Kann man eurer Meinung nach seinen Feind lieben (Religion)?

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14 Antworten

Da das Wort "Feind" ursprünglich von dem Wort fiant (Hass) abgeleitet wird, ist es zumindest im Rahmen einer grammatikalischen Auslegung nicht möglich.

Aber grundsätzlich halte ich das für möglich. Wenn man jemanden liebt, so kann er trotzdem ein Feind sein. Shakespeare hat schon so einige Tragödien geschrieben, die darauf basieren.

Bei Scheidungsverfahren kann man auch hin und wieder feststellen, dass eine Person noch immer liebt, aber sie betrachtet den Geliebten trotzdem eventuell als Feind oder Widersacher.

Auch Menschen, die lieben, können von einem anderen Menschen mißhandelt werden. Der Mißhandelnde ist dann der Feind und trotzdem liebt der Liebende seinen Feind.

Religiös betrachtet soll die Feindesliebe wohl eher vor Racheakten oder ähnlichem schützen. Diese Art der Liebe wird wohl kaum mit der Liebe zwischen zwei Menschen gleich zu setzen sein. Religiös betrachtet soll man wohl eher einen besseren Weg finden, Konflikte zu lösen als durch Hass, Gewalt und Racheakte.

Man soll den Feind vermutlich dabei unterstützen, einen anderen Weg einschlagen zu können, indem man auf ihn eingeht. Das kann man auch als Liebe verstehen. Allerdings eher als Menschenliebe und nicht als Liebe, die nur auf zwei Menschen aufbaut.

Würde man hingegen stets auf Rachakte aus sein, weil man keinen Kompromiss mit dem Feind eingehen will, so würde das unter Umständen Generationen belasten, ohne dass eine Besserung der Lage in Sicht ist.

Also für mich wird "liebe deinen Feind"  mit einer humanistischen Sichtweise gleich gesetzt, die deeskalierend wirken soll, damit kein weiterer Schaden entsteht.

Meiner Meinung nach ist es zumindest nicht sinnvoll, den Gegenüber aus persönlicher Ablehnung heraus übertrieben zu dämonisieren.

Geht es um pädophile Sexualstraftäter, kannibalistische Serienmörder, oder um Beteiligte an einem Massenmord, tritt sofort ein Abgrenzungsreflex ein.

Diese Menschen werden dann als "pervers", "abartig" oder "krankhaft sadistisch" bezeichnet, mancher fordert sogar spontan die Todesstrafe.

Doch Tatsache ist, dass wir uns selbst eigentlich nicht wesentlich von diesen grausamen Straftätern unterscheiden - es sind keine Außerirdischen.

Wir haben womöglich sogar mehr Gemeinsamkeiten mit ihnen, als und bewusst und natürlich auch, als uns lieb ist.

Vielleicht hört dieser Mörder gerne die gleichen Musiker wie wir, hat das gleiche Lieblingsessen und mag die gleichen Blumen.

Womöglich ist er sogar in unserer Gegend, oder unter ganz ähnlichen sozialen Umständen aufgewachsen und hat die gleichen Interessen.

Diese Gemeinsamkeiten mit solch einem Menschen sind uns unangenehm, denn sie lassen diesen Täter "normaler" oder sogar "sympathischer" erscheinen.

Um dieses unangenehme Gefühl, man habe so viel gemeinsam, zu vertreiben, leisten die Medien meist sehr gute Arbeit.

"Milwaukee Monster", der "Kannibale von Rothenburg", oder "BTK-Killer"

Mit diesen Bezeichnungen entmenschlicht man die Täter und reduziert damit die mögliche Identifikation mit dieser Schreckensgestalt.

Tatsächlich haben diese Menschen aber ganz normale bürgerliche Namen - womöglich heißt man sogar selbst "Jeffrey", "Armin" oder "Dennis"

Es dürfte vielen Menschen schwer fallen, Mitgefühl, Verständnis, oder Zuneigung für diese Straftäter zu empfinden - eben aufgrund ihrer Taten.

Es sollte meiner Meinung nach auch nicht darum gehen, diese grausamen Morde zu rechtfertigen, zu relativieren, oder irgendwie zu schmälern.

Ein Mensch ist aber mehr als nur die Summe seiner Taten und so vereint auch ein Serien- oder Massenmörder viele verschiedene Aspekte in sich.

Die Anwohner sind nicht umsonst entsetzt, wenn sich der "freundliche Nachbar" plötzlich als mehrfacher Vergewaltiger, Mörder, o.ä. herausstellt.

Dabei muss es sich bei der Hilfsbereitschaft und biederen Freundlichkeit keineswegs um eine sorgfältig gepflegte Maskerade gehandelt haben.

Auch ein Massenmörder kann tierlieb, ein Freund klassischer Musik, hilfsbereiter Handwerker, oder zuverlässiger Gartenhelfer sein.

Er ist uns also in vielen Dingen gar nicht so fern, wie wir es gerne hätten.

Ob man einem überführten Serienkiller oder Massenmörder wirklich offen, ohne Vorbehalte und  gegenüber treten kann, weiß ich nicht.

Ich halte es aber für wichtig, nicht blind in das Horn jener zu blasen, die Selbstjustiz fordern, weil sie ein Gerichtsurteil für unzureichend halten.

Allzu leicht kann das gleiche wie beim Mord an der 11 Jahre alten Lena aus Emden passieren.

Im März 2012 hatte ein Jugendlicher auf Facebook die Erstürmung einer Polizeiwache gefordert, um den damals Tatverdächtigen lynchen zu können.

Diesem Aufruf folgten etwa 50 Menschen - und wie sich später herausstellte, war der damals Tatverdächtige dann doch unschuldig.

Die Dämonisierung, die Schaffung von Feindbildern und die Entmenschlichung fördern Hass und Gewalt in uns selbst.

Schließlich sind wir womöglich derartig verblendet von unserem sorgfältig aufgebauten Feindbild, dass wir sogar selbst einen Menschen töten.

Dann sind wir dort, wo wir nie sein wollten - auf der anderen Seite der selbstgezogenen Trennlinie zwischen "Mensch" und "Unmensch".

Nun sind wir das "Monster", die "Bestie", oder der "Killer" - und würden uns über ein klein wenig Menschlichkeit uns gegenüber freuen.

Enzylexikon 25.02.2017, 16:15

Ob man also seinen Feind tatsächlich lieben kann, muss vermutlich jeder mit sich selbst ausmachen und ich glaube, das ist auch nicht ohne weiteres zu pauschalieren.

Was man jedoch - gänzlich unabhängig von jeder Religion - ganz sicher machen kann ist, sich nicht vorschnell durch Emotionen, Feindbilder und Stereotypen leiten zu lassen.

Für viele religiöse Menschen ist Gott der höchste Richter und wer daran glaubt, sollte sich also mit Verurteilungen anderer Menschen zurückhalten, weil er sich eine Weisheit anmaßt, über die nur Gott verfügt.

Wer nicht religiös ist, dem gebieten der gesunde Menschenverstand und humanistische Ideale, einen Menschen nicht vorschnell zum "Unmenschen" bzw. "Nicht-Menschen" zu stempeln.

Wohin die Vorstellung von "unwertem Leben" führen kann, hat die Geschichte ja nun sehr deutlich gezeigt.

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Enzylexikon 25.02.2017, 16:31
@Enzylexikon

Persönliches

Ich trainiere die japanische Kampfkunst Aikido in der es weder um Wettkampf geht, noch darum, für einen möglichen "Ernstfall" zu proben.

Es gibt im Aikido keinen "Feind", den es im Rahmen eines Kampfes in irgendeiner Weise gewaltsam zu "besiegen" gilt.

Stattdessen soll die Abwehr dem Angreifer die Möglichkeit bieten, über sein eigenes Handeln nachzudenken und die Unsinnigkeit seiner Aggression zu erkennen.

Wer den Angreifer zu Boden wirft, anstatt ihn zusammenzuschlagen, und auf einen abschließenden "Gnadenstoß" oder "finnishing move" verzichtet, bietet ihm die Möglichkeit zur Umkehr.

Liebe ich den Angreifer? Vermutlich nicht. Ist er mir sympathisch? Eher nicht. Hasse ich ihn? Nein, weil ich sein Menschsein akzeptiere.

Ich weiß nicht, welche Gründe einen Menschen in sein destruktives Verhalten treiben, welche Vorgeschichte er hat und mit welchen Motiven er seine Taten vor sich selbst rechtfertigt.

Vielleicht wäre ich in seiner Situation längst zerbrochen, oder hätte nicht mehr die Kraft, mein Ziel notfalls mit Gewalt erreichen zu wollen. Ich weiß nicht, wie ich an seiner Stelle handeln würde.

Was aber meiner Ansicht nach sowohl Angreifer, als auch Verteidiger möchten ist, diesen Konflikt zu überleben - trotz aller Versprechungen von Heldentod und Paradies.

Diesen Wunsch nach Leben kann ich respektieren und so gibt es für mich keinen Grund, einen Menschen vorschnell als meinen "Feind" zu betrachten, zu verurteilen, oder womöglich "Rache" zu üben.

Ob ich ihn "lieben" könnte...ich bin kein Heiliger und ich bezweifele es stark. Seine Integrität zu wahren wäre mir persönlich aber wichtig.

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Ist für jeden anders. Meiner meinung mach geht das schon. Ich brauche ein paar feinde weil sie mir immer immer helfen mich selbst besser einzuschätzen. Außerdem kann man durch feinde sein leben verbessern, man wird ein wenig vorsichtiger und kann andere menschen besser einschätzen. Aus religiöser sicht denke ich nicht das sas geht, da religion zu großen teilen nur auf der eigenen meinung basiert, und nicht auf der von anderen. -das ist nicht böse gemeint

Was hat Religion mit Liebe zu tun? Gut ein streng gläubiger Moslem oder einer von ner Sekte wo ich dann nicht mehr das machen kann wie ich will ich denk mal könnt ich mich nicht verlieben aber ansonsten wenn man sich liebt ists doch egal wichtig ist das man sich gegenseitig respektiert ☺

Sandy28 25.02.2017, 11:48

Häh da stand doch vorher Freund??? Okay naja bei Feind klar kann man sich auch verlieben kann man sich ja net aussuchen...wird aber schwierig für diejenigen

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Ja — das ist möglich!

Jesus Christus sagte: 

Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen, damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist, da er seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt“ (Matthäus 5:44, 45).

Paulus schrieb: „Wenn dein Feind hungrig ist, speise ihn; wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken . . . Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse stets mit dem Guten“ (Römer 12:20, 21).

Jesus predigte seine lebenswichtige Botschaft auch seinen Feinden (Markus 12:13-34).

Er wusste, dass sich Menschen ändern können. Einige würden ihn später als den Messias annehmen (Johannes 7:1, 37-46; 17:17).

Alle, die Jesus nachahmen möchten, versuchen genauso liebevoll und freundlich zu sein wie er. 

Ein Sklave des Herrn . . . hat es nicht nötig zu streiten, sondern muss gegen alle sanft sein“ und sich unter üblen Umständen beherrschen, heißt es in 2. Timotheus 2:24.

In der Encyclopedia of Religion and War heißt es: „Die ersten Nachfolger Jesu lehnten Krieg und Militärdienst ab.“ Für sie wäre das „mit dem Prinzip der Nächstenliebe und dem Gebot Jesu, die Feinde zu lieben, unvereinbar gewesen“.

Dasselbe haben auch aufrichtige Christen in der Neuzeit gemacht.

Leider wurden sie ähnlich wie die Urchristen deshalb falsch verstanden, verleumdet oder verfolgt. 

Doch statt mit gleicher Münze heimzuzahlen, beachten sie den biblischen Rat: „Haltet, soweit es von euch abhängt, mit allen Menschen Frieden.“ 

ich glaube nicht, dass man seinen feind lieben kann, aber man kann ihn zumindest akzeptieren, man muss ja nichts mit ihm zu tun haben.

wenn man wen nicht mag, er der feind von einem ist, man schlechte erfahrungen mit ihm gemacht hat, kann man ihn ja schlecht lieben, wie soll sowas gehen?

natürlich, auch wenn es wahnsinnig schwer fällt.

die sind nämlich dazu da, dait ihr euch an ihnen reibt,

damit die bäume nicht in den himmel wachsen, sondern in gebotener zeit sich langsam entfalten!

Hallo.
In der Religion, ist das Wort Feind (Hass) wenig angesagt, bei Religionsfreiheit in Deutschland.

Aber bei meiner Scheidung habe ich meine Ex nicht als Feind angesehen, aber auch nicht mehr als die Mutter unserer Kinder.

Bley1914 26.02.2017, 10:37

Immer noch als Mutter unserer Kinder.     nicht ist falsch.

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Aus rein menschlicher Kraft kann man das nicht, allein die Gnade Gottes macht es möglich und darum muss man bitten. 

Es okmmt darauf an, was du unter Liebe verstehst. In meiner Auffassung ja.

Ich glaube das ist möglich, wenn man sich selbst so sehr geliebt weiß, dass man diese Liebe auch mit jemand teilen kann, der sie nicht erwiedern wird.

Weil Gott ihn auch leben lässt (1.Mose 1,27; Lk.6,27.35).

Kommt drauf an wer der Feind ist, wenn es Söldner sind die plündernd durch das Land ziehen dann nicht. Wenn es ein anderes Land ist hasse ich ja nicht die Soldaten sondern die Person die den Krieg ausgelöst hat (auch wenn es der eigene Staatsführer ist) und Hass ist ein schlimmes Wort

Nur wenn JESUS dafür ein Wunder in unserem Herzen vollbringt. Ohne IHN ist es nicht möglich. Aber wir können IHN darum bitten.

: )

Meatwad 25.02.2017, 15:40

Dummerweise ist Er seit langer Zeit tot. Und das, was über IHN erzählt wird, traf ohnehin nicht auf IHN zu. Sofern es IHN uberhaupt gab.

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