Anwalt einschalten.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:42

Die Erinnerung (mit 14-tägiger Fristsetzung) muss schriftlich und nachweislich erfolgen, deshalb ist die Versendungsform "Einwurf-Einschreiben" zu wählen.

Diese Frist muss genau überwacht werden, und wenn mit weiteren Schritten gedroht wird, muss man diese dann ggf. auch gehen.

0

Die sind dazu verpflichtet dir eins auszustellen. Wenn alle Stricke reißen muss ein Anwalt her... aber ich würde es lieber noch einmal per schriftlicher Aufforderung und formalem Bezug auf deren Verpflichtung der Ausstellung des Zeugnisses versuchen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:51

Es muss nicht unbedingt sofort ein Anwalt her (==> siehe meinen Kommentar zur Frage von @AnglerAut).

0

die ehemalige Firma ansprechen und eine Frist setzen, ggf. schriftlich.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von DarthMario72
15.09.2016, 11:30

"Ansprechen" hat ja offensichtlich nichts gebracht. Deshalb immer schriftlich, nicht nur "ggf."

0

Du hast ein RECHT darauf.

Frist setzen! Am allerbesten schriftlich und per Einschreiben.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Danke für die schnellen Antworten. 

Ich werde mich dann mal rechtlich beraten lassen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Nightstick
15.09.2016, 12:59

Wieso rechtlich beraten lassen? Dann hättest Du hier nicht um Rat fragen müssen ;((

Wozu schreiben wir das alles ???

1

Was möchtest Du wissen?