Kann man unsere heutige westliche Welt mit dem Zerfall des Weströmischen Reiches vergleichen?

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7 Antworten

Mit solchen Vergleichen ist kein Erkenntnisgewinn verbunden.

Schon die Bezeichnung "Zerfall" für das Römische Reich ist bedenklich ungenau. Das Westreich ist nicht "zerfallen", sondern es wandelte sich. Germanische Völker, die schon seit Jahrunderten mit den Römern in z. T. sehr engem Kontakt waren, haben sich selbst und durchaus gewaltsam in das weströmische Reich eingegliedert. Der Wegfall des weströmischen Kaisertums war nicht das Ende des weströmischen Reiches, weil sich die germanischen Völker auf den oströmischen Kaiserhof konzentrierten und ihre politische Stellung von dort bestätigen ließen. Je schwächer die oströmischen Kaiser nach Justinian I. wurden, desto mehr trat im Westen ein neuer "Kaiser" als Ersatz hervor: der Papst in Rom, der je mehr Macht erhielt, je weiter die katholischen Franken ihre Macht ausdehnten. Die kirchliche Organisation trat bruchlos an die Stelle der Verwaltungsorganisation des weltlichen Reiches. Im Jahre 800 schuf das Papsttum ein neues westliches Kaisertum. Kurz: das weströmische Reich ist nicht "zerfallen", sondern es wandelte sich!

In einem Punkt ist die spätantik-frühmittelalterliche Entwicklung mit der gegenwärtigen "vergleichbar", auch wenn dieser Vergleich nur eine Äußerlichkeit streift, nämlich den Wandel. Wie das Westreich, so wandelt sich auch das gegenwärtige Europa. Auch dieser Wandel ist kein "Zerfall", sondern das komplette Gegenteil: Europa, genauer die EU, hat den Weg einer neuartigen "Staatsbildung" beschritten, die alle wichtigen europäischen Länder in einer starken wirtschaftlichen und militärischen Gemeinschaft verbinden wird. Dieser allmähliche Prozess kann, den Träumen einiger rückständiger Zeitgenossen zum Trotz, nicht mehr rückgängig gemacht werden, worüber auch einige Verzögerungen und Rückschläge nicht hinwegtäuschen!

MfG

Arnold

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Grundsätzlich kann man alles mit allem vergleichen - wenn man nur auf die Unterschiede aufmerksam macht. Vergleiche über Jahrtausende hnweg und ein Imperium mit einer eher losen Staatengemeinschaft - schwieriges Unterfangen. In einer Diskussion zum Aufstieg und Fall des römischen Reiches wurde vor allem der zurückgegangene Gemeinschaftssinn und die Wehrbereitschaft - ob man das als Dekadenz bezeichnen kann, ist eine Frage der Wertung. Hier die Diskussion, die Du dort auch gerne wiederbeleben darfst: http://geschichte-forum.forums.ag/t253-warum-ging-das-romische-reich-unter

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Ja, sehr wohl, denn einige Chefideologen der Westlichen Welt wie z.B. Zbigniew Brzezinski haben die westliche Welt nach dem Vorbild des Römischen Reiches aufbauen wollen.

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Ja, hat seine Aehnlichkeiten. Ich hoffe bloss, dass jetzt das Mittelalter nicht wieder einkehrt.

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Kommentar von asimov23
20.11.2015, 12:22

Fehler! Antike ist nicht Mittelalter. Die Aussage ist wirklich komisch

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Gewisse Ähnlichkeiten sind gegeben, so z.B. der Imjperialismus sowie die Dekadenz beider.

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in welchem Sinne? Spielst du damit auf die USA als Großreich an? Ich würde das wirklich nicht so einfach vergleichen oder sieht du die Barbarenhorden auf Rom stürmen? 

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Kommentar von ari1985
20.11.2015, 12:19

Also ich meine im Sinne der Dekadenz

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Man kann, denn man kann auch Elefanten mit Flöhen vergleichen. 

Daher: Man kann, aber warum sollte man?

Du müßtest schon im Detail auf gewünschte Vergleichskriterien hinweisen.

Gruß, earnest

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