Kann man die vollständige kognition eines menschen durch einen IQ test messen und wenn nein welche parameter fehlen?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

An dieser Stelle müssten Begriffe wie Intelligenz und Kognition "sauber" definiert werden, was allein für den Kategorialbegriff der Intelligenz kaum möglich ist - vielleicht trotzdem folgende Definitionsversuche: (Quellennachweise bei Nachfrage)

Unter Intelligenz wird die Fähigkeit verstanden, Informationen aufzunehmen und effizient zu verarbeiten, Zusammenhänge schnell und sicher zu erkennen, aus Beobachtungen und Erfahrungen Regeln und Gesetzmäßigkeiten abzuleiten und Regeln und Informationen zu kombinieren, so dass eine schnelle und gute Lösung von Problemen gelingt.“ (Schmitt/ Altstötter-Gleich, Psychologie, S.127)

Intelligenz [ist] die Fähigkeit kontextuell angmessenes Verhalten in neuen Situationen oder während der Automatisierung des Umgangs mit bekannten Situationen zu zeigen. Intelligentes Verhalten wird aufgefasst als Funktion von Meta-, Ausführungs- und Wissenserwerbskomponenten.“ (Asendorpf/Neyer, Persönlichkeit, S.156)

Intelligenz ist die Fähigkeit, etwas über die Welt zu lernen, aus Erfahrungen zu lernen, neue Verknüpfungen von Ursache und Wirkung herzustellen und dieses Wissen bei der Verfolgung eigener Ziele in Anschlag zu bringen.“ (Korsgaard, Moral, S.131)

In der Frage der Kognition wiederum verweise ich auf einen Definierungsansatz von Alexander Kochinka (Alexander Kochinka „Emotionstheorien : begriffliche Arbeit am Gefühl“ Bielefeld : transcript verlag, 2004, 304 S.)

(1.) Der „enge“ Kognitionsbegriff entstammt der Denkpsychologie, wobei hier zu unterstellen ist, dass Denken und Kognition deckungsgleiche oder zumindest stark verwandte Begriffe sind. In diesem Kontext wird Denken ausschließlich als „Problemlösen“ verstanden (.......) . In diese Tradition sind weiterhin noch Piagets Arbeiten einzureihen: die bei ihm postulierten „kognitiven Fähigkeiten“, die ein Individuum nach und nach erwirbt, sind alle auf das Problemlösen bezogen.(…..) Ein enger Begriff der Kognition (mit langer Geschichte) fokussiert also auf das Lösen von Problemen und sieht damit von Fähigkeiten und Phänomenen ab, die wir landläufig ebenfalls mit dem Denken in Verbindung bringen würden.“ (.........)

(2.) Dem „mittleren“ Kognitionsbegriff gemäß werden Kognitionen nicht nur ausschließlich als Akte des Problemlösens verstanden, sondern haben auch ihre Funktion bei der Wahrnehmung, beim Gedächtnis, beim Lernen, bei der Aufmerksamkeit und beim Verstehen und Produzieren von Sprache.

(3.) Und der „weite“ Kognitionsbegriff wird schließlich wie folgt diskutiert: „’Kognition’ wird hier mehr oder minder gleichgesetzt mit dem Inhalt des Bewusstseins überhaupt. Auf meist nicht eigens bestimmte Weise wird alles zur Kognition, was einem irgendwie ‚durch den Kopf zieht’ – neben den im mittleren Kognitionsbegriff hinzugekommenen Phänomenen mitunter auch Gefühle und Stimmungen, Motivationen oder der Wille, Träume (Tagträume ebenso wie Alpträume) oder woran auch immer sich noch denken lässt.“

Welche Parameter "fehlen" - vielleicht Geist, Vernunft, Anschauung, Erfahrungen oder Neugier - auf die Definitionen dieser Begriffe möchte ich aus "Platzgründen" allerdings gern vezichten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo, Funmichi

für mich stellt sich zuerst die Frage, was du mit  "die vollständige Kognition eines Menschen " genau meinst. 

Nach meinem Verständnis bezeichnet dieser Begriff eher die Fähigkeit -Informationen zu verarbeiten -also mehr das "Denken"und nicht das"Wissen" , also auch nicht unbedingt mit einem IQ-Test zu erfassen. 

Die individuelle Kognition eines Menschen hängt mit den jeweiligen , psychischen Strukturen zusammen, mit seinen ganz persönlichen   Meinungen, Gedanken Absichten und Wünschen ,aber ebenso mit seinem Umfeld, seinen Erfahrungen und seiner Lebensgeschichte .

Meiner Meinung nach ist es daher nicht möglich etwas ,was sich bei jeder einzelnen Person ganz individuell entwickeln kann, an Hand von Parametern zu messen. 

LG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Der IQ-Test ist zwar einer der bekanntesten Test überhaupt, aber unter Fachleuten sehr kritisch gesehen.

Das liegt unter anderem daran, dass das Konstrukt Intelligenz überhaupt nicht klar einheitlich definiert ist.

Daher kommt auch der Ausspruch: Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst. Also je nachdem welche Kriterien in den Testfragen und Testaufgaben abgefragt werden, entsteht ein unterschiedliches Konstrukt von Intelligenz.

In den gängigen Tests wird Merkfähigkeit, logisches Denken, räumliches und rechnerischen Denken, sprachliche Kompetenzen, Allgemeinwissen und v.a.m. abgefragt.

Das bedeutet, ein Intelligenztest ist oftmals abhängig von Bildungsgrad und Kultur. Durch gezielte Vorbereitung oder Wiederholen des Test können bessere Ergebnisse erzielt werden. 

Aber auch die persönliche Tagesform kann in einigen Tests Auswirkung haben, wenn z.B. die Schnelligkeit der Beantwortung miteinbezogen wird. 

Es gibt einige andere Konzepte von Intelligenz, wie soziale oder emotionale Intelligenz - neuere Forschungsergebnisse werden dann in extra Testverfahren erfasst.

Grundsätzlich zu Deiner Frage eine Gegenfrage: Was ist die vollständige Kognition eines Menschen? Wenn Du dies definiert hast, dann ist es prinzipiell möglich, dazu einen Test zu entwerfen.

Ob dieser dann auch exakt messen kann, hängt auch von der Normierung ab. 

Ein spannendes Thema, gerne mehr auf Nachfrage

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Intelligenztests sollen lediglich Menschen filtern, die den Standards entsprechen. Standards orientieren sich nicht an möglichen strukturellen Eigenschaften der Intelligenz, sondern an den Anforderungen der Gesellschaft.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Funmichi
15.07.2016, 13:47

Das klingt plausibel!

1
Kommentar von scatha
20.07.2016, 17:07

Eventuell orientieren sich Intelligenztests auch daran, was man mit recht geringem Aufwand messen kann. Die meisten anderen Fähigkeiten lassen sich nicht so leicht testen. Im Grunde messen Intelligenztests also was sie messen, mangels besserer Alternativen.

1

Man kann durch einen IQ Test lediglich die Fähigkeit, Aufgaben von der Art der Fragen des IQ-Tests zu lösen, messen.
ALLE anderen Parameter fehlen.

Ein Witzbold hat einmal korrekterweise definiert:
"Intelligenz ist, was IQ-Tests messen."

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?