Kann man sich strafbar machen wenn man etwas von einem anderem (Geld oder so) gefunden und eingesteckt hat?

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7 Antworten

Wer eine verlorene Sache findet, hat einige Pflichten:

  • Der Finder muss den Fund der Person anzeigen, die die Sache verloren hat, § 965 Abs. 1 BGB.
  • Weiß der Finder nicht, wer die Sache verloren hat, so muss er den Fund der zuständigen Behörde melden, § 965 Abs. 2 S. 1 BGB. Das ist meistens die Stadt, in der die Sache gefunden wurde; in der Regel gibt es dort ein Fundbüro.
  • Ist die Sache allerdings nicht mehr wert als 10 Euro, so braucht der Finder den Fund nicht der Behörde zu melden, § 965 Abs. 2 S. 2 BGB.
  • Der vorherige Punkt gilt aber nur, wenn der Finder nicht weiß, wer die Sache verloren hat - weiß der Finder, wer die Sache verloren hat, so gilt Punkt 1 - unabhängig  davon, wie wertvoll die Sache ist.
  • Der Finder muss die Sache verwahren, § 966 BGB.
  • Der Finder muss die Sache auf Verlangen der Behörde an diese abliefern, § 967 BGB.

Der Finder wird durch den Fund nicht Eigentümer der Sache. Das wird er nur in folgenden Fällen:

  • Wenn er den Fund bei der zuständigen Behörde gemeldet hat und seit dieser Meldung 6 Monate vergangen sind, ohne dass sich der Verlierer gemeldet hat, § 973 Abs. 1 BGB. Das gilt nicht, wenn dem Finder in dieser Zeit derjenige bekannt wird, der die Sache verloren hat. In der Praxis bedeutet das: Der Finder kann die Sache nach 6 Monaten im Fundbüro abholen, wenn sich in der Zwischenzeit niemand gemeldet hat; dann gehört die Sache ihm.
  • Wenn die Sache nicht mehr als 10 Euro wert ist, erwirbt der Finder 6 Monate nach dem Fund das Eigentum an der Sache, § 973 Abs. 1 S. 1 BGB. Das gilt aber nicht, wenn der Finder den Fund auf Nachfrage verheimlicht, § 973 Abs. 2 S. 2 BGB, oder wenn er erfährt, wer der Verlierer ist.

Der Finder hat Anspruch auf Finderlohn, § 971 BGB. Den Finderlohn kann der Finder in der Regel von demjenigen verlangen, der die Sache verloren hat. Bis der Finder den Finderlohn erhalten hat, hat er ein Zurückbehaltungsrecht an der Sache - er muss sie also nur dann an den Empfangsberechtigten herausgeben, wenn er selbst den Finderlohn bekommt. Der Finderlohn beträgt bis zu einem Wert von 500 Euro 5 Prozent vom Wert der Sache, darüber hinaus 3 Prozent.

Als Beispiel: Bei den 10 Euro, von denen du schreibst, wäre der Finderlohn 50 Cent. Findest du eine Brieftasche mit 100.000 Euro, so wäre der Finderlohn 25 Euro (5 Prozent von 500 Euro) plus 2865 Euro (3 Prozent von 95.500 Euro) gleich insgesamt 2890 Euro.

Zwischenfazit: Alles, was bisher geschrieben wurde, gilt generell für einen Fund einer Sache. Anders sieht die Sache allerdings bei einem Fund in einer Schule aus:

Nach § 978 BGB gelten für einen Fund "in den Geschäftsräumen oder den Beförderungsmitteln einer öffentlichen Behörde oder einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Verkehrsanstalt" Sonderregeln. Unter anderem gelten die oben genannten Vorschriften für einen solchen Fund nicht.

Nach § 978 Abs. 1 BGB ist es so, dass der Finder eine Sache, die er in einer öffentlichen Behörde gefunden hat, die Sache unverzüglich bei dieser Behörde abzuliefern hat.

Öffentliche Schulen sind "öffentliche Behörden" im Sinne dieser Vorschrift, sodass diese Regel auch für den Fund in Schulen gilt.

Was bedeutet das konkret für deine Frage?

Würdest du einen 10-Euro-Schein auf der Straße finden und wüsstest, wem der Schein gehört, so wärst du verpflichtet, diesem deinen Fund zu berichten. Du wärst außerdem dazu verpflichtet, ihm den Schein herauszugeben - gegen Entgegennahme des Finderlohns in Höhe von 50 Cent (auf den kannst du natürlich auch freiwillig verzichten).

Wüsstest du nicht, wem der Schein gehört, so bräuchtest du deinen Fund auch nicht beim Fundbüro anzuzeigen. Nach 6 Monaten würdest du dann Eigentümerin des Scheins werden - es sei denn, du würdest vorher Kenntnis vom Verlierer erlangen oder den Fund auf Nachfrage leugnen.

In der Praxis bedeutet das also: Wenn du einen 10-Euro-Schein findest, ohne zu wissen, wem er gehört, dann darfst du ihn behalten. Damit machst du dich selbstverständlich nicht strafbar.

Anders sähe das Ganze aus, wenn du eine Sache finden würdest, die über 10 Euro wert ist. Nehmen wir an, du findest einen goldenen Ring im Wert von 500 Euro. Dann wärst du verpflichtet, diesen Fund der Behörde zu melden (oder dem Verlierer, wenn du ihn kennst). Die Behörde wird im Regelfall den Ring von dir herausverlangen. Wurde er nach 6 Monaten noch nicht abgeholt, würde man dich benachrichtigen und du dürftest den Ring abholen - er würde dann dir gehören. Lieferst du die Sache aber nicht aus bzw. zeigst den Fund nicht an, dann machst du dich wegen Unterschlagung (§ 246 StGB) strafbar.

Etwas anderers gilt für deine Frage: Wenn du eine Sache in der Schule findest, bist du dazu verpflichtet, sie der Schule abzugeben - und zwar unabhängig davon, wieviel sie Wert ist. Auch einen 10-Euro-Schein und sogar geringerwertige Sachen müsstest du abgeben. Außerdem hast du bei einem Fund in einer öffentlichen Behörde keinen Anspruch auf Finderlohn, wenn die Sache unter 50 Euro wert ist.

Lieferst du die Sache nicht ab, machst du dich wegen Unterschlagung nach § 246 StGB strafbar.

Unterschlagung ist eine Straftat:

https://dejure.org/gesetze/StGB/246.html

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache sich oder einem Dritten
rechtswidrig zueignet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit
schwererer Strafe bedroht ist.

(2) Ist in den Fällen des Absatzes 1 die Sache dem Täter anvertraut, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

(3) Der Versuch ist strafbar.

In diesem allgemeinen Gesetz steht nichts über eine Untergrenze des Wertes der fremden beweglichen Sache.

Das Fundrecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt.

"Bei Fundsachen die einen Wert von 10,00€ nicht überschreiten ist nach §
965 Abs. 2 S. 2 BGB eine Anzeige bei der zuständigen Behörde nicht
erforderlich."

Quelle: http://gesetze-und-rechte.de/die-pflichten-und-rechte-eines-finders-fundrecht/?print=print

Von daher könnte es sein, dass man bei 10 € gerade auf der Grenze liegt, wo man den Geldschein nicht im Schulsekretariat abzugeben braucht, sondern ihn behalten darf.

Das gilt aber nur, wenn man den Emfangsberechtigten (Eigentümer) des Geldscheines nicht kennt. Wenn der Verlierer von sich aus von seinem Verlust berichtet, ohne zu wissen, dass du den Geldschein gefunden hast, oder wenn er eine Verlustanzeige aufhängt, dann musst du das Geld dem Eigentümer zurückgeben.

Hallo XxanonymXd,

ja, du machst dich dabei der Unterschlagung einer Fundsache schuldig.

Du musst Gegenstände, Geld, etc. immer bei der zuständigen Fundstelle abgeben.

Wird der Eigentümer ermittelt, dann steht dir ein Finderlohn zu.

Kann der Eigentümer der Sache aber nicht ermittelt werden, so geht die Fundsache in dein EIgentum über.

Ich habe früher als Nebenjob in einem Kaufhaus gearbeitet. Da hat jemand Schmuck gekauft und die Taschen liegen lassen.

Da die Dame/der Herr bar bezahlt hatte, konnte der Eigentümer nicht ermittelt werden.

Nach sechs Monaten durfte ich den Gold- und Silberschmuck im Wert von 2.800 DM be der Fundstelle abholen.

Du siehst, Erhlichkeit zahjt sich aus!

Und wenn du 10 € verlieren würdest, dann wärst du auch froh, wenn du sie wieder bekommen würdest. Gell!?

Liebe Grüße

ichausstuggi

Ich denke, dass jeder schon einmal einen 5er gefunden und eingesteckt hat. Was soll man auch sonst anderes machen ... aber ab - glaube 20€ - muss man den Fund melden. Tut man es nicht, ist es Unterschlagung einer Fundsache und damit strafbar ...

Also unter ~20€ kann man das Geld behalten

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@XxanonymXd

Bestätigen kann ich das nicht, aber ... wenn du ein 10 cent Stück im Automaten oder auf der Straße findest, dann lässt Du das nicht liegen. Du gehst mit 10 cent aber auch nicht zur Polizei, right?

Das ist auch eine andere Situation, als ob eine Person von Dir vom Wechselgeld 5€ liegen lässt. Da kannst Du das zuordnen und ihr hinterher rennen...

Wo kein Kläger, da kein Richter! Wenn Du mit 10€ zur Polizei kommst, dann sagen die wahrscheinlich "Schön, freut mich für Sie! Warum sind Sie hier und nicht in der Eisdiele?"

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Die Grenze liegt bei 10 €.

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Wegen Diebstahl nicht. Aber Fundunterschlagung oder wie sich das schimpft.

Hochachtungsvoll Sloth

Wenn du mal 10€ verlierst würdest du dir doch auch wünschen das du es zurück bekommst.

Karma schlägt zurück.

Auch cool wie du das mit deiner Moral klar machen willst.

Ab 20 € ist man theoretisch dazu verpflichtet es in einem Fundbüro abzugeben

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