Kann man den Menschen, die 1933 die NSDAP gewählt haben, Vorwürfe machen?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Nicht wirklich. 52%
Klar. 48%

13 Antworten

Nicht wirklich.

Um eines zu erklären, muß man in die Geschichte zurückgehen.

Deutschland musste nach dem ersten Weltkrieg ziemlich viel zahlen, für die Schäden eines Kriegs, den es nicht alleine verursacht hat und war entsprechend gebeutelt. Die Menschen haben gehungert und hatten Hass, da sie für etwas zahlen mussten, woran sie nicht schuld waren. Hitler hat ihnen viel versprochen, und es sogar zum Teil eingehalten. Damals waren Kommunismus und National(sozial)ismus sehr beliebt, weil beides versprach, die Menschen aus der Misere rauszuholen. Die Leute haben sich erhofft, durch Hitler wieder zum Wohlstand zu kommen, was Hitler geschafft hat. Fast jeder hatte Arbeit, die Renten und Krankenversicherung wurde ausgebaut, deswegen liebten die Menschen ihn. Erst später hat er angefangen, den Juden über die Jahre hinweg die Rechte wegzunehmen. Sie wurden für die Misere schuldig gehalten. Die Menschen haben das als hinnehmbar empfunden, da fast alle Parteien so waren.

Btw, kleiner Fakt: Als die Nazis zum Boykott jüdischer Läden aufgerufen haben, haben in vielen Orten die Deutschen aus Protest bei jüdischen Läden eingekauft.

Wenn wir nicht den Nationalsozialismus gehabt hätten, dann wahrscheinlich den Sozialismus gehabt, das wäre für die Juden aufs selbe hinausgelaufen. Denn diese waren für die Sozialisten das absolute Feindbild. Auch muss man bedenken, dass fast alle Parteien extrem absurde Vorschläge hatten. Wenn die deutschen die NSDAP nicht gewählt, würde wahrscheinlich heute zur Debatte stehen, wieso die Deutschen sich schämen sollten, weil sie eine andere Partei gewählt haben.

Zumal die Menschen so etwas in der Art noch nie gesehen hatten und sich das niemals hätten erahnen können, da so was noch nie in so einen Ausmaße geschehen ist.

Wenn man den alten Menschen darüber reden würde, könnte man es verstehen, aber die meisten beschäftigen sich nicht gern mit alten Leuten. Also, redet mal mehr mit Oma und Opa, bevor ihr sie verurteilt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Meine Urgroßeltern haben alle die NSDAP gewählt, und ich verstehe deren Beweggründe und mache ihnen keinen vorwurf. Es ist nur interessant deren Sichtweise anzuhören. Redet mit dieser Generation, bevor sie stirbt.

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Klar.

Das Programm der NSDAP kann im Internet nachgelesen werden, und damals wurde es wahrscheinlich auch veröffentlicht und verbreitet. Wer wählt eine Partei, deren Programm er gar nicht kennt?

Und dieses Programm ist hochgradig martialisch und menschenfeindlich.

Das kann man mit dem relativ sachlichen Programm der AfD nicht vergleichen, obgleich auch darin einige bedenkliche, immigrantenfeindliche Punkte enthalten sind.

Wer aber ein solches Programm, wie das der NSDAP kennt, oder aber es nicht zur Kenntnis nimmt und die Partei trotz ihres gewalttätigen Auftretens im Wahlkampf (Straßenkämpfe, militärische Bewaffnung von Teilen der Partei (SA)) wählt, dem kann man diesbezügliche Vorwürfe nicht ersparen.

Wer wählt eine Partei, deren Programm er gar nicht kennt?

Bitte nimm' es mir nicht übel, aber diese (rhetorische) Frage ist naiv!

Das Programm der NSDAP ... ist hochgradig martialisch und menschenfeindlich.

Nach damaligem Verständnis und allgemeinem, nicht nur in Deutschland verbreitetem Nationalismus bzw. Chauvinismus war das Parteiprogramm nicht sonderlich "martialisch und menschenfeindlich"!

Partei trotz ihres gewalttätigen Auftretens im Wahlkampf (Straßenkämpfe, militärische Bewaffnung von Teilen der Partei (SA)) wählt,

Die Kommunisten mit ihrem Rotfrontkämpferbund oder die DNVP und ihr Stahlhelm waren auch keine Waisenknaben! Man hatte also zwischen mehreren Übeln zu wählen! Und für den Kommunismus gab es ein abschreckendes Beispiel: die Sowjetunion, aber für den Nationalsozialismus damals noch nicht!

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@ArnoldBentheim

Man konnte auch SPD oder Zentrum wählen, und die Sowjetunion wurde erst Mitte der 30er Jahre wirklich schlimm.

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Nicht unbedingt.

Wenn man aber heute deren vermeintliche Nachfolger oder Nachahmer wider besseren Wissens wählt oder ihnen hinterher läuft, dann schon.

Hitler versprach, den Versailler Vertrag zu revidieren und Deutschland aus der Weltwirtschaftskrise (-> Massenarbeitslosigkeit) herauszuholen. Denjenigen unter den Wählenden, die Mein Kampf gelesen hatten oder zumindest Stellen, die rassistisch und kriegsverherrlichend sind, kann man natürlich Vorwürfe machen.

Wahlplakat der NSDAP, 1932:

Hitlers gute Bekannte Winifred Wagner sagte 1975 in einem Interview mit Hans Jürgen Syberberg:

Ich meine, man muss sich vorstellen, in welch einem fürchterlichen Elend im Jahr ..., also nach dem Ersten Weltkrieg, während der ganzen Inflation, das ganze Volk stand. Ich meine, man hungerte, man fror, man hatte kein Geld, man hatte nichts zu essen. Und es war also eine derartige Depression über ganz Deutschland gekommen. Dazu dann diese ganz links, ganz scharf Gerichteten, diese Spartakistengruppe, die also von Kiel ausging. Dann also die Räterepublik in München. Also, das war der reinste Anarchismus. Und da war es doch selbstverständlich, dass sich die – sagen wir mal – deutsch empfindenden Menschen versuchten zusammenzuschließen und auch irgendwie nach einer Führung verlangten. Und als dann in München dieser damals doch also völlig unbekannte Hitler auftrat und seine wirklich flammenden Reden hielt und uns quasi versprach, durch eine neue Volksgemeinschaft den Versuch zu machen, uns zu retten, dass man da in jeder Sicht sich ihm anzuschließen bereit war [...].

Sachlich gesehen waren der Spartakus-Aufstand in Kiel und die Münchner Räterepublik (es gab einige weitere Räterepubliken in Deutschland, z. B. in Mannheim) nicht anarchistisch.

 - (Politik, Deutschland, Geschichte)
Nicht wirklich.

Den damaligen Zeitgeist kann man mit dem heutigen schlecht vergleichen. Es herrschte aber ebenfalls eine polarisierte Stimmung und wenn Menschen nach einem Strohhalm suchen, weil sie sonst ertrinken würden, kann so etwas schnell passieren. Ich glaube allerdings eher, dass der Sozialismus dieses Mal zum Problem wird und seine Gefahren von etablierten Parteien verkannt werden. Einen wie Höcke wollen die Deutschen sowieso nicht, immerhin.

Schau Dir mal die letzte Wahlprognose an.

Da sehe ich echt nicht, dass die Linken zum Problem werden könnten.

https://www.bundestagswahl-2021.de/umfragen/

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@Pfauenaugen

Welche denn?

Sag bloß, Du meinst, die Grünen wären so arg links.

Wenn das nämlich wirklich so wäre, würde die Koalition im Ländle nicht so gut funktionieren.

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