Kann man Wirklichkeit zu 100% Definieren?

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11 Antworten

Wirklichkeit, Realität und Wahrheit sind miteinander verwandt, bewegen sich aber erkenntnistheoretisch gesehen auf unterschiedlichen Stufen der Objektivität.

Den Begriff Wirklichkeit macht man sich am besten vom Wortstamm "wirken" her klar. Wirklich ist das, was eine objektive Wirkung hat. So ist z.B. der Glauben an einen Gott wirklich, da er objektiv feststellbare Wirkungen in unserer Gesellschaft hat. Gott an sich ist nicht wirklich, da es im hier und jetzt keinerlei Wirkung gibt, die einem Gott zugeschrieben werden muss.

Realität ist das, was von der Wirklichkeit in unserem Bewusstsein ankommt. Realität bezieht sich zwar auf objektive Wirkungen, z.B. Messungen, ist aber letztlich die individuelle Interpretation der Wirklichkeit. Mit unterschiedlichem Wissen, kulturellem Hintergrund und Erwartungshaltungen können bei derselben Wirklichkeit als Grundlage ganz unterschiedliche Realitäten entstehen.

Wahrheit ist von den 3 Begriffen der subjektivste und stellt eine Beurteilung der Realität dar. Wahrheit ist das, von dem man denkt, dass die individuelle Realität die objektive Wirklichkeit korrekt wiedergibt. Und da findet sich dann auch der wesentliche Unterschied zwischen Glauben und Wissenschaft.

Glauben behauptet, dass die individuelle Realität in Form von religiösen Lehraussagen die Wirklichkeit wiedergibt.
Wissenschaft hat begriffen, dass die Realität immer nur eine subjektiv gefärbte Abildung der Wirklichkeit ist, ein Modell der Wirklichkeit sozusagen darstellt und dass daher Realität niemals eine Wahrheit darstellen kann. Die Beobachtung weiterer Wirkungen und deren Neuinterpretation führt in der Wissenschaft regelmäßig dazu, die Realität zu überprüfen und an neue Erkenntnisse der Wirklichkeit anzupassen. Genau daher sagen seriöse Wissenschaftler auch, es kann keine absolute Wahrheit geben, da die Beschreibung der Wirklichkeit, also die Realität, immer nur vor dem kulturellen Hintergrund des aktuellen Wissensstandes verstanden werden kann.

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Kommentar von Hamburger02
02.02.2016, 17:42

Danke fürn Stern.

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  • Die Definition von solchen Abstrakta ist sehr schwierig, aber zum Glück hat die überwältigende Mehrheit eine klare Vorstellung davon, was gemeint ist, selbst wenn eine perfekte Definition kaum möglich ist.
  • Häufig sind solche Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch völlig klar und eingängig, aber erstaunlich schwierig zu definieren. Theoretisch-philosophisch ist vieles schwieriger als praktisch-real. Insofern würde ich auf deine Frage antworten: Nein, kann man wohl nicht. Aber muss man zum Glück auch nicht. 
  • Je nach Anwendungsbereich kann man den Begriff gewiss ausreichend genau definieren oder verwenden oder Ersatzbegriffe finden, die für das betrachtete Themengebiet eine ausreichende Arbeitsgrundlage bieten.
  • Ganz oft sind es eher die Grauzonen, die Kanten und Grenzen, die die Definition schwierig werden lassen, nicht aber die unglaublich große Hauptfläche, die völlig klar ist. Wenn man auf der Hauptfläche arbeiten (also argumentieren, diskutieren, belegen) möchte, dann muss man sich nicht unbedingt über jeden exakten Grenzverlauf an den Kanten Gedanken machen -- und macht dennoch mit Sicherheit nichts falsch. 
  • Ein gutes Beispiel für ein anderes sehr schwieriges Abstraktum ist "Leben". Jedem ist klar, was gemeint ist, eine überwältigende Hauptfläche dessen, was wir alle als "Leben" bezeichnen, ist absolut unstrittig und ausreichend für 99,9% aller Diskussionen. Aber es gibt eben die Grauzonen von z.B. Viren oder die Frage, was denn nun Leben genau definiert. Wer auf so einem Thema arbeitet, dem wird es helfen, hier neue, hilfreiche Begriffe zu schaffen, die ganz klar sind. Sich an dem allgemeinen Abstraktum die Zähne aufzubeißen, wird dagegen selten zielführend sein.
  • Ich rate dir daher zweierlei: (1) Ja, klare Begriffe für klare Gedanken, ist ein guter Ansatz. Saubere Definitionen und unstrittiges Einvernehmen, wovon man redet, erleichtert alles, insbesondere miteinander anspruchsvoll und zielführend zu diskutieren. Aber (2) sollte man es sich nur so schwierig machen, wie für das Thema wirklich nötig. 
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Definieren kann man viel, nur ob sich dann alle darauf einigen können ist eine andere Frage. Man könnte z. B. definieren, dass die Wirklichkeit all das umfasst, was ist.

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Kommentar von Deniz4514
01.02.2016, 13:58

und was nicht ist

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Kommt drauf an, im allgemeinen ist mit Wirklichkeit das gemeint was der Mensch wahrnehmen kann. Sie ist also auf unsere Sinne, Erfahrungen und Wahrnehmungen reduziert. Die Realität sieht aber ganz anders aus, zum Beispiel sind Farben nur reflektiertes Licht verschiedener Wellenlängen, so Letzten Endes alles was wir sehen. Auch Temperatur an sich gibt es, wenn man es so will nicht.  Aus dem Grund sollte man das hier immer unterscheiden. Wir leben hier in unserer eigenen Wirklichkeit, die je nach Person und Perspektive unterschiedlich ist.

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Nein und zwar aus dem einfachen Grund, dass jeder eine andere Definition von Wahrheit, Realität und der Wirklichkeit hat.

Ein einfaches Beispiel: Ein Junge (A) borgt bei seinem Freund (B) 10€ und sagt, dass er sie ihm morgen zurückgeben wird. Am nächsten Tag kommt er wieder und borgt 10€. Ende des Monats meint er dann, er sei pleite und könne ihm das Geld nicht zurückzahlen.

Wie werden beide reagieren? B wird sagen, dass A ihn nur ausnimmt und ihn als Lügner darstellen. A wird sagen, dass es ein Versehen war, er es aber irgendwann wieder zurückzahlen wird.

Kurz um...jeder hat eine andere Definition der Wirklichkeit und eine andere Auffassung davon, was passiert ist.

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Kommentar von schmidtmechau
02.02.2016, 08:20

Was Du beschreibst sind unterschiedliche Wahrnehmungen und damit Wahrheiten, ja - aber nicht unterschiedliche Wirklichkeiten!

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Nö. Wir könnten auch alle nur in einer Matrix leben oder wir alle sind gar nicht da, sondern du alleine stellst dir die ganze Welt nur vor. Was genau bringt dir die Antwort auf diese Frage?

Solange man in der Illusion lebt, dass alles wirklich und real ist, ist man doch glücklicher, als zu wissen, dass nichts davon real ist, man aber dieser Simulation, Vorstellung oder diesem Traum nicht entkommen kann. 

Oder?

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wiklichkeit ist die erkenntnis der ursprünge alles seins

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Das HIER und JETZT ist die Wirklichkeit. Alles was um dich geschieht, geschieht wirklich. Als ich diesen Text hier geschrieben habe ich es Hier und Jetzt gemacht. Du ließt meinen Text jetzt wenn du ihn ließt. Und das ist die Wirklichkeit. Und der Fakt das du das jetzt ließt ist ein Beweis das es Wirklich ist. Ich bin Wirklich und du auch.

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Kommentar von Deniz4514
01.02.2016, 14:12

Das heißt die vergangenheit war nich wirklich?

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nein, die Gegenwart ist immer wirklich, und braucht deshalb keine Definition. oder hast du den on/off-Schalter?

ob du das wissen willst, ist eine andere Frage. wer der Wirklichkeit entrinnen will, kann sich ja Augen, Ohren und alle Sinnesorgane zuhalten. das ist der Wirklichkeit aber wirklich egal. sie ist einfach da.


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Können wir die Wirklichkeit denn überhaupt zu 100% erfassen/wahrnehmen?

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