Kann man zum Tod verurteilten Menschen Briefe schreiben und wenn ja wo, wie?

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Hallo,

Ihre Einstellung ist sehr löblich und fortschrittlich. Mit mir und z.B. Angela Davis sind Sie da einer Meinung!

Ich stamme aus der DDR und erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir Schüler sehr oft zur Solidarität aufgerufen wurden, vor allem mit den Befreiungsbewegungen auf der ganzen Welt, aber auch mit der Revolution auf Kuba und mit den politisch Inhaftierten.

Es muss in der 1. Klasse gewesen sein, als wir alle eine Postkarte mit einer roten Rose an Angela Daviss geschrieben haben; sie sass damals in der Todeszelle in den USA. Das war die Aktion "Eine Million rote Rosen für Angela Davis!". Die Solidaritätswelle hatte sich weltweit ausgebreitet. Voriges Jahr im Nov. war ich bei der Jahrestagung der ethecon-Stiftung, als Frau Davis der Blue Planet Award verliehen wurde. In ihrer sehr langen und ausführlichen Rede dazu hat sie auch darüber gesprochen, wie es war, als sie in der Todeszelle über Monate hinweg täglich säcke- und kistenweise Post bekommen hat ... Erst in den letzten Jahren habe ich die Bedeutung, die Tragweite von Solidarität begriffen!

Ja, selbstverständlich dürfen Sie an zum Tode Verurteilte schreiben, theoretisch zumindest. Ich weiss jetzt nur aus den USA, dass das geht; es gibt aber noch etliche Länder mehr, in denen die Todesstrafe möglich ist.

Eines meiner Hobbys ist, allgemein an politische Gefangene in Deutschland zu schreiben. Anstoss dazu war aber, dass ich ursprünglich an Mumia Abu-Jamal in den USA geschrieben hatte. Er ist zum Tode verurteilt und damit Opfer des in den USA sehr weit verbreiteten Rassismus. Es gibt eine sehr gut organisierte, weltweite Bewegung gegen die Todesstrafe gegen Herrn Abu-Jamal und da war auch sehr viel Druck auf die US-Administration entstanden, der schliesslich im Nov. voriges Jahr zum Erfolg führte, die Staatsanwaltschaft hat öffentlich auf die Vollstreckung verzichtet und nunmehr kämpft die Bewegung für seine Freiheit, weil er, wie sehr viele Schwarze in den USA, völlig unschuldig und nur aus rassistischen Motiven verurteilt wurde. Nunmehr ist er ja praktisch zu lebenslänglich verurteilt.

In der junge Welt steht jede Woche eine Kolumne von ihm; Herr Abu-Jamal ist Jourrnalist.

Ich schreibe ihm ab und an eine Postkarte mit einschlägigen politischen Motiven. Er wird von einem grossen Kollektiv von Rechtsanwälten verteidigt, von denen auch jemand deutsch spricht, wodurch es enen guten Kontakt zur Freiheitsbewegung in Deutschland gibt. Deshalb bin ich mir aber auch sicher, dass ihm meine Karten jemand übersetzen / vorlesen kann.

Hier seine Adresse:

Mumia Abu-Jamal

AM8335

SCI Mahanoy 301 Morea Road Frackville, PA 17932 USA

Wie Sie einfach an Adressen von weiteren Betroffenen weiss ich auch nicht. Mir ist aber ganz sicher bekannt, dass Frau Angela Davis noch sehr stark in der Bewegung gegen die Todesstrafe engagiert ist. Deshalb empfehle ich, dass Sie sich an die ethecon-Stiftung wenden, um einen Kontakt zu Frau Davis zu bekommen, sie kann Ihnen sicherlich reichlich Adressen besorgen. Sie kann aber nicht deutsch ...

Da Sie auch nur schlecht Englisch schreiben / lesen können, wie Sie mitteilen, gibt es natürlich ein gewisses Problem ..., für das ich jetzt auch keine Lösung parat habe!

Viele Grüsse

Vielen Dank für die lange informative Antwort!

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Hallo, ich schreibe mich seit Jahren mit jemanden der zum Tode verurteilt worden ist. Als ich den ersten Brief an ihn abschickte, habe ich gedacht, du bekommst keine Antwort von ihm, mit dem Schulenglisch. Ich hatte mich geirrt. Nach nur 14 Tage hatte ich Antwort bekommen. Und daraus ist eine sehr enge Freundschaft geworden. Ich vergesse aber nie dabei, dass dieser Freund irgendwann, wenn alle rechtlichen Mittel erfolglos ausgeschöpft sind, hingerichtet wird. Aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, das ich es bis heute nicht bereut habe,den ersten Schritt gemacht zu haben und geschrieben habe. Und ganz nebenbei haben sich meine Englischkenntnisse total verbessert und ich bin mit seiner Familie eng befreundet. Die Adresse habe ich von der Internetseite: www.intiative-gegen-die-todesstrafe.de.

Englisch musst Du da schon können. Denn mir fallen da auch nur spontan die USA ein. Bei uns gibt es ja glücklicherweise keine Todesstrafe mehr - außer in Hessen. Aber da gilt Bundesrecht vor Landesrecht.

ich hatte jetzt schon ausschließlich an die usa gedacht.

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wie in Hessen???? bist du sicher ?

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@mariechen3

ja das stimmt. nur ist sie trotzdem rechtswidrig, da schon 1949 die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft wurde. Und so gilt eben Bundesrecht über das Landesrecht von Hessen.

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@User1589

"Ein vielzitiertes juristisches Kuriosum stellt in diesem Zusammenhang Art. 21 Abs. 1 HV dar, nach dem für besonders schwere Verbrechen die Todesstrafe verhängt werden kann.[2] Diese Regelung ist jedoch gegenstandslos, da das deutsche Strafgesetzbuch die Todesstrafe nicht vorsieht und aufgrund des Grundgesetzes auch nicht vorsehen darf (Art. 102 GG)."

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