Kann man ein guter Mensch und gleichzeitig ein Nazi sein?

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16 Antworten

Laut seiner Sekretärin Traudel Junge soll auch Hilter ein zuvorkommender und guter Mensch gewesen sein.

Auch über Eichmann haben mehrere Mitarbeiter ausgesagt, dass er immer korrekt war und nie wütend wurde.

Edda Göring liebte ihren Vater Hermann Göring heiss, ebenso wurde der Massenmörder Arthur Greiser von seiner Tochter geliebt.

Waren sie alle gute Menschen? Eindeutig nein, würde ich sagen.

Die Frage ist ja auch, wie er dies im Nachhinein gesehen hat.

Ob er noch später zu der falschen Ideologie gestanden hat, oder ob er gesagt hat "ich habe damals ganz schön Mist gebaut".

Man muss Leuten immer die Möglichkeit einräumen, dazu zu lernen und gemachte Fehler zu bereuen.

Naja ich will nichts beschönigen. Aber damals hieß es: Entweder du machst mit oder du stirbst. So einfach war das damals. Klar kann man hier sagen das man lieber gefoltert und gestorben wäre als mit zu machen aber das ist heute einfach zu sagen...

Er kann grundsätzlich ein guter Mensch zu seiner Familie gewesen sein. Jedoch zur Weltbevölkerung eben nicht, denn wenn er Antisemit war...das ist natürlich nicht sehr gut. 

Letzten Endes musst du für dich selber entscheiden ob er für dich selber ein guter Mensch war und da solltest du auch auf keinen anderen hören. Behalte dir deinen Opa in guten Gedanken :)

CeIlulari 05.08.2017, 22:33

Aber damals hieß es: Entweder du machst mit oder du stirbst.

Unfug, das ist heute deutlich widerlegt von den Historikern.

Und ein Österreicher, der vor dem Anschluss ein Nazi war, wurde wirklich nicht dazu gezwungen. Das war wirklich ein überzeugter Nazi.

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socialchiller 06.08.2017, 15:11
@CeIlulari

Das stimmt schon, was du sagst. Aber es gab leider auch Menschen die eben nicht frei wählen konnten. 

Sicherlich gab es damals Menschen die vollkommen von der Sache überzeugt waren, die Breite Masse aber war eben "gezwungen"

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Natürlich kann er ein guter Mensch gewesen. Der Nationalsozialismus war damals eine weit verbreitete Bewegungen. Und solange dein Opa nicht an irgendwelche Verbrechen beteiligt war is alles in Ordnung

OlliBjoern 05.08.2017, 13:27

Wenn man auch noch Jahrzehnte nach dem 2.Weltkrieg dem Antisemitsmus anhängt, ist das für mich alles andere als "in Ordnung". Ich hatte auch 2 Großväter, und die waren beide nicht antisemitisch.

Zugegebenermaßen hat der Fragesteller "als Student" geschrieben. Mein Einwand bezieht sich nur darauf, dass man auch solche Dinge in Betracht ziehen muss (die wir freilich von der genannten Person nicht wissen, wir wissen ja nicht, wie er sich im Alter dazu geäußert hat).

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Nein, weil das Programm der Nazis von Anfang an offensichtlich menschenverachtend war, und jeder das mitkriegen konnte.

Man konnte nicht gleichzeitig ein "guter Mensch" und ein Nazi sein.

Das bedeutet aber nicht, dass jeder Nazi bereit gewesen wäre, jeden Menschen zu töten, den die Nazis ermordet haben, und auch nicht, dass jeder der Mörder ein überzeugter Nazi war.

Da gab es keine hundert prozentige Korrelation. Es war mehr eine Frage des Opportunismus...

Im persönlichen Umgang innerhalb der Familie kann er durchaus ein guter Mensch gewesen sein. Es ist in Ordnung, wenn du daran eine gute Erinnerung hast. 

Als Vorbild über die Familie hinaus taugt er nicht, wenn er Antisemit und Hitlerfan war. 

Das ist schwer zu beantworten weil man ziemlich menschenhassend sein muss um soooo Ei glühender Nati zu sein deswegen hängt gut immer vom Standpunkt ab😑

Es gab vor 1933 im Ruhrgebiet mehr Kommunisten als Nazis. Ich habe die Straßenkämpfe zwischen den Parteien nur als Kind erlebt.

Es gab aber auch die vielen Arbeitslosen. Das Geld vom Arbeitsamt reichte kaum aus, um eine Familie zu ernähren.

Nach 1933 gab es Arbeit, aber es waren die Nazis, die Arbeit bekamen. Manch einer, der die Nazis bekämpft hatte, wechselte das Hemd. Er bekam Arbeit. Aber, wie es unter dem Hemd aussah, sagte niemand.  

CeIlulari 05.08.2017, 22:34

Genau. Und 1945 wechselten wieder alle das Hemd, und plötzlich wollte niemand ein Nazi gewesen sein...

Man kann sich schon fragen...

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wolfgangniem11 06.08.2017, 15:07
@CeIlulari

Es waren nur wenige Menschen, die ihrer Gesinnung treu geblieben sind.

Alle Staatsbeamten konnten ihren Job verlieren, wenn sie sich gegen das herrschende System stellten. Wer macht das schon?

Ein Beispiel: Als ich eingeschult wurde gab es noch die junge Demokratie, die nach dem 1. Weltkrieg ins Leben gerufen war. Die Lehrer hatten sie zu preisen und machten es auch.

Nach der "Machtergreifung" der NSDAP folgte die NS Diktatur. Jetzt hatten sie die Vorteile der Diktatur zu preisen. Es hat sich kaum einer geweigert.

Nach dem 2.Weltkrieg, der "Entnazifizierung" und unter dem Einfluss der Besatzungsmächte, priesen die gleichen Lehrer die neue, junge Demokratie.

Das Gleich gilt für alle Staatsbeamte.

Welches Chaos wäre entstanden, wenn man sie alle entlassen hätte, weil sie Nazis waren. 

Es hätte keine Richter, Rechtsanwälte usw. mehr gegeben. 

Dazu noch ein altes deutsches Sprichwort: 

Das Hemd ist dem Menschen näher als der Rock.

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Trag ihm das nicht nach, das waren ganz andere Zeiten damals und keine Sorge, für dich war dein Opa mit Sicherheit der beste Opa der Welt.

Gut und böse sind eine Sache des Gesichtspunkts. Als Nazi und glühender Antisemit hat dein Opa zumindest gedanklich das aus seiner Sicht Böse bekämpft und sah sich somit selbst als ein Guter. Genauso sehen sich demokratische Staaten als gut, wenn sie Leute mit politisch inkorrekten Anschauungen überwachen, beruflich ausgrenzen, mundtot machen und in den Knast stecken oder Länder sogenannter Diktatoren sanktionieren oder gar in Schutt und Asche bomben, ungeachtet der Tatsache, dass einige dieser vermeintlich bösen Diktatoren eine Beliebtheit unter ihrem Volk genießen, von denen demokratische Staatoberhäupter nur träumen können. Man könnte also genauso gut fragen: Kann man ein guter Mensch und gleichzeitig ein Demokrat sein?

Mit deinem letzten Satz, hast du aber deine Frage schon selbst beantworten. Hiermit bescheinige ich, dass deine Antwort korrekt ist. 


OlliBjoern 05.08.2017, 13:22

Man darf sich natürlich keine Gelegenheit entgehen lassen,
anti-demokratische Propaganda unters Volk zu bringen, nicht wahr? :)

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DetlefRuchatz 05.08.2017, 13:34
@OlliBjoern

Ups, ein ganz neues Konzept, dass Wahrheit anti-demokratisch sein soll. Das heißt: Ganz so neu ist es nun auch wieder nicht. 

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Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.Viele Nazigrößen , viele Kriegsverbrecher können zuhause gute Ehemänner, gute Väter , Tierliebhaber u.a. gewesen sein.So sind die Menschen gestrickt.

Ohne auf deinen Opa eingehen zu wollen/können, einige der größten Naziverbrecher waren gute Familienmenschen und ihre Frauen haben sogar ihre Kinder mit in den Selbstmord genommen........

Mal ne Frage: Wie alt IST Dein Opa?

Er hatte damals eben seine Ideale und konnte nicht ahnen, wie sich das noch entwickelt.

OlliBjoern 05.08.2017, 13:17

Ich halte dieses "er konnte nicht ahnen" für eine etwas vereinfachende Formulierung. Es gab nämlich durchaus Leute damals, die was geahnt hatten. Schon damals gab es Menschen, die mehr, und solche, die weniger durchschaut hatten.

 

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RischijKot 05.08.2017, 19:45
@OlliBjoern

Ja, das mag in Einzelfällen vorgekommen sein, aber abgesehen von den wirklichen Größen wie Göring, Himmler etc. konnte noch niemand zu diesem Zeitpunkt die wirklichen Ziele wissen. Überhaupt ist es nicht auszuschließen, daß manche Ziele dann auch erst nachträglich dazukamen. 

"Mein Kampf" ist das eine, das andere ist aber auch, daß das zum einen längst nicht jeder gelesen hat, zum anderen wahrscheinlich auch nicht so ernst genommen wurde.

Man muß das ja auch historisch einordnen: Damals, 1932 waren die Menschen wesentlich konservativer, auch war der Antisemitismus weit verbreitet, quasi fast der Normalfall; das waren also schon mal keine Sachen, wo man jemanden hätte schockieren können. 

Ebenso drückte die Last des verloren WKI und die Weltwirtschaftskrise 1929 auf dem Volk. Krieg war damals hüben wie drüben der Grenze ein Mittel zum Zweck. Das sahen auch andere Nationen so.

Wirklich in der Gesellschaft verankerten Patriotismus gibt es eigentlich erst durch das Aufkommen von Atombomben. Und dennoch sehen heute trotzdem noch viele, auch jüngere Leute, Krieg als Mittel zum Zweck, wenn man sich da so manche Fragen durchlest.

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CeIlulari 05.08.2017, 22:36
@RischijKot

Die regelmässig erscheinenden antisemitischen Dekrete waren öffentlich und allgemein bekannt. Ab 1933. Mein Kampf schon ab 1929..

Man musste kein Genie sein, um zu erkennen, dass das menschenverachtend war.

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RischijKot 05.08.2017, 22:57
@CeIlulari

Man muß es aber aus der damaligen Perspektive sehen, um es verstehen zu können. Die Deutschen hatten durch die Wirtschaftskrise schwere Verluste, während viele (nicht alle!) Juden Geld hatten und die Krise für sich nutzten.

Damals empfanden die Leute eine gewisse Genugtuung, wenn den Juden einige Rechte genommen wurden, aber die allerwenigsten wollten sie wohl vergast sehen. Es stand damals zur Debatte, sie nach Madagaskar auszusiedeln.

Klar, hätten die Leute weiter gedacht, hätten sie darauf kommen können. Aber da es so etwas vergleichbares in der Geschichte noch nicht gab, gab es auch keine Erfahrungswerte.

Heute wird ja auch wieder gegen Länder und ganze Völker gehetzt, das aber wird von vielen Deutschen akzeptiert. Es stehen wieder Deutsche Soldaten 150 km vor St.Petersburg, wider besseren Wissens, wozu ein Krieg mit Rußland führen würde. Schon zwei mal ging das daneben.

Wenn also nicht einmal unsere "aufgeklärte" Gesellschaft auf die Straßen geht und diesem Irrsinn der Bedrohung Rußlands durch Deutsche Soldaten ein Ende bereitet, wie will man dies dann von Leuten 1932 erwarten, die noch gar keine Erfahrungen darüber hatten?

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NEIN. Kein Nazi ist ein guter Mensch.

Kann man ein guter Mensch und gleichzeitig ein Nazi sein?

Ja. Dann fe lt aber die Intelligenz.

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