Kann man Jemanden wegen versuchter Vergewaltiung anzeigen?

... komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Hallo Eisteeepfirsich,

nicht nur die vollendete Vergewaltigung, sondern bereits der Versuch einer Vergewaltigung ist strafbar.

Die Rechtsgrundlage ist der § 177 StGB [http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__177.html]

Zudem könnten bereits andere Straftatbestände durch den Versuch erfüllt worden sein. Beispielsweise:

  • § 223 StGB = Körperverletzung
  • § 224 StGB = gefährliche Körperverletzung
  • § 239 StGB = Freiheitsberaubung
  • § 240 StGB = Nötigung

Dementsprechend könntest Du die Tat anzeigen.

Du musst Dir nur über eines im klaren sein. Hast Du die Polizei erst einmal mit der Anzeige über die Tat in Kenntnis gesetzt, gibt es kein zurück mehr.

Sobald die Polizei erst einmal Kenntnis von der Tathandlung hat, muss sie auch gegen den Beschuldigten ermitteln und nach Abschluss der Ermittlungen, das Ermittlungsergebnis an die Staatsanwaltschaft übersenden.

Kommt es später diesbezüglich zu einer Gerichtsverhandlung gilt folgendes:


§ 48 StPO - Zeugenladung

(1) Zeugen sind verpflichtet, zu dem zu ihrer Vernehmung bestimmten Termin vor dem Richter zu erscheinen. Sie haben die Pflicht auszusagen, wenn keine im Gesetz zugelassene Ausnahme vorliegt. 

(2) Die Ladung der Zeugen geschieht unter Hinweis auf verfahrensrechtliche Bestimmungen, die dem Interesse des Zeugen dienen, auf vorhandene Möglichkeiten der Zeugenbetreuung und auf die gesetzlichen Folgen des Ausbleibens.


Das bedeutet, Du hast später keine Möglichkeit mehr auf den Prozess Einfluss zu nehmen. Du musst als Geschädigte und zugleich Zeugin später vor Gericht erscheinen und musst auch alle Fragen, die zum Teil schon sehr unangenehm sein können, beantworten.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich Dir ausreden will, den Täter anzuzeigen, denn solche Täter müssen davon abgehalten werden, solche taten zu wiederholen, vor allem, irgendwann bleibt es nicht nur beim Versuch.

Kommen wir aber mal zu dem was passiert, wenn Du ihn anzeigst

  1. Die Polizei nimmt Deine Strafanzeige auf und falls z.B. für mit der Tat verbundene Antragsdelikte vorliegen (z.B. Körperverletzung) gibt Dir die Polizei gleich die Möglichkeit den entsprechenden Strafantrag zu stellen
  2. Die Polizei leitet gegen den Beschuldigten der Tat ein Strafverfahren ein
  3. Du wirst von der Polizei zur Vernehmung vorgeladen und kannst/sollst in der Vernehmung noch einmal ganz genau schildern was vorgefallen ist.
  4. Gibt es Beweise wie ärztliche Berichte, Fotos, Videos, Spuren an Deiner Bekleidung, werden diese als Beweismittel Sichergestellt oder Beschlagnahmt
  5. Gibt es Zeugen, werden auch diese Vernommen
  6. Dem Beschuldigten wird die Möglichkeit gegeben, sich zum Tatvorwurf zu äußern
  7. Nach Abschluss der Ermittlungen geht die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft
  8. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob:
  9. das Verfahren eingestellt wird, weil der Täter die Tat nicht begangen hat oder
  10. ob sie das Verfahren wegen Geringfügigkeit nach § 153 StPO einstellt (relativ unwahrscheinlich) oder
  11. ob sie das Verfahren gegen Auflagen gem. § 153a StPO einstellt (sehr unwahrscheinlich) oder
  12. ob sie sie eine Hauptverhandlung für nötig hält (sehr wahrscheinlich) und sich der Täter als Angeklagter vor Gericht verantworten muss.

Im letzteren Fall, musst Du in der Verhandlung, genau wie alle anderen Zeugen (insofern überhaupt vorhanden) vollständig und wahrheitsgemäß aussagen.

Hält der Richter Deine Anschuldigungen für glaubhaft und hat auch keine Zweifel an Deinen Aussagen, wird der Täter auch verurteilt.

Und wer immer glaubt, hier steht ja eine gleichwertige Aussage des Opfers gegen der Aussage des Angeklagten irrt.

Auf der einen Seite steht die Aussage des Angeklagten, der einen Grund hat zu lügen, den er will ja schließlich nicht verurteilt werden und der sich mit einer Lüge auch nicht strafbar machen würden.

Auf der anderen Seite steht Deine Aussage als Zeugin, die erstens mit einer Falschaussage strafbar machen würde (diesbezüglich belehrt Dich auch der Richter vor Deiner Aussage und zweitens hat in der Regel ein Zeuge (auch wenn der Zeuge zugleich Geschädigter ist) kein Grund die Unwahrheit zu sagen.

Zwar nicht zwingend erforderlich, aber hilfreich ist es natürlich, wenn es weitere Zeugen und Beweise für die Tat gibt.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Eine Anzeige kann man immer machen, da dies keine Strafbarkeit voraussetzt. Es muß bei der Anzeige auch kein Straftatbestand geannt werden. Ob und wenn ja welcher Straftatbestand vorliegen könnte, wird von der Staatsanwaltschaft geprüft.

Nach §23 StGB ist der Versuch eines Verbrechens grundsätzlich strafbar.Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung ist, da mit mind. einen Jahr Freiheitsstrafe bedroht ein Verbrechen.

http://dejure.org/gesetze/StGB/177.html

Versuchte Vergewaltigung also §177 Abs 2 Satz 1 in Verbindung mit §23 Abs 1. dürfte aber eher untypisch sein, da dann meißt schon vollendete Sexuelle Nötigung nach §177 Abs 1 vorliegt. Dafür ist nämlich kein Sex notwendig, sondern es reicht eine sexuelle Handlung.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Man kann nicht nur, man muss die Anzeige machen. Wenn auch nicht aus rechtlicher Verpflichtung heraus, sondern um solchen Menschen das Handwerk zu legen.

Was ist denn eine Anzeige? Sie ist nichts weiter, als die Mitteilung eines Verdachtes an die Strafverfolgungsbehörden (i.d.R.die Polizei). Der/Die Anzeigende ist nicht in der Pflicht, irgendwelche Beweise zu liefern (wie sollte er/sie auch, da manche Beweise sich nur mit forensischen Mitteln gewinnen lassen). 

Bei Vergewaltigung, auch bei versuchter, bewegen wir uns in einer anderen "Liga" von Straftaten. Es handelt sich um Verbrechen,also um besonders schwere Straftaten. Du kannst sicher sein, dass die Polizei alles machen wird, die Sache aufzuklären. Es gibt sogar speziell ausgebildete Ermittler nur für diese Art von Straftaten.

Man weiß auch nicht, welche Vorgeschichte der Täter hat. Vielleicht ist er einschlägig bekannt und vertraut darauf, dass das Opfer den Mund hält, weil es Angst hat oder Zweifel, etwas falsch zu machen. Und die Polizei wartet nur darauf, ihm endlich etwas zu beweisen und ihn dann aus dem Verkehr ziehen zu können.

Übrigens braucht man auch keine Angst zu haben, eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung zu bekommen. Sowas träfe nur ein, wenn man eine Anzeige macht, obwohl man genau weiß, dass derjenige nichts gemacht hat (gegen besseres Wissen).

M.E. sollte man also bei solchen Sachen im Zweifelsfall immer zur Polizei gehen. Deine Zweifel sollten nicht dem Täter in die Hand spielen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja kann man, aber das diese Anzeige auch wirklich Wirkung zeigt ist ehr unwahrscheinlich. "Am günstigsten" (nicht im positiven sinn gemeint) wäre es natürlich, wenn das Opfer Verletzungen davongetragen hat und diese von einem Arzt untersuchen und dokumentieren lässt. 

Der Versuch ist es auf jeden Fall wert (!), aber man darf sich leider nicht große Hoffnungen machen, dass der Täter tatsächlich bestraft wird.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von furbo
26.11.2015, 06:15

Sehe ich nicht so. Ermittelt wird auf jeden Fall, aber letztlich entscheiden die Beweise. Auch wenn du negative Erfahrungen gemacht hast, letztlich sitzt er. Vielleicht war es deine Anzeige (auch wenn sie zunächst nicht erfolgreich war), die dafür gesorgt hat, dass er einfuhr, denn mit deiner Anzeige im Nacken ist er einschlägig aktenkundig und weitere Beschuldigungen dieser Art sind glaubwürdiger.

1

1.musst du es beweisenkönnen das er dich wirklich vergewaltigen wollte und 2.denk nochmaldrüber nach :) wenn es nursehr sehr aufdringlich war und du es anders wargenommen hast kann das echt zu problemen führen..das kann sein leben kaputt machen ;) aber ichwar net dabei also deine entscheidung ...wenn du dir sicher bist..musst es beweisen können

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von sophie4343
26.11.2015, 01:30

Ich möchte deine Antwort und Meinung nicht herabwürdigen, doch der 2te Punkt ist der Grund dafür, dass potenzielle Vergewaltiger frei herumlaufen und bei dem nächsten Opfer eventuell mehr "Erfolg" haben.

Ein Taxifahrer wollte mich vergewaltigen. Keiner hat mir geglaubt. Er und auch ich hatten Verletzungen von dem Kampf (bzw. von meiner Notwehr) davongetragen. Der Polizist und auch mein Anwalt haben mich gefragt ob ich da nicht etwas falsch wahrgenommen habe und nur übertreibe. Sechs Monate später wurde ein Mädchen von diesem Mann vergewaltigt. Das hätte verhindert werden können.

2

Ja, kannst du... 

ABER die Frage ist ob es sich lohnt :-( 

Du wirst nichts beweisen können, musst dir eine Menge Frageb gefallen lassen und am Ende geht er lachend und frei nach Hause...

Sorry, ich hab's erlebt und kann dich daher gut verstehen, aber ich mavhte es nicht! 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von furbo
26.11.2015, 06:07

Nur weil es auch negative Beispiele gibt, sollte man nicht auf eine Anzeige verzichten. Der Anzeigende ist nicht in der Beweislast.

1

Natürlich kannst jemanden wegen des Versuches anzeigen. Das ist dein gutes Recht und lass es dir von niemanden nehmen. Du kannst jederzeit zur Polizei gehen und musst dich nicht schämen. Jeder wird ernst genommen und gut behandelt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja, kann man.

Aber wie sieht es mit der Beweisbarkeit aus? Der Angezeigte kann auch mit einer gegenanzeige wegen Falschverdächtigung reagieren...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

ich würde das dann als sexuelle Belästigung oder Nötigung bezeichnen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Aufjedenfall!
Auch wenn der Täter leider keine gerechte Strafe wie Eier&Penis abschneiden oder an den Pranger gestellt werden kriegen wird..

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von furbo
28.11.2015, 08:26

Auch wenn der Täter leider keine gerechte Strafe wie Eier&Penis abschneiden oder an den Pranger gestellt werden kriegen wird..

Richtig. Und den Schreibern dummer Antworten sollte man die Finger abhacken. 

Für Dummies: Ironie off.

0

Was möchtest Du wissen?