Kann man Klärschlamm eigentlich kaufen wenn man einen Acker besitzt, jedoch kein Vieh?

8 Antworten

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Man kann ihn zwar kaufen, i. d. R. bekommt man aber Geld dafür wenn man ihn aufnimmt. Er enthält sehr viel Phosphat, etwas organischen Stickstoff und recht wenig Kalium. Als Humuszufuhr nur eingeschränkt verwerbar, da viel Dauerhumus und wenig Nährhumus - ist ja schon mal abgebaut :). Problematisch können grundsätzlich Schwermetalle und organische Schadstoffe sein, vor allem aber die auf welche derzeit nicht untersucht werden (z.B. Hormonpräparate wie die "Pille"). Bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften - das ist hauptsächlich nicht zu viel (5 t Trockensubstanz pro Hektar in 3 Jahren) dürfte es aber problemlos sein - ich kenne jedenfalls keinen Schadensfall. Es gäbe aber grundsätzlich einen Entschädigungsfond - für den Fall der Fälle. Geeigneter für gleichmässige und langfristige organische Düngung dürfte aber Komost von z.B. Kompostieranlagen sein oder aber aber ganz banal: Zwischenfrucht mit Leguminosenanteil

Danke für deine tolle Antwort. Brauch ich da irgendwelche Genehmigungen und scheine oder sowas, oder kann ich da einfach mit nem gefährt und einem genügend großen Anhänger ankommen, wenn ich das tun wollte?

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@Shizomania1

Brauch ich da irgendwelche Genehmigungen und scheine oder sowas,

Auch wenn Du es offenbar nicht lesen willst, hier nochmal:

http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/downloads/doc/1861.php

(5) Klärschlamm darf zum Aufbringen auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Böden nur abgegeben oder dort aufgebracht werden, wenn in Abständen von längstens sechs Monaten Proben des Klärschlammes durch eine von der zuständigen Behörde bestimmte Stelle auf die Gehalte an Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Zink, auf die Summe der organischen Halogenverbindungen als adsorbierte organisch- gebundene Halogene (AOX), Gesamt- und Ammoniumstickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium sowie den Trockenrückstand, die organische Substanz, die basisch wirksamen Stoffe und den ph-Wert untersucht werden. Die zuständige Behörde kann die Untersuchung auf weitere Inhaltsstoffe ausdehnen. Sie kann den Abstand der Untersuchungen des Klärschlammes bis auf zwei Monate verkürzen. Dabei kann sie die Untersuchungen auf einzelne Schwermetalle beschränken. (6) Klärschlamm darf zum Aufbringen auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Böden nur abgegeben oder dort aufgebracht werden, wenn vor dem erstmaligen Aufbringen und danach in Abständen von längstens zwei Jahren Proben des Klärschlammes auf die Gehalte an den organisch-persistenten Schadstoffen -polychlorierte Biphenyle und polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane untersucht werden. Absatz 5 Satz 3 gilt entsprechend. Die Untersuchung ist von einer der von der zuständigen Behörde bestimmten Stellen durchführen zu lassen. (...)

Und so weiter und so fort, dies ist nur ein kleiner Auszug aus den Vorschriften.

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@pecudis

PS: Zuwiderhandlungen sind eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld), je nach Art auch eine Straftat. Auch wenn Dich das "nicht interessiert".

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Es gibt da eine ganze Reihe von Voschriften, wie das pecudis schon beschrieben hat. In der Praxis läuft es aber so, dass du zu einem Klärschlammabgeber gehst zB. deiner kommunaler Kläranlage und deine Fläche anbietest. Wenn er sie brauchen kann kümmert er sich um alles. Du brauchst eine Standardbodenuntersuchung sowie eine auf einige Schwermetalle. Es darf auf der Fläche bei der Beschlammung kein Gemüse oder Grünland stehen und normalerweise muss der Klärschlamm eingeackert werden. Das erklärt Dir aber alles der Klärschlammabgeber.

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Hallo Shizomania1, einfach auf Reterra.de Fachbereich Agragent über KlärDünger informieren und Kontaktformular ausfüllen. Der zuständige Kollege (Dipl.Agraringenieur) - evtl. bin ich das dann- meldet sich und es gibt eine Düngeberatung und Info´s über den Ablauf (Bodenproben, Fruchtfolgeplanung, Bedarfsberechnung usw.) der Düngung mit KlärDünger.

Sind die Schweinebauern nicht saufroh, wenn du ihnen die Gülle entsorgst?

Wieso sollten sie? Verschenkst DU Geld?

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@pecudis

Nein...aber ich zaqhl auch für die Entsorgung meines Mülls. Obwohl da noch wertstoffe drin sind.

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@Rheinflip

Gülle ist kein Müll, Gülle ist hochwertiger Dünger. Über 50% aller Flächen in D werden mit Gülle gedüngt. Oder anders ausgedrückt: hätte man keine Gülle, müßte man knapp doppelt so viel Mineraldünger abbauen und kaufen, der erstens endlich ist, und zweitens teurer, und drittens nicht zu den natürlichen Stoffkreisläufen gehört.

Ein 80-ha-Betrieb mit einer Getreide-Raps-Fruchtfolge und mittleren Intensitäten muss aktuell rund 22 700 € für Mineraldünger ausgeben,(...)Eine durchschnittliche Mastschweinegülle mit 5 % Trockensubstanz hat bei voller Ansetzung aller Nährstoffe mittlerweile einen Wert von 11,28 €/m3,

(www.naehrstoffboerse.de/data/GuellegefragterDuenger.pdf)

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@pecudis

Danke! Gilt diese Absatzregel auch für Landkreise wie Cloppenburg? Dort stehen so viele Ställe...

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@Rheinflip

Die gilt überall, denn die beruht ja auf dem Düngewert und nicht auf dem Marktpreis, d.h. das ist sozusagen eine Opportunitätskostenrechnung sowohl für den Verkäufer wie für den Käufer. Wie weit "Frischgülle" zu diesem Preis transportiert werden kann, ergibt sich jeweils aus dem TS-Gehalt und dem Spritpreis. Ansonsten gibt's die Möglichkeit der Gülletrocknung (erhöht die Transportwürdigkeit natürlich enorm) oder die Verwertung im Biogas und außerdem jede Menge Dokumentationspflichten, Flächennachweis etc etc etc und genau so, wie es "Veredelungsregionen" gibt wie um Cloppenburg herum gibt's ja auch reine Ackerbaugebiete als "Aufkäufer" (mit jeweils auch wieder Flächennachweis).

Es gibt Zeiten, da verdient man an einem ganzen, fertigen Mastschwein grade mal 5 - 10 Euro ... gemein gerechnet ist dann die Scheiße mehr Wert als das Schwein.

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