Kann man seinen Selbstmord rechtfertigen?

11 Antworten

Der Suizid ist prinzipiell immer gerechtfertigt, die Frage ist nur, ob man als Dritter diese Rechtfertigung anerkennt oder sie, womöglich auch gut begründet, ablehnt und ob der potentielle Suizident sich mit seiner Handlung auch genügend auseinandersetzte. 

Mir ist kein Fall bekannt, in der sich jemand das Leben nahm, ohne einen Grund dafür gehabt zu haben. Auch wenn man hier auf GuteFrage sich die Fragen zum Thema Suizid durchliest, so wird eine Bandbreite von Gründen dafür genannt - allen voran Liebeskummer und Zukunftsängste. Die, die sich nun tatsächlich das Leben nehmen, haben damit einen Beweggrund genannt und den Suizid vor sich, mehr oder minder, gerechtfertigt - jetzt ist es an dem Umfeld die Rechtfertigung zu bewerten und an- oder abzulehnen. 
Eine Entscheidung die subjektiver nicht sein könnte und eine Allgemeingültigkeit aufgrund dessen per se ausschließt. Keine Rechtfertigung wird dementsprechend von jedem anerkannt werden - insbesondere nicht von denen, die den Suizid in jeder Form radikal ablehnen.

Ich kann nur für mich selbst sprechen und sagen, dass ich die Suizidentscheidung durchaus anerkenne und es auch Fälle gibt bei denen ich den Suizid auch uneingeschränkt unterstützen würde - die aktive Sterbehilfe, bei entsprechenden Fällen, ist mir ein großes Anliegen. 

Dementsprechend kann ich deine Frage nur mit einem klaren Ja beantworten, der Suizid ist stets gerechtfertigt und es gibt auch einige Beweggründe, bei denen ich einen Suizid für ein verständliches und auch unterstützenswertes Mittel halte.

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An dieser Stelle könnte man jedoch auf die Frage aufwerfen, ob ein Suizid überhaupt gerechtfertigt werden muss und ob man sich als Dritter das Recht herausnehmen darf, diese zu verlangen oder gar zu bewerten. 

Vor Jahren las ich zum ersten Mal die Novelle "Kappa" von Ryunosuke Akutagawa, von der insbesondere eine Szene mich sehr zum nachdenken anregte. Es ging hierbei um eine schwangere Kappafrau, die der Protagonist bei einem Arzt antraf. Dabei stellte er fest, dass die Schwangerschaft in der Welt der Kappa anders verläuft, als bei uns Menschen - ein Kappa kann bereits in der Gebärmutter entscheiden, ob er geboren oder abgetrieben werden möchte. 
In dieser Novelle lehnt er das Leben ab und stirbt. 
Bekanntlich haben wir Menschen diese Entscheidungsgewalt nicht und werden, so überspitzt es auch klingen mag, ungewollt geboren.

Daraus resultiert die Frage, ob man sich nun das Recht herausnehmen darf, jemanden das Recht auf eine "Ablehnung des Lebens" absprechen darf oder nicht - unabhängig davon, in welcher Beziehung man zu der jeweiligen Person steht. 
Ich würde diese Frage mit einem Nein beantworten wollen. Ich habe schlicht nicht das Recht, dies jemanden abzusprechen und auch nicht, eine Wertung abzugeben. Schließlich möchte ich mir auch das Recht erhalten, selbst zu entscheiden, was ich annehme und was ich ablehnen möchte - es wäre ein Messen mit zweierlei Maß, wenn ich es mir herausnehmen würde und gleichzeitig anderen absprechen würde wollen.
Es ist am Ende der Erhalt einer freien Entscheidungsvielfalt.
Das klingt im Endeffekt drastischer als es eigentlich ist, denn hierbei geht es schlicht um eine Grundsatzfrage und zwar wie man mit der Suizidalität eines Mitmenschen umgehen möchte.

Besinnt man sich auf diese kurze Ausführung, so bedeutet dies schließlich nicht, dass eine engagierte Suizidprävention damit nicht vereinbar wäre - ganz im Gegenteil.
Mit diesem Grundgedanken spricht man schlicht niemanden sein Recht auf einen Suizid ab oder verurteilt diese Idee beispielsweise als "Sünde", sondern hinterfragt mit dem Betroffenen seine Motivation und motiviert ihn zum ausschöpfen möglicher Optionen - schlicht um damit die Entscheidung für einen Suizid auf die Probe zu stellen, denn in den meisten Fällen, weicht diese Entscheidung einer neuen und zwar einer, die an das Leben gebunden ist. 

Im Endeffekt bedeutet dies, dass ich nicht über gerechtfertigt, ungerechtfertigt, richtig oder falsch entscheiden möchte, sondern möchte, dass der potentielle Suizident sich mit seiner Entscheidung auseinandersetzt und seine Handlung vor sich selbst uneingeschränkt rechtfertigen kann - auch nach einer ausführlichen Reflexion eben dieser Handlung. 
Das heißt mehr Impulse geben und weniger Wertungen formulieren.

Liebe Grüße.

Ein kurzes Nachwort:
Mir ist bewusst, dass ich mich mit manchen Aussagen auf dünnes Eis begebe. Kritik und Nachfragen ist entsprechend mehr als erwünscht, wenn diese nicht in Beleidigungen ausarten und Spielraum für eine fruchtbare Diskussion lassen.

Ich denke Prinzipiell ja.

Jeder hat das Recht sich selbst zu schädigen. Auch wenn das Todesfolgen hat. Im Prinzip ist übermässiger Alkohol- oder Tabakkonsum ebenfalls eine Selbstschädigung mit unkalkulierbarem Risiko. Die Folgen können tödlich sein.

Aber ich glaube für einen Suizid gibt es nur ein sehr schmales Fenster in dem  es vor der Familie und den Freunden gerechtfertigt und moralisch vertretbar ist.

Dazu zählen meiner Meinung nach NUR Personen die ein chronisches Leiden haben (ausgeschlossen Depressionen o.ä) UND bei denen eine Heilung NICHT absehbar ist. Ebenfalls einzuschliessen sind Personen die an einer tödlichen Krankheit leiden.

Wenn Menschen an so einer Erkrankung leiden, sollten sie dazu in der Lage sein ihr Leben selbstbestimmt und kontrolliert im Umfeld ihrer Familie beenden zu können (wie etwa in der Schweiz). Es macht keinen Sinn solche Menschen dazu zu treiben sich von einer Brücke stürzen zu müssen oder eine Überdosis Schmerzmittel nehmen zu lassen. Wenn bereits alles unternommen wurde um einem Menschen anderweitig zu helfen es aber nichts gibt ausser ihm einen friedlichen Tod zu schenken ist das ein Wunsch den die Gesellschaft akzeptieren und respektieren sollte.

Das trifft aber alles nicht auf Personen zu die "lediglich" an einem psychischen Problem leiden, in einer Krise stecken oder sonstige Weltliche Gründe haben sich selbst das Leben nehmen zu wollen. Für diese Menschen gibt es sowohl hilfe als auch hoffnung.

Lg, Anduri87

Ich denke, dass das eine sehr komplizierte Frage ist. Es ist gefährlich, öffentlich ein Urteil darüber abzugeben.

Auf der einen Seite gibt es definitiv Gründe, die einen Suizid rechtfertigen können, sonst gäbe es beispielsweise die Sterbehilfe nicht. Manche Menschen sind todkrank und letztendlich ist es das Recht eines Menschen, über das eigene Leben beziehungsweise den Tod zu bestimmen, so lange er zurechnungsfähig ist.

Andererseits kann man Selbstmord auch purem Egoismus zuschreiben, schließlich geht der eigene Schmerz ja nicht vorbei, sondern er wird ab Angehörige "weitergegeben". Hinterbliebene von Suizidopfern empfinden den Selbstmord zumeist als unfair, ungerecht und gemein.

Wie bereits gesagt: es ist schwer, sich eine Meinung darüber zu bilden, da jeder Fall anders ist und jeder Mensch anders denkt.

Meine persönliche Meinung ist, dass das Recht, über das eigene Leben/ den Tod selbst entscheiden zu dürfen, einen höheren Stellenwert haben sollte.

(Falls Du Probleme mit Suizidgedanken hast, dann wende Dich bitte an beispielsweise einen Hausarzt oder eine Vertrauensperson.)

wie komme ich nur aus meiner Depression wieder heraus?

Liebe Community - Mitglieder,

ich bin eine Frau von 44 Jahren und in der Mitte meines Lebens angekommen. Ich habe seit einigen Monaten eine schwere Depression und ich kann mich an gar nichts mehr erfreuen. Ich nehme ein Antidepressivum ein, welches auf Höchstdosis verordnet ist.

Das Leben empfinde ich als qualvoll und schmerzvoll. Im Mai diesen Jahres verstarb ein sehr guter Freund von mir - und wenn ich mir überlege, dass die geliebten Menschen in meinem Umfeld auch sterben und mich zurück lassen.... nicht aus zu denken!

Es ist ja nicht nur so, dass ich mit dem Tod nicht klar komme. Ich komme auch mit dem Leben nicht klar und ich hasse mein Leben.

In meiner Kindheit habe ich 11 lange Jahre sexuellen Missbrauch über mich ergehen lassen müssen und schweren seelischen Druck und Schläge mit dem Gürtel auf nacktem Körper einkassiert.

Ich war sehr oft in eine Psychotherapie. Es hat wirklich nur eine T. geholfen von allen Therapeuten, aber der Therapeut möchte mich nicht mehr therapieren. Die anderen Therapeuten haben keine Kapazität, oder sie nehmen keine Kassenpatienten.

Mein Leben ist total wertlos. Im Grunde genommen ist alles wertlos und hat keine echte Bedeutung. Früher konnte ich mich an kleinen Dinge erfreuen. Heute dagegen wird mir übel und schlecht, wenn ich mich mit irgendetwas befassen muss.

Ich gehe arbeiten und ich habe Angst, dass ich gekündigt werde, wenn meine Kraft, die mir noch zur Verfügung steht, nicht mehr ausreicht. Ich bin weit über meine Schmerzgrenze was meine Kräfte betrifft, denn im Grunde genommen habe ich überhaupt gar keine Kraft mehr.

Oft weine ich, bis ich mich vor Schmerz nicht mehr halten kann. Mich macht alles traurig. Furchtbar traurig. Und ich habe oft eine tierische Wut auf die ganze Ungerechtigkeit in dieser Welt!!! Oft kann ich mich nicht halten und fahre Leute an, die ungerecht sind! Ich hasse die Ungerechtigkeit und Grausamkeit untereinander und ich mache keinen Hehl daraus, es mit zu teilen, selbst wenn es eskaliert.

In diesem Sommer wurden deswegen zwei Strafanzeigen gestellt: Eine von mir und eine von meinem Gegner. Aber das ist mir im Grunde genommen auch völlig egal. Meinetwegen könnte ich den Spaß auch verlieren, ist auch egal.

Ich sehne mich nach dem Tod. Da ich jedoch an Gott glaube, versuche ich dennoch dankbar für Kleinigkeiten zu sein, die mir helfen: wie z.B. für meinen Partner, der ganz viel für mich da ist. Aber ich habe furchtbare Angst, ihn zu belasten!

Die Depression ist wie ein Sumpf! Er zieht einen so runter, dass wenn man stehen bleibt, sehr schnell versinkt!!! Das ist furchtbar gefährlich. Es geht bei mir so weit, dass mir alles ganz arg schwer fällt, sogar das Duschen und auf Toilette gehen. Es fällt mir schwer, mir etwas zu Essen zu zubereiten. Ich habe Hungergefühle, aber keinen Appetit. Und es strengt mich entsetzlich an, mir ein Brot zu machen.

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