kann man die Milchstraße überhaupt in Gänze sehen?

14 Antworten

Der Name "Milchstraße" ist viel älter als die Erkenntnis, dass sie ein Teil unserer Galaxie ist. Er entstand nämlich für das Band, das man am Himmel erkennt, wenn man auf den von der Erde sichtbaren Rand der Galaxie schaut. Damals war man sich ja noch gar nicht bewusst, was man da genau sieht. Deshalb ist es nach meinem Begriff auf korrekt, wenn man sagt, man kann die Milchstraße sehen.

Gleichzeitig hast du natürlich auch Recht, dass wie von der Erde aus nie die Galaxie im Ganzen sehen können. Denn wir befinden uns ja drinnen und können nur auf einen Teil davon schauen.

Meiner Ansicht nach liegt das Problem darin, dass man heute zum Teil den Begriff Milchstraße nicht nur für das sichtbare Band benutzt, sondern ihn mit der Galaxie gleichsetzt.

Danke,
gibt es denn noch einen anderen Namen für die Galaxie ?

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@PeterSchu

wir reden aneinander vorbei. ich suche nicht nach einem synonym für das wort galaxie oder milchstraße.
Aber du sagtest das der begriff Milchstraße ursprünglich nur den sichtbaren Spiralarm meint. was war denn der ursprüngliche begriff für unsere komplette galaxie wenn milchstraße nur den spiralarm meint

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@jimclark194

Wir reden wohl in der Tat aneinander vorbei. Stell dir die Menschen vor Jahrtausenden vor, die an den Himmel geschaut haben und ein helles Lichtband gesehen haben. Das haben sie die Milchstraße genannt. Vielleicht weil sie es mit dem Bild verglichen haben, das ein ausgeschütteter Eimer Milch verursacht.

Damals hatte noch niemand eine Ahnung, wie unser Sonnensystem aussieht und unsere Galaxie. Es gab also keinen ursprünglichen Begriff für unsere Galaxie.

Als man später herausgefunden hat, dass sich hinter dem Anblick der Milchstraße unsere Galaxie verbirgt (auch wenn man sie nicht komplett sehen kann), kam wohl der nicht ganz korrekte Sprachgebrauch, dass die Milchstraße unsere Galaxie ist.

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Die Frage, ob wir Teil der Milchstrasse, hängt vom Wesen und der Entstehung der Milchstrasse ab. Hierzu gibt es verschiedene Theorien. Hier eine Auswahl:

(1) Die klassische Erklärung ist: Als Herkules an die schlafende Hera gelegt wurde um die göttliche Milch zu trinken, saugte er so stark, dass Hera erschreckt hochfuhr und dabei die göttliche Milch verspritzte. Es bildete sich dabei eine "Kiklos Galaxias" (Milchkreis). Durch Übersetzungsungenauigkeit ins Lateinische wurde dies zur "Via Galactica" (Milchstrasse).

(2) Manche meinen, die Galaxie reicht bis in die Urzeit zurück. Als Kronos den neugeborenen Zeus zum Verschlingen verlangte, wickelte seine Gattin Rhea, die darüber empört war, einen Stein in die Wickelkleider von Zeus. Doch Kronos verlangte, dass sie ihn vorher noch stillen sollte, damit er besser schmeckt. Dabei verspritzte sie ihre göttliche Milch.

(3) Die alten Ägypter fanden heraus, dass die Galaxie ein Fluß aus Licht sei, der im Himmel ähnliche Bedeutung hat, wie der Nil auf der Erde. Die Göttin Isis hat sich dahin verzogen.

(4) Nach einer chinesischen Theorie handelt es sich bei der Galaxie um einen himmlischen Fluß, in dem sich die Sonne und der Mond baden, bevor sie in das Innere des Himmels eintreten.

(5) Bei den Negern in Afrika ist die Theorie beliebt, dass es sich bei der Galaxie um das Rückgrat der Nacht handelt, ohne das die Trümmer der Dunkelheit auf die Erde stürzen würden.

(6) Nach den Wikingern handelt es sich um eine "Geisterstrasse" auf der die guten Seelen wandern, um in die Stadt des Himmels zu kommen.

(7) Die Indianer meinen, einst sei der Himmelsbär über das Firmament gelaufen und habe sich den Schnee aus dem Pelz geschüttelt.

(8) Die australischen Ureinwohner glauben, die Galaxie sei der Rauch der der Opfergaben ihrer Vorfahren, der in den Himmel aufgestiegen ist.

(9) Nach einer relativ neuen Theorie aus dem 19. Jahrhundert von Mark Twain hat der Mond viele kleine Eier gelegt. Diese bilden nun die Galaxie.

(10) Die bisherigen Erklärungen verfolgen mythologische Ansätze. Nun zu den wissenschaftlichen Ansätzen. Nach Anaxagoras handelt es sich um Sonnenlicht, das vom Staub im Himmel reflektiert wird.

(11) Nach Philolaos handelt es sich um einen Riß im Himmelsgewölbe, durch das das Äußere Feuer hindurch scheint.

(12) Nach Aristoteles ist die Galaxie Luft, die durch Reibung an der Himmelsphäre entzündet.

(13) Nach Aveicenna ist die Milchstrasse der Dampf, den die Sterne ausschwitzen.

(14) Nach Galileo gilt: "Die Galaxie ist in der Tat nichts anderes als eine Ansammlung zahlloser Sterne, die zu einem Haufen zusammengeballt sind."

(15) Nach dem ELS-Modell bildete sich die Milchstrasse aus dem Kollaps einer langsam rotierenden Gaswolke von 300 Tausend Lichtjahren Durchmesser.

(16) Nach dem SZ-Modell entstand die Milchstrasse durch Verschmelzung mehrerer massearmer Wolken, die bereits Sterne enthielten.

(17) Aus den Ideen von (15) und (16) hat sich eine neue Theorie entwickelt, die teilweise recht nah an den Urknall heranreicht. Demnach haben Dichteschwankungen der dunklen Materie gravitative Strukturen entstehen lassen, die "dunklen Halos", die Vorläufer des galaktischen Halo, in die die Galaxie eingebettet ist.

Übrigens kann man die Miilchstrasse viel besser in Australien bewundern als bei uns. Vermutlich liegt das nur daran, dass wir stark lichtverseucht sind.

Nach den Theorien 1 bis 14 sind wir nicht Teil der Galaxie. Nach den Theorien 15 bis 17 schon. Demnach sind wir in den Randbezirken im Ausläufer eines Spiralarms angesiedelt und die Galaxie ist nicht kugelförmig sondern größenordnungsmäßig ungefähr 10 mal so lang wie dick. Wir sehen den Teil in Richtung Zentrum und wg. der Form sehen wir sehr viele kleine Lichtpunkte in einem Steifen, der eine beträchtliche Breite hat und hoch am Himmel ist.

Die ganze Milchstraße können wir nicht in einem einzigen Bild einfangen, das einen bestimmten Bildausschnitt darstellt. Da wir aber keineswegs in der Mitte unserer Galaxie sind, erscheint jeweils der größte Teil der überhaupt sichtbaren Sterne und Gasnebel unserer Galaxie in einem Bereich, den man mit geeigneter Aufnahmetechnik (Weitwinkel) großenteils in ein Bild bringen kann. Stell dir vor, du wohnst in einer großen Stadt, etwa in Paris. Nun fährst du mit der Metro ein paar Kilometer weg vom Zentrum (Notre-Dame, Champs-Elysées etc), zum Beispiel in das Hochhausviertel "La Défense" und fährst dort mit dem Lift in ein Restaurant im obersten Stockwerk von einem der Türme. Von dort aus kannst du praktisch die gesamte Stadt Paris mit allen ihren zentralen Arrondissements überblicken und auch fotografieren. Damit hast du alle "wesentlichen" Teile der Stadt und Agglomeration Paris im Bild. Was hinter dir liegt, sind eher "unwesentliche" Banlieues, die normalerweise kaum jemand meint, wenn er von Paris spricht. So ähnlich sieht es aus, wenn wir von der Erde aus (oder z.B. von einem erdumkreisenden Satelliten aus den Hauptteil des Milchstraßensystems fotografieren. Dabei gibt es einen Nachteil: da in der Hauptsymmetrieebene des Milchstraßensystems (in der sich auch das Sonnensystem ungefähr befindet) auch die dichtesten Gas- und Staubwolken des Milchstraßensystems liegen, haben wir zu entfernteren Regionen unserer "Heimatgalaxie" zum Teil recht schlechte Beobachtungsbedingungen. Insbesondere die Sicht zum Zentrum hin ist ziemlich "vernebelt". Doch mit gewissen Teleskopen vor allem im Infrarot-Bereich kann man diese Nebelschwaden doch teilweise durchdringen.

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