Kann man feststellen ob in einer Wohnung mal Schimmel war?

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9 Antworten

Ob es mal in der Wohnung Schimmel gab ist doch uninteressant, viel interessanter ist doch die Frage, ob es zukünftig Schimmel in der Wohnung geben wird.

Schimmel wächst immer an einer nährstoffhaltigen Oberfläche, wenn es ein ausreichedendes Feuchteangebot gibt. Daher ist in der Praxis die Feuchte entscheidend und zwar die Oberflächenfeuchte und nicht die allgemeine Raumluftfeuchte.

Die Oberflächenfeuchte sollte nicht über 0,7aw liegen. Das entspricht einer dauerhaft an der Oberfläche anliegenden Luftfeuchte von 70%. Hier beginnen die ersten Schimmelsporenarten mit der Keimung. Ab 80% rF (relative Feuchte der Luft) vor einer Oberfläche keimen so gut wie alle Schimmelsporenarten aus und das Schimmelwachstum beginnt kräftig. Die Schimmelsporen selbst, fliegen immer durch die Luft und sind in geringer Konzentration Teil unser natürlichen Umgebung.

Zur Einschätzung der Schimmelgefahr ist die Oberflächenfeuchte an der Wand wichtig und weniger die Raumluftfeuchte. Deshalb ist ein Hygrometer nicht völlig auseichend, aber schon der erste Schritt. Du brauchst zusätzlich ein normales Zimmerthermometer und ein IR-Thermometer für eine genauere Einschätzung der Lage. IR-Thermometer gibt es auch schon für ca. 20,-EUR bei Amazon oder Ebay.

Relative Luftfeuchten sind auch immer temperaturabhängig. Wer nun meint, er hat 20°C im Zimmer und das überall, der irrt. Und genau so, wie es unterschiedliche Temperaturen im Raum gibt, so gibt es unterschiedlich hohe rel. Luftfeuchten im Raum. Es gilt nun, die feuchtesten Stellen zu finden und diese zu überwachen.

Da warme Luft aufsteigt und kalte Luft absinkt gibt es hier in der Regel Temperaturunterschiede, die um so größer sind, je stärker mit Warmluft das Zimmer beheizt wird und je schlechter der Dämmwert der Aussenwand, bzw. des Fensters ist. Viel Warmluft sorgt für hohe Temperaturen unter der Zimmerdecke, schlechte Dämmwerte sorgen für Kaltluft auf dem Fußboden. Bodentiefe Fenster/Balkontüren sorgen auch für stärkere Auskühlung der Raumluft bis zum Fußboden hin.

Die Beheizung mit Warmluft ist heute leider gängige Praxis in den meisten Mietwohnungen. Die Warmluft klebt förmlich unter de Zimmerdecke und kommt erst wieder runter, wenn sie abkühlt. Das geschieht an der Aussenwand. Hier fällt die Raumluft nun unter Abkühlung nach unten, weil kalte Luft schwerer ist. Sie wird aber im gleichen Atemzug auch feuchter und zwar im direkten Wandoberflächenkontakt. Unten an der Scheuerleiste ist die Luft am kältesten und auch am feuchtesten. Hier beginnt das Schimmelwachstum in der Regel zuerst.

Der Heizkörper unter dem Fenster bringt die Warmluft in den Raum und je kleiner der Heizkörper ist und je mehr gewellte Blecher er angeschweißt hat (z.B. der Heizkörper Typ 33 im Vergleich zum Heizkörper Typ 10), um so mehr Warmluft produziert er im Vergleich zur Wärmestrahlung und um so größer ist die Schimmelgefahr im Raum. Der Heizkörper Typ 33 produziert 80% Warmluft und ca. 20% Wärmestrahlung. Der Heizkörper Typ 10 produziert ca. 45% Warmluft und 55% Wärmestrahlung. Dieser Zusammenhang ist vielen nicht bewusst und auch die meisten Heizungsbauer haben darüber keine Kenntnis, weil es nicht gelehrt wird.

Zur Senkung der Schimmelgefahr trägt ein hoher Anteil an Wärmestrahlung bei. Früher taten das die Öfen in den Altbauten, die eine große Wärmeabstahlungsfläche besaßen. Die Öfen wurden in den 1960er Jahren durch Heizkörper ersetzt. Gußeiserne Rippenheizkörper produzierten schon deutlich mehr Warmluft. Wurden Heizplatten verbaut (Typ 10 oder Typ 11) hatte man noch einen ausreichend hohen Wärmestrahlungsanteil zur Schimmelvermeidung. Dann kam in den 1980er Jahen die Nierdertemperaturtechnik der Heizanlagen. Dieser verlangte nach anderen Heizkörpern, da der Typ 10 in relativ kleiner Ausführung hohe Vorlauftemperaturen benötigt, um eine ausreichende Wärmeabgabeleistung zu bringen. Es wurden nun Heizkörper verbaut mit mehr Warmluftblechen - der Typ 22 oder auch der Typ 33. Diese sorgen nun mit dem großen Anteil an Warmluft für feuchtere Wände, angefangen in den unteren Wandbereichen. Energieeinsparung durch die Niedertemperaturtechnik wurde durch den gesunkenen Dämmwert der feuchteren Wände aufgefressen. In den 1990er Jahren und später kamen dann die luftdichten Fenster der Passivhaustechnik hinzu und die Wohnungen der Altbauten wurden nun verstärkt zu Schimmelbuden.

Mit jeder Sanierung verschlechterte sich das Raumklima und die Schimmelgefahr nahm zu. Das Faß zum Überlaufen brachten dann oftmals neue, luftdichte Fenster in den Altbauten, vor allem mit den WDVS, die das Ablüften der Wandfeuchte nach aussen verhinderten.

Nichts gegen neue Fenster, aber sie müssen nicht luftdicht sein - im Passivhaus schon, im Altbau nicht. Da reicht winddicht völlig aus. Die Luftdichtigkeit führt zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Raumluftfeuchte. beim Passivhaus reguliert die Lüftungsanlage die Raumluftfeuchte - im Altbau gibt es diese nicht.

Im Altbau nehmen aber die sorptiven Wände die Raumluftfeuchte auf. Das machen trockene Wände auch im Sommer und saugen dadurch quasi witterungsbedingte Feuchtespitzen auf. So bleibt das Raumklima im Altbau auch im feuchten Sommer noch eine Zeit lang stabil. Das funktioniert natürlich nur, wenn man keine Sperrschichten (Latex, etc.) auf die Wände geschmiert hat.

Durch die Feuchteaufnahme der Wände (Feuchteeinspeicherung) hält sich die Oberflächenfeuchte noch eine lange Zeit im Rahmen. Ist die Feuchteaufnahmemöglichkeit der Wand erschöpft, durch Feuchtesättigung des Wandbaustofft (nasse Wände) oder durch Sperrschichten auf der Wandoberfläche, so liegt die Oberflächenfeuchte immer sehr nahe an der Raumluftfeuchte, bzw. der Luftfeuchte im direkten Wandoberflächenkontakt.

Steigt die Feuchte an, nimmt der Dämmwert der Wände ab, die Heizkosten steigen, denn feuchte Kleidung schützt auch nicht vor Kälte. Beim Passivhaus gibt es in der Regel keine sorptiven Wände, daher gibt es hier auch keine Dämmwertänderung bei Luftfeuchteschwankungen.

Daher ist es auch für die Heizenergieeinsparung im Altbau wichtig, trockene Wände zu haben. Da die Wände auch über die Raumluft getrocknet werden, ist eine leichte Undichtigkeit am Fenster hilfreich, die Raumluftfeuchte durch den permanenten Luftaustausch zu senken, was der Schimmelgefahr auch entgegen wirkt.

Erste Maßnahme bei beginnendem Schimmelwuchs ist neben der regelmäßigen Stoßlüftung (2-4x am Tage) also immer die Prüfung der Fenster auf Luftdichtigkeit und bei vorhandener Gummidichtungen sollten oben an jedem Fensterflügel der Wohnung 10-12cm Gummidichtung entfernt werden, um eine permanente Grundlüftung für die Wohnung zu schaffen, was die durchschnittliche Raumluftfeuchte senkt, die Wände dadurch trockener werden läst und dem Schimmelwuchs entgegen wirkt.

Nun zu der Ermittlung der Oberflächenfeuchte (der Schimmelgefahr). Hierzu mal nach Mollier-h-x-Diagramm googeln. Bosy-online bietet gute Diagramme im pdf-Format an. Mittels IR-Thermometer wird die Oberflächentemperatur der Wandoberfläche in der Heizperiode ermittelt. Bevorzugt unten an der Aussenwand, weil es dort am kältesten ist und hier speziell in den Ecken, die durch die Warmluft der Heizung nur schwer erreicht und damit schwer erwärmt werden.

Mittels des Zimmerthermometers wird in der Raummitte nun die allgemeine Raumlufttemperatur gemessen und an gleicher Stelle die rel.Luftfeuchte ermittelt.

Mit den Werten der allgemeinen Raumlufttemperatur und der rel. Luftfeuchte wird im Mollier-h-x-Diagramm der Schnittpunkt der beiden Linien ermittelt. Von diesem ersten Schnittpunkt aus geht man senkrecht zur waagerechten Linie der mittel IR-Thermometer gemessenen Oberflächentemperatur der Wandoberfläche. Hier findet man einen zweiten Schnittpunkt. Durch diesen zweiten Schnittpunkt läuft die (ggf. gedachte) schräge Linie der rel. Luftfeuchte. Das ist die entscheidene Luftfeuchte im Wandoberflächenkontakt. Diese rel. Luftfeuchte sollte zur Schimmelvermeidung nicht dauerhaft über 70% liegen.

Liegt die Luftfeuchte im Wandoberflächenkontakt höher als 70%, so ist vorrangig für eine bessere Erwärmung der Wandoberfläche zu sorgen. Eine Senkung der allgemeinen Raumluftfeuchte ist auch möglich, hier sind aber witterungsbedingt Grenzen gesetzt.

Die Erwärmung der Wandoberfläche wird erreicht, indem man die Warmluftzirkulation verbessert (Möbelstücke von der Aussenwand entfernen) oder man gibt der Wand direkte Wärme durch die Verlegung einer Heizrohrschleife im Sockelbereich. Dadurch wird eine zu starke Luftauskühlung vor der Wandoberfläche verhindert und beginnender Schimmelwuchs gestoppt, die Wand getrocknet und der Dämmwert damit verbessert.

Eine Wärmedämmung ist weniger empfehlenswert, zum einen, weil diese verhältnismäßig teuer ist, Platz weg nimmt und auf feuchter Wand ebenfalls auffeuchtet und an Dämmwert verliert, zum anderen wird die Oberflächentemperatur auch nur dann angehoben, wenn an der Oberfläche auch Wärme ankommt. Also muss sowieso etwas für eine bessere Wärmeverteilung im Raum getan werden.

Das Non plus ultra stellt die Heizleiste (mal googeln) dar, die zurecht als "Anti-Schimmel-Heizung" angepriesen wird. Die Heizleiste legt von unten her einen Warmluftschleier vor die Aussenwand und verhindert damit Luftauskühlung vor der Aussenwandoberfläche mit der entsprechenden Luftfeuchteerhöhung. Da nun warme und entsprechende trockenere Luft direkt an der Wandoberfläche anliegt, wird die Wand getrocknet und der Dämmwert erhöht sich erheblich. Dadurch werden mit der Heizleiste gegenüber der Heizkörperheizung 20-30% an Heizkosten eingespart.

Schon J.S. Cammerer hat vor Jahrzehnten das Verhältnis von Feuchte am (Voll-)Ziegelstein und den Dämmwert untersucht. Seine Ergebnisse lassen sich mit seinem Namen leicht googeln. Eine Feuchte von 4% (noch nicht fühlbar!) lässt den Dämmwert bereits um 50% sinken. Bei 10% Feuchte sind bereits 77% an Dämmwert verloren. Deshalb ist es nicht nur wichtig, die Wände halbwegs trocken und knapp unter der "Schimmelgrenze" zu halten, sondern es ist sehr wichtig die Wände knochentrocken zu halten, um Heizenergie einzusparen. Die Heizleiste ist dafür das richtige und geeignete Mittel im Altbau.

Übrigens führt eine wiederholte Nachtabsenkung im Altbau ebenso zur Erhöhung der Schimmelgefahr, wie die offene Zimmertür zum wenig beheizten Schlafzimmer. Ursache ist wieder die feuchtewarme Luft, die sich an kalter Wandoberfläche unter Luftfeuchteerhöhung abkühlt. Im Prozeß des Wiederanheizen nach der Nachtabsenkung (oder auch Tagabsenkung) wird die Raumluft schnell durch die Warmluft des Heizkörpers erwärmt, die thermisch sehr träge Wand bleibt aber noch kühl. Hier bilden sich im direkten Wandoberflächenkontakt erhöhte Luftfeuchten, die sie Wandoberfläche befeuchten und die Schimmelgefahr steigen lassen. Ebenso, wenn warme Luft ins kühlere Schlafzimmer einströmt und sich dort ihrer Feuchtfracht an den kühlen Wänden entledigt.

So, ich konnte mich wie immer nicht kürzer halten. Ich hoffe, der eine oder andere Denkanstoß war dabei.

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Allein ein Hygrometer gibt Dir schon erhebliche Infos. Viel Feuchtigkeit in der Wohnung weist auf Probleme hin. Und einfache bekommt man schon für weniger als 15 Euro.

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Kommentar von Starjuice
13.08.2016, 03:33

Okay, danke. Hätte gedacht es wär erheblich teurer. Nehme an, man bekommt sowas im Baumarkt, ja?

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Feuchtigkeitsmesser für die Wände ausleihen oder kaufen (sind nicht teuer). Wenn an bestimmten eine hohe Feuchtigkeit auftaucht, evtl. unter die Tapete schauen.

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das sieht man an schwarzen stellen , und riecht man auch "modriger geruch" .

ansonsten hilft es ein Hygrometer hinzustellen und 2x am tag Stosslüften (alles auf Durchzug) ca. 20 minuten im Sommer Morgens in der früh und abends .   ansonsten immer die fenster zulassen nicht kippen gerade im Winter und auch bei starker hitze...

Nach jedem duschen Badzimmer tür zu und fenster ganz auf (ca. 30 minuten) 

Beim Kochen Küchentür zu , ABlufthaube volldampf / bzw fenster ganz aufmachen.

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Ich versuche mal eine kurze, präzise Antwort zu diesem Thema zu formulieren: 

Fakt ist, dass sich dort Schimmel bildet, wo die Temperatur niedriger als die Taupunkttemperatur ist. Ab diesem Punkt setzt sich Wasser an der Oberfläche ab. 

Idealerweise sollten im Winter die Fenster die kältesten Fläche im Raum sein, denn dann wird das Wasser an den Fenstern ausgeschieden und nicht an den Wänden wie es bei beispielsweise in einem Altbau der Fall sein könnte. 

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Ich hatte einfach mal eine Nachbarin gefragt, ob sie weiß, weshalb meine Vorgängerin ausgezogen ist ... und ob evtl. auch noch Schimmel ein Grund war! Das wurde verneint, und sie sagte ebenfalls, dass hier im Haus noch nie Schimmel aufgetaucht sei. Das hat mich natürlich sehr beruhigt!

Also, trau' Dich nachzufragen! LG ;-)


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Musst vllt mal unter der tapete schaun oder die farbe runterkrazen arg viel anders geht denk ich net

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Das kann man nicht feststellen, da Schimmelsporen überall vorkommen.
Überall heißt überall. Wenn die nicht genug Feuchte haben, um zu sprossen,  sind sie harmlos.

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In jeder Wohnung befindet sich Schimmel; mal mehr, mal weniger.

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