kann man karl den großen als sachsenschlächter bezeichnen, wenn ja warum?

... komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Erst mal generell:  "man" sollte sich immer klarmachen, dass die Geschichtsschreiber damals noch viel ungenierter gelogen haben als die "Lügenpresse" es heute tut.

Darum sollte man sich solche Propaganda-Aussagen ganz grundsätzlich niemals "zu eigen" machen - man sollte immer nur sagen "XY hat geschrieben, dass KdG viele Sachsen habe töten lassen und hat ihn sogar als "Sachsenschlächter" bezeichnet, und XY1, XY2, XY3 haben das abgeschrieben und übernommen" (oder so ähnlich, was eben zutrifft).

Ohne wirklich sehr belastbare Beweise (also Archäologie, NICHT nur Geschichtsschreibung) sollte man das keinesfalls einfach glauben und für wahr halten. Wahr ist nur, dass jemand das geschrieben hat - ob es wirklich passiert ist, ist zumindest strittig und unbewiesen, auch in diesem Fall.

Ok, nun zum Inhalt der konkreten Frage:  lies z.B. http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/446627/so-fuhrte-karl-der-grosse-das-christentum-ein

Dort wird behauptet, dass in diesem Fall XY der preussische Journalist und Schriftsteller Hermann Löns war - er soll sich dieses Wort "Sachsenschlächter" ausgedacht und erstmals benutzt haben, und zwar in dem kurzen Text "Die rote Beeke" (der ist hier online: http://gutenberg.spiegel.de/buch/samtliche-werke-1632/59)

Nun wirds aber verwunderlich:  das Wort "Sachsenschlächter" kommt in diesem Löns-Text nämlich gar nicht vor!   Es kommen nur die Ausdrücke "Menschenschlächter" und "aisken Schlächter" - und auch "König Karl" der "Gericht hält über tausend Mann und abermals tausend Mann, und noch einmal so viel und über die Hälfte von tausend." (also 4500) - aber Karl wird gar nicht als Schlächter bezeichnet, und das Wort Sachse kommt auch nicht vor ...

So weit so ungut. Zur weiteren Vertiefung ist nun der Widukind-Mythos zu untersuchen und seine Rezeption in der NS-Zeit - lies dazu den Abschnitt "Wirkungsgeschichte Widukinds" in dem Online-Text http://www.webergarn.de/rufer/wp-content/uploads/2008/01/die_rote_beeke_loens.pdf

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Karl reagierte auf die Aufstände der Sachsen se hr brutal. das wurde schon in seiner Zeit massiv kritisiert und führte schließlich zu der von dir verwendeten Bezeichnung

Ich finde, dass ein Begriff wie "Schlächter" sehr wertend ist und deswegen eine seriöse Diskussion verhindert. Andere sehen das anders. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja, natürlich "kann" das jeder, der das will. Man "kann" ja auch den türkischen Präsidenten als Ziegenf***** bezeichnen.

Die Frage, die sich wirklich stellt, ist die, ob man Karl als "Sachsenschlächter" bezeichnen darf  -  oder sollte? Was hält der Fragesteller von dieser Fragestellung?  :-))

MfG

Arnold



Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MasLuk
23.06.2016, 19:30

ja stimmt gute frage, wie würden sie diese beantworten?

0

Was möchtest Du wissen?