Kann man haften wenn man was Falsches schreibt?

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6 Antworten

So einfach ist es nicht.

Zunächst einmal macht sich der Blogger strafbar, wenn er vorsätzlich falsche Infos verbreitet, oder dies in Kauf nimmt (Eventualvorsatz).

Aber nicht, wenn er es fahrlässig macht. Dann bleibt aber die Zivilrechtliche Komponente. Auf Schadenersatz haftet man nur, wenn eine Pflicht zur Haftung (Obligation) entstanden ist.

Diese kann sich ergeben aus:

  • Vertrag
  • Unerlaubter Handlung
  • Ungerechtfertigter Bereicherung

Für Falschinformationen haftest du zunächst mal, wenn du im Auftrag eines anderen einen Artikel schreibst, der dich beispielsweise dafür bezahlt. Dann haftest du, weil du deinen Teil des Vertrages nicht erfüllt hast, aber das ist nicht der Fall, um den es laut deiner Frage zu gehen scheint.

Die ungerechtfertigte Bereicherung fällt ebenfalls weg.

Bleibt also eine mögliche Haftung wegen unerlaubter Handlung. Die unerlaubte Handlung (Deliktshaftung) besteht aber nur, wenn durch Verschulden (Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit) ein bestimmter in BGB §823 Schaden eintritt. Der Punkt ist allerdings, dass zwischen Schaden und Ursache immer hinreichende Kausalität (Zusammenhang) bestehen muss.

Jetzt würde ich das so sehen, dass ein Vermögensschaden, der durch einen fehlerhaften Artikel entstanden ist, nicht einfach so in genügender Kausalität besteht, denn üblicherweise muss daraufhin noch ein massives Fehlverhalten des Lesers folgen. Wenn du schreibst, dass die USA hoch Verschuldet sind und das nicht stimmt und als nächstes nimmt einer sein ganzes Geld von der Bank und verprasst es und ist dann pleite, kannst du nicht dafür haftbar gemacht werden, weil der Zusammenhang fehlt, der Taterfolg war hier nicht vorhersehbar.

Die Ausnahme besteht, wenn der Artikel eine Person widerrechtlich direkt schädigt, dies ist im Fall der direkten Beleidigung, der üblen Nachrede und der Verleumdung gegeben. Wenn du jemanden ungerechtfertigt durch den Dreck ziehst, hat er dir gegenüber Schadenersatzansprüche, selbst wenn es nicht vorsätzlich passiert sein sollte. Hierbei kannst du dich logischerweise auch nicht mit dem Verweis auf die eigene Meinung retten, denn Verleumdung und die zugehörigen Delikte sind strafbare Falschdarstellungen von Fakten und Meinungen kann man nicht über Fakten haben, sondern nur über Wertungsfragen. 

Kommentar von crunsch
22.09.2016, 09:23

Wie sieht es denn aus, wenn der Blogger seine Information von einer anderen Webseite hat und diese als Quelle angibt?

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Klar, wenn man Beleidigt, üble Nachrede betreibt, einen Wirtschaftlichen Schaden anrichtet damit, etc. kann man dafür auch belangt werden. Da ist kein Unterschied zwischen einem Blogger und jemand der irgend wo Flugblätter verteilt...

Klagen müßten dann aber meines Wissens die Leute, über die er geschrieben hat. Die Leute die ihm das einfach nur glauben sind halt ein wenig dumm und selbst schuld... und wenn sie nicht dumm sind merken sie, das da nur Mist steht und lesen es nicht mehr.


Es kommt drauf an.

Die Gesetze gegen Verleumdung und üble Nachrede etc. lassen sich nicht durch irgendwelche Klauseln umgehen.

Zivilrechtlich fallen mir die Begriffe "Schmähkritik" und "falsche Tatsachenbehauptung" ein. Wer falsche Tatsachen behauptet und damit anderen einen Schaden verursacht muss u.U. dafür Schadenersatz leisten.

Kommt aber auf den Einzelfall an.

Der Blogger an sich ist schon journalistisch inkompetent, wenn er nicht vernünftig recherchieren kann. Sollte tatsächlich sich mal ein Fehler einschleichen, bloggt man eine Gegendarstellung.

Du darfst keine Falsche Informationen aussagen außer du Erwähnst zb in der Blogbeschreibung das z.b Satire oder so was ist

klar haftet man für das was man "verbreitet" egal ob mündlich oder mit "neuen Medien" .. da macht das Gesetz keinen Unterschied. 

Staatsschulden sind ein schlechtes Beispiel, damit schädige ich ja keinen, jedenfalls wäre es schwer zu konsturieren, dass ein Schuldner der USA einen Blog mit falschen Zahlen für sein Investment heranzieht.

Schreibst du aber über meine Firma, und ich verliere einen Kunden weil er glaubt wir sind pleite, dann wäre das ein ganz konkreter Fall für Schadenersatz. 

Kommentar von TechnologKing68
22.09.2016, 08:16

Das bezweifle ich. Schadenersatz würde die Firma wegen übler Nachrede verlangen können, ja. Aber wahrscheinlich nicht den Schaden des weggefallenen Arbeiters, weil es durch die an sich legale Kündigung nicht zu einem widerrechtlichen Schaden gekommen ist, doch gerade das ist Voraussetzung für deliktischen Schadenersatz. (§823 BGB).

Jemanden zur Kündigung zu Verführen ist daher kein wiederrechtlicher Schaden aus Sicht der Firma, solange die Kündigungsfrist eingehalten wird. Und selbst, wenn sie nicht eingehalten wird, so wäre der Kündigende als Hauptschuldige heranzuziehen.

Auch der Kündigende hätte keinen Anspruch, weil er durch die Kündigung immer noch die Haupthandlung gemacht hat, wodurch es im Bezug auf den Artikel an Kausalität (siehe meine Antwort) fehlen würde.

Schadenersatz könnte die Firma in so einem Fall verlangen, wenn sie zum Beispiel durch die üble Nachrede Kunden verlieren würde, aber dein Beispiel mit dem Mitarbeiter ist eher unpassend.

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