Kann man lernen seine Emotionen auszuleben?

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7 Antworten

Hallo,

schön, dass du nun den heilsamen Wert von Emotionen erkennen darfst. Nach meiner Erfahrung sind sie auch die einzige wirklich hilfreiche Medizin.

Man spricht ja oft von Loslassen, doch das ist ein wirklich schwerer Prozess. Wenn du einen Stein loslässt fällt er runter, das kann man nachvollziehen, doch wie lässt man eine Emotion los?

Ein guter Weg wäre, dass du dir vorstellst, in einen Tunnel zu gehen. Es ist Dämmerlicht und es gibt viele Felsvorsprünge. Halte inne und gehe langsam durch den Tunnel. Hinter fast jedem Vorsprung kommt dir eine Emotion entgegen, sei es Angst, Wut, Trauer, unterdrückte Freude usw. Du musst nichts benennen, es geht nur um die gestaute Energie der jeweiligen Emotion.

Gestatte der Emotion so zu sein, wie sie nun mal als Energie daher kommt, denn deren Quelle ist das Leben selbst. Nun ist wichtig, dem Leben zu vertrauen und jeden Widerstand aufzugeben, damit sich die Emotion vollständig ausleben kann. Dazu brauchst du demütige Sätze wie "Ich gebe mich ganz hin", "ich lasse geschehen", "ich kapituliere" usw.

Dein Verstand mag das überhaupt nicht, doch wenn du diesem inneren Schweinehund widerstehst und diese Begegnung mit deinen Emotionen länger zulässt, wird dein Schmerzkörper entlastet und der Druck lässt nach. Wenn du in diesem Tunnel achtsam weiter gehst, kommt schließlich das Licht am Ende des Tunnels, und das ist ein tiefer Frieden.

Diese Übung dauert vielleicht 10 - 20 Minuten und du kannst sie immer wieder mal wiederholen bis dein gestauter Schmerz abgeflossen ist. Das wirst du dann auch merken.

Alles Gute...

Emotionen sind mehr als weinen.

Hinter Trauer steckt oft eingekapselte Wut.
Also wäre mein Rat, sich einen Boxsack zu kaufen und den zu beschimpfen und zu dreschen.
Gleichzeitig darfst du dir Erlaubnis geben, bei Forderungen aus der Familie dir Zeit für eine Antwort zu nehmen und auch ein "Nein" zu sagen.
Also dich abzugrenzen, wenn die Forderungen über deine Grenzen gehen.

Deweiteren gibt es Atemübungen, mit denen du zu deiner Traurigkeit hinatmen kannst und sie rausatmen kannst.
Also bewußtest Ausatmen entsorgt Seelenmüll.
https://koerpertherapie-ausbildung-berlin.de/warum-atmung-fuer-die-koerperarbeit-wichtig-ist/

Chinamas Ansatz hat schon gaanz die richtige Richtung. :)

Ich glaube aber, dass man's für verkopfte Menschen (und du scheinst mir schon einer zu sein) etwas pragmatischer formulieren muss:

- Versuche, deine Emotionen in Formen und Bilder zu gliedern und (wenn möglich) zu benennen. Bevor du dir die Aufgabe stellst, bei Trauer loszuweinen, versuche, deine Trauer anders auszudrücken.
Was ich damit meine, ist, dass Emotionen als solche für dich erst einmal einen Status erreichen müssen, in dem sie eine Existenzberechtigung haben. Das heißt, für den Anfang wäre (zusätzlich zu Chinamas Übung, die ist wirklich gut!!) es vernünftig, wenn du dich hinsetzt und tatsächlich die Worte "Ich bin traurig." aussprichst. Ob du das mit jemandem gemeinsam oder alleine machen möchtest, ist dir natürlich überlassen. Bewusstmachung ist immer der erste Schritt - wenn du etwas Schönes siehst, wirst du das innerlich wahrnehmen - dann gehe einen Schritt weiter und sprich es aus. "Dieses Buch gefällt mir." um ein banales Beispiel zu nennen.

Fällt es dir in Worten schwer, versuche es anders. Tanz, Bilder, Musik - oder auch einfach Papier zerreißen. Gib dem Gefühl in dir eine äußere Form - so baust du eine Brücke zwischen deinen Emotionen und der Außenwelt.

- Der nächste Schritt ist die Begründung. Versuche, zu erahnen, warum du den jeweiligen Gefühlszustand hast. Warum bist du traurig? Warum gefällt dir dieses oder jenes Buch? Warum macht diese Situation dich wütend?
Hier gilt ebenso - sprich es aus. Wenn du deiner Emotion erlaubst, zu sein (und das tust du, indem du sie nicht in dein Schweigen verbannst), kannst du stückweise den Punkt erreichen, an dem dein Kopf realisiert, dass das Vorhandensein von Emotionen außerhalb deines Kopfes nicht zu etwas Negativem führt. Das Abschotten von den eigenen Emotionen hat üblicherweise eine von zwei Ursachen:

1. Konditionierung - wir haben an irgend einem Punkt in unserem Leben (oder mehreren) die Erfahrung gemacht, dass das Zeigen und Ausdrücken von Emotionen eine negative Konsequenz hat. Ganz wie bei einem Hund, der ausgeschimpft wird, haben wir also angefangen, die "unliebsame Art" abzulegen, um nicht anzuecken. Das Paradebeispiel dafür sind Menschen, die als Erwachsene keine Emotionen zeigen können, weil sie als Kinder ständig "Hör auf zu weinen, das macht man nicht." zu hören bekamen.

2. Selbstschutz - Traumata, die von Dingen wie Mobbing oder Missbrauch stammen, führen häufig dazu, dass man sich von diesen Erfahrungen (und dem damit zusammenhängenden Schmerz) abschottet und abspaltet - sodass recht häufig ein sehr großer Teil des emotionalen Ausdrucks mit verloren geht. Wenn man also über manches nicht weinen kann - oder sehr viel passieren muss, damit es herausbricht, zeugt das davon, dass das Unterbewusstsein einen vor den eigenen Erfahrungen schützen möchte.

Der Grund, warum ich das jetzt erwähne, ist Folgender: Wir können nicht bestimmen, was unser Unterbewusstsein tut, aber wir können es durchaus beeinflussen. Wenn wir klar und bewusst (und das geht eben nur über den Kopf) "beschließen", zu fühlen, kann das durchaus dazu führen, dass das Unterbewusstsein diese "Abschottung" einschränkt (oder, im Falle der Konditionierung, die Erwartungshaltung auf "Schlechtes" ablegt).

- Mimik und Gestik: Gut, zum momentanen Zeitpunkt kannst du nicht weinen, denn Tränen müssen erst einmal fließen können.
Was du aber sehr wohl tun kannst, ist schluchzen, japsen, dich unter der Decke verstecken, in jemandes Armen verkriechen, etc.
Du kannst also "so tun, als ob" du weinst -> das wird zwar nicht von Vornherein die erwartete Erleichterung bringen, kann dich aber ein Stück weit der Situation des Weinens an sich annähern. Gerade beim Weinen haben die meisten Menschen Hemmungen - weil es ein sehr offensichtliches Zeichen des "Schwachwerdens" ist und in der Gesellschaft doch häufig verpönt. Wenn du dich also der Situation als solcher aussetzt, könnte sich deine Blockade früher oder später lösen und die Tränen kommen. Das selbe gilt übrigens für's Lächeln - du hast zwar keine Kontrolle über deine Gefühle oder dein Unterbewusstsein, aber über eine Sache hast du sie: Deine Muskeln.
Das bedeutet, du kannst Lachen bspw. tatsächlich "erlernen" -> fang' damit an, dich vorerst (nur ein wenig, nicht zu viel) dazu zu bringen, dass du dein Zwerchfell kontraktieren lässt (Lachen^^), wenn dich etwas amüsiert.
Dass du die Fäuste ballst, wenn du merkst, dass du innerlich wütend bist.
Dass du den Kopf hängen lässt, wenn du Trauer in dir erahnen kannst.

Unser Körper ist unser Ausdrucksmittel - du kannst ihn steuern. Erlaubst du es deinem Körper erst, dass er dein Inneres ausdrückt, so kann das früher oder später zum Selbstläufer werden.

Soo, das sind jetzt meine zehn Cent Praxis dazu - so hab' ich's gemacht in der Zeit, als ich nicht weinen konnte. Heute muss ich manchmal aufpassen, dass ich nicht bei jedem zweiten Film flenne.^^

Was übrigens auch noch seeeeeeeeeeeeehr zu empfehlen wäre, ist eine Hypnotherapie. Dort umgeht man nämlich die Blockaden des Kopfes! Sprich mal deine Therapeutin darauf an, sie kann dir bestimmt etwas darüber erzählen und vermutlich sogar einen Hypnotherapeuten empfehlen.

Alles Gute!

Hallo Schattentochter,

stereo zu arbeiten macht Spaß...

Sei du der linke Lautsprecher (Yin) während ich den rechten (Yang) erklingen lasse..

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@Chinama

Hach ja, Kopf und Bauch, hell und dunkel, Regen und Sonne, ... :) Was wäre schon die Einheit ohne ihre Hälften?

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Ich selbst (M/15) leide unter Depression und meine Methode damit umzugehen wat schon in der Grundschule die gleiche wie heute. Ich habe mich in eine eigene Welt zurück gezogen, teils mit Hörspielen, teils mit videospielen. 

Ich habe versucht das Denken einfach ab zu stellen. Leider hat dies nicht funktioniert. Nach außenhin hatte und habe ich eine föllig andere Mine, ich bin jemand anderes. Still, zurückhaltend. Ich war darin so gut, dass selbst manche Therapeuten meinten, dass sich die anderen Therapeuten irrten. 

Heute lebe ich in einem Internat, und bin die Größte Zeit alleine im Zimmer und liege im Bett. Meine Methode damit umzugehen ist eideutig die Falsche.

Vor ein paar monaten fand ich jm mit ähnlichen Problemen, wir haben ewigkeiten Telefoniert, ihre Probleme verflogen mit der Zeit, sie sprach sich bei mir aus, ich bei ihr. Ihr hat es masiv geholfen, mir aber eher nicht. 

Vllt hast du einen Freund/ eine Frundin der/dem du vertraust und dich aussprechen kannst. Manchen hilft das.

Aber egal was du tust, verletze dich bitte nicht selbst. 

Als kleiner Tipp fällt mir hier die "Schreibtherapie" ein, was für viele hilfreich ist. Also schreib täglich über deine Gefühle und wann und wie und in welchem Situationen du sie fühlst. Obwohl man kein reales Gegenüber hat, der einen zuhört (Therapeut), wirkt dieses Schreiben ähnlich wie wenn wirklich jemand zuhört. Also mit Stift und Papier alles aufschreiben oder in den Computer reintippen.

Alles Gute!

Hallo,

du hast ja schon ganz gute Antworten bekommen wie ich sehe.

Ich hätte da eine weitere, wobei ich nicht weiß, ob das etwas für dich ist. Du wüsstest es natürlich auch erst dann, wenn du es probiert hast.

Indianische Gesänge von einer CD ablaufen lassen, z. B Sacred Spirit und dabei die ganze ungeliebte Scheixe im Kopf aufsteigen lassen, dann mit der flachen Hand auf eine Matratze hauen, immer und immer wieder! Dazu wenn möglich es rauslassen, schreie es raus!

Das einzige Problem dabei, wenn es die Nachbarn mitbekommen, glauben die, du bist bekloppt. Aber es wirkt wie ein Wunder!

Ich kenne das auch.
Aber das du schonmal weinen kannst ist doch eigentlich ein gutes Zeichen :) Vielleicht schaffst du das öfter und irgendwann kannst du es dann regelmäßig. Also trainierst du dir das quasi mit der Zeit an, das geht nicht von heute auf morgen, aber ich bin mir sicher irgendwann schaffst du das :)

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