Kann man mit Hilfe der Philosophie lernen, erst zu denken, bevor man was sagt?

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6 Antworten

Ja, denn wenn man sich mit Erkenntnistheorie und Logik auseinandersetzt, wird einem wohl ziemlich schnell klar, wie unhaltbar bestimmte alltägliche Argumentationsmuster eigentlich aus an wahren Erkenntnissen orientierter Perspektive sind. Ein paar Beispiele:

  • "Warum ist das so? Weil's halt so ist!" - Ursachen gehen den Wirkungen voraus, können also nicht mit diesen identisch sein.

  • "Nur schlechte Menschen behaupten das!" - Wer etwas sagt, ist komplett irrelevant dafür, ob die Aussage wahr ist oder nicht (es sei denn, der Sprecher bezieht sich auf sich selbst).

  • "Wenn du das glaubst, kommst du in die Hölle (andere Unheilsprophezeiung nach Belieben ersatzweise einsetzen)" - Auch das ist für den Wahrheitsgehalt einer Aussage schlichtweg egal.

Weitere Beispiele finden sich in Wikipedia-Artikeln zu logischen Fehlschlüssen.

Philosophie lehrt einen also erstens, solche Scheinargumente zu vermeiden und als das, was sie sind, zu identifizieren, wenn andere sie nutzen, und erinnert einen außerdem daran, dass man das, was man sagt, begründen muss, und dass die einzige akzeptable Begründung in einem sachlichen Argument besteht - nicht in Gewalt, nicht in Unterstellungen, nicht in Beleidigungen, nicht in Verzerrungen der Ansichten des Gegenübers.

Dazu muss man kein Philosoph sein. Ein guter Disussionspartner lässt zumindest Andere ausreden und hört zu. Er zieht weiterhin in Erwägung, dass der Andere vernünftige Argumente haben könnte, auch wenn sie der eigenen Überzeugung zunächst nicht entsprechen. Und schließlich gilt es noch zu bedenken, dass fast jeder Sachverhalt aus verschiedenen Richtungen betrachtet werden könnte, die alle ihre Vor- und Nachteile haben könnten. Und es braucht seine Zeit, um eine Sache aus verschiedenen Richtungen zu betrachten. Spontanes Losplappern verhindert nunmal eine ausgewogene Betrachtung.

Das alles sind so einfache und verständliche Grundregeln, dass man das Wort Philosophie noch nicht mal kennen muss.

freezyderfrosch 16.03.2012, 22:58

Ja das ist eine sehr intelligente Antwort die mir sehr gefällt. (; Nur ich meinte, wenn man das alles als Grundvorraussetzung hat, was du in deinem Beitrag schreibst, kann man dann trotzdem durch die Philosophie noch etwas hinzugewinnen? Wie siehst du das?

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PeterSchu 17.03.2012, 00:33
@freezyderfrosch

Mir ist der Begriff Philosophie zu schwammig und für das praktische Leben zu allgemein. Aber es kann nie schaden, wenn man sich ein wenig mit den Dingen beschäftigt, die über das Alltägliche hinausgehen. Insofern hab ich nix gegen Philosophie. Man sollte nur den Bezug zur Realität nicht verlieren.

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Astroprofiler 17.03.2012, 15:30

Dafür wendest Du sie aber gut an. DH.

:-)))

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Ich würde es anders formulieren.

Zuerst mal ist Philosophie ein Gedanke in deinem Kopf, der sich aus deiner Logik heraus vielleicht für dich richtig und stimmig anfühlt. Damit ist dieser Gedanke, diese Erkenntnis aber noch lange nicht verinnerlicht. Du kannst noch so viele Philosophen studieren, Erkenntnisse und Wahrheiten anderer, aber solange du sie nicht mit deinem eigenen Geist und mit dem Herzen durchdrungen hast, bleibt es schlicht oberflächliches und nachgeplappertes Wissen.

Dieses kannst du dir natürlich zur Verhaltensänderung aufzwingen und du kannst darüber diskutieren, aber es wird dadurch weder zu DEINER Wahrheit, noch macht es dich authentischer.

Erst wenn du durch Selbsterkenntnis in deine eigene Tiefe gehst, deine innere Landschaft erkundest, dir all der Zusammenhänge IN dir bewusst wirst, bekommen diese Erkenntnisse Inhalt und Tiefe. Was vorher nur Phrasen waren sind dann DEINE inneren Erfahrungen.

So angereichert, erkannt, verstanden, verinnerlicht, im Herzen gefühlt, wirst du dich selbst und dein Leben völlig anders betrachten. Viel umfassender.

Dann wirst du dir auch nicht die Frage stellen, ob du zuerst "Denken" musst, sondern du schweigst, wo du fühlst, dass Schweigen die Option ist und du sprichst aus deinem Herzen, deinen eigenen Erfahrungen, wo du fühlst, dass Sprechen die Option ist.

Indem du dich selbst erkannt hast, erkennst und verstehst du auch die anderen. Weil du weißt, wie komplex die innere Landschaft ist und dass diese schwer zu ergründen ist, weil du selbst weißt, wie sich all dies auswirken kann, hast du Mitgefühl und musst es nicht mehr "besser wissen", willst nicht mehr "recht haben".

Fazit:

Philosophie sollte nicht im Kopf stecken bleiben, sondern in den eigenen Tiefen erfahren werden.

Der Alltag IST Philosophie. Der Alltag IST Spiritualität. Denn all dies IST Leben.

freezyderfrosch 17.03.2012, 10:46

Du hast das schon sehr schön angesprochen, dass sich ein Gedanke oft richtig anfühlt, wenn ich über etwas philosophiere und auf dem Weg zu einer Erkenntnis bin. Was mir aber auffällt ist, dass ich sehr selbstkritisch und skeptisch bin wenn ich eine Erkenntnis habe, dann habe ich den Drang, auf Fehlersuche zu gehen, mich selber zu widerlegen, das nennt man in der Philosophie, oder eher in der Mathematik auch gerne Falsifikation. Und so versuche ich nach und nach zur Wahrheit zu gelangen, in dem ich mehrere Korrekturen vornehme. Was ich damit sagen will ist, dass mir diese Denkweise, mich selber kritisch zu hinterfragen, oft dazuführt, dass ich erst überlege bevor ich schreibe, aber genauer überlegen als vorher, überlegt habe ich schon immer (mehr oder weniger (;). Also ich hab nicht durch die Philosophie den Bezug zur Realität verloren, dann würde ich mich mit meinem ganzen Gewicht auf die Philosophie stürzen, aber Philosophieren ist eine kleine Zutat die mich im Leben immer begleiten wird und sobald jemand sagt "Alle Männer tragen einen Bart" möchte ich ihn korrigieren und zu anmerken "Nein, nur Einige". ^^

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Angel84 17.03.2012, 10:55
@freezyderfrosch

Gerade dies macht ja die Philosophie aus...

Die Liebe zur Weisheit... und Weisheit ist nicht Wissen, sondern Erfahrung. Dabei geht es nicht zwangsläufig um äußere Erfahrungen, sondern um innere. Diese widerum entstehen so, wie du es beschreibst: durch Hinterfragen! Ist dies wirklich so? Oder ist es nur so, weil ich glaube, dass es so ist? Was habe ich unbesehen einfach übernommen? Welche Überzeugungen und Gedankenkonstrukte trage ich unbewusst IN mir?

Für mich ist Philosophie auch Herzensbildung.

Beispiel:

Wenn ein Philosoph zu der Erkenntnis kommt, dass allem Seienden die gleiche Essenz zugrunde liegt und damit eine durchaus große Erkenntnis in Worte gefasst hat, dann aber sich gleichzeitig über andere Menschen stellt, weil er sich für weiser, gescheiter... what ever hält, dann hat er seine eigene Erkenntnis weder verstanden, noch verinnerlicht.

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freezyderfrosch 17.03.2012, 22:20
@Angel84

Die Liebe zur Weisheit... und Weisheit ist nicht Wissen, sondern Erfahrung. Dabei geht es nicht zwangsläufig um äußere Erfahrungen, sondern um innere.>

Du musst aber bedenken dass es auch die äußere Erfahrung durch unsere Sinne gibt (Empirismus) also dass wir eine Erkenntnisse durch unsere Sinne bekommen die alles in den Kopf hineinpressen. Und nicht zuletzt, rationales denken, also Erkenntnis durch unseren Verstand.

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Angel84 18.03.2012, 08:50
@freezyderfrosch

Durchaus. Die Verbindung ist wichtig, die Erkenntnis, dass innere und äußere Erfahrung nicht unabhängig voneinander sind.

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Geht auch ohne Philosophie! Dich selbst beobachten was du sagst. Vor der Äußerung 2 oder 3 Sec warten. Das bedeutet, Bewußtsein über das eigene Bewußtsein schaffen.

Du kannst "besser" (folgerichtiger) denken, aber nicht so reden. Dazu mache einen Rhetorik-Kurs.

wieso auch nicht, du musst dann einfach länger überlegen.

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